„Nackter Mann, der brennt“ ist Tiefpunkt von Friedrich Ani

Autor Friedrich Ani
Autor Friedrich Ani
Foto: picture alliance / dpa
Es ist der Tiefpunkt in der Karriere eines großen Krimi-Autors: Friedrich Ani hat bei „Nackter Mann, der brennt“ aufs falsche Pferd gesetzt.

Essen. Schlecht über einen Autor zu schreiben, den man schätzt, ist kein Rufmord. Im Falle Friedrich Anis sei es eine Ehrenrettung. Wie schrecklich hat sich dieser hochsensible Autor, dieser Meister erzählerischer Empathie („Tabor Süden“) aufs falsche Pferd gesetzt: Sein aktuelles literarisches Ich steigt in die Haut eines Massenmörders. Unwohl fühlt sich in ihr der Leser, den die plump verschwisternde Haltung regelrecht in den Schwitzkasten nimmt.

Vielleicht ist das Schlimmste an der Lektüre, die uns den aktuell vielleicht besten deutschen Kriminalschriftsteller auf dem Tiefpunkt vorführt, ihr wahrer Kern. Tiefstes Miefbayern, lange Schatten alter Herren, die ihr Dorf für einen Selbstbedienungsladen halten, auch erotisch, Knaben verschleißen, nachher zerstören, psychisch und physisch. Dazu ein Halleluja im Herrgottswinkel.

Es wäre Friedrich Anis große Aufgabe gewesen, ins hässliche Genrebild einer deutschen Landschaftskluft jene Grautöne Einzug halten zu lassen, mit denen er so oft die Schicksale Geschundener vor elender Schwarzweiß-Malerei geschützt hat. Aber das Gegenteil ist zum Buch geworden. „Nackter Mann, der brennt“ (Suhrkamp, 223 S., 20 €) lässt Ludwig Dragomir auf uns los, und Heiligsheim (wie sonst?), heißt der Ort seines Rachefeldzugs. Dorthin, nicht wiederzuerkennen für seine Opfer, kehrt das einst gequälte Kind zurück, Täter für Täter zu richten, kalt, gradlinig. grausam.

Erinnerung an US-Groschenthriller

Wie im US-Groschenthriller läuft das ab, furchtbar gebläht durch eine Sprache, die sich nicht geniert, Halt bei Goethes Türmer zu suchen („zum Morden geboren, zum Sterben bereit“), wo doch ihr pathetisch dampfender Häscher-Atem bei Jerry Cotton Luft holen müsste.

 
 

EURE FAVORITEN