Nach Kunst-Verbot - Gregor Schneider zeigt Werk in Bochum

Jürgen Boebers-Süßmann
Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) lehnte ein Kunstwerk ab, das an das Grauen der Loveparade erinnerte. Bochums Museum gibt der umstrittenen Rauminstallation von Gregor Schneider eine Chance. Seine „Totlast“ wird ab 29. August dort zu sehen sein.

Bochum. Duisburg sagt „nein!“, Bochum sagt „danke!“ – Der Künstler Gregor Schneider realisiert für die Ruhrtriennale nun doch eine neue Rauminstallation. Unter dem Titel „Kunstmuseum“ setzt er sich mit dem Ort und der Funktion des Bochumer Museums auseinander. „Nach der Absage seines für das Lehmbruck-Museum Duisburg geplanten Raumkunstwerkes ,Totlast’ durch den Duisburger Oberbürgermeister ist der kurzfristige Wechsel nach Bochum ein großer Erfolg“, so Triennale-Intendant Heiner Goebbels.

Es war und ist ein veritabler Kunstskandal: Wie diese Zeitung berichtete, hatte Duisburg „Totlast“ Anfang Juli überraschend verboten. Grund: Oberbürgermeister Sören Link befürchtet, seine Stadt sei nach der Loveparade-Katastrophe noch nicht reif für ein Kunstwerk, das aus labyrinthischen Röhren besteht, und durch das Besucher nur in gebückter Haltung hätten gehen können. Das Vorgehen hatte weite Empörung ausgelöst; von einem „Fall von Kunstzensur“ war die Rede.

Installation "Kunstmuseum" wird den Haupteingang des Museums verschließen

Nach der Entscheidung hatten sich Goebbels und sein Team nach Alternativen umgesehen, wobei der Blick schnell nach Bochum ging. Zum einen ist hier mit der Jahrhunderthalle ein zentrale Veranstaltungsstätte der Triennale verortet, zum anderen ist Bochums Museumsdirektor Hans Günter Golinski als Sprecher der Ruhr Kunst Museen bestens im Ruhrgebiet vernetzt.

So fiel rasch die Entscheidung, Gregor Schneiders künstlerische Intervention nach Bochum zu holen, wenn auch in anderer Form. Seine Installation „Kunstmuseum“ wird den Haupteingang des Museums verschließen, um durch einen neuen, temporären Eingang – „ein Abflussrohr“, so der Künstler – die Besucher in verborgene Räume, in eine normalerweise im Museum nicht zugängliche „abseitige Welt“ führen. Die Ausstellung wird am 29. August eröffnet.