„Mutti“ Merkel zeigt sich kontaktfreudig im Theater

Gruppentherapie für die Kanzlerin Angela (Nadja Robiné) und ihre Regierung in dem Theaterstück „Mutti“ von Julie Zeh und Charlotte Roos.
Gruppentherapie für die Kanzlerin Angela (Nadja Robiné) und ihre Regierung in dem Theaterstück „Mutti“ von Julie Zeh und Charlotte Roos.
Foto: Bernd Thissen
Das Theaterstück „Mutti“ von Julie Zeh und Charlotte Roos feierte bei den Ruhrfestspielen seine Premiere. Erzählt wird die Geschichte von Kanzlerin Angela (Nadja Robiné), die bei einer Gruppentherapie lernen soll, besser mit anderen Politikern zu interagieren.

Recklinghausen. Als Kind, erzählt die Kanzlerin Angela Merkel an einer Stelle des Stücks „Mutti“, habe sie einmal beim Schwimmunterricht auf dem Dreimeterbrett gestanden und beim Blick in die Tiefe lange gezögert. Erst als alle Mitschüler verschwunden waren, sei sie endlich gesprungen.

In dem Stück von Julie Zeh und Charlotte Roos, das jetzt als Koproduktion mit dem Nationaltheater Weimar bei den Ruhrfestspielen uraufgeführt wurde, klingt dieses Eingeständnis wie ein kleines Stück Wahrhaftigkeit inmitten eines mäßigen Polit-Lustspiels. Denn dieses zögerliche Aussitzen von Problemen, das man der Kanzlerin immer wieder vorwirft, es könnte hier seinen Ursprung haben.

Das Stück beschreibt das Meeting von vier führenden politischen Persönlichkeiten mit einem System-Aufsteller (Stephan Grossmann), der die Interaktion zwischen ihnen optimieren soll. Merkel trifft hier auf all jene, die ihr unbequem sind, der Horst aus München, die Ulla, die so gerne selbst Kanzlerin wäre, und der SPD-Störenfried Sigmar (Michael Wächter). Regisseur Hasko Weber legt dabei großen Wert darauf, dass die Akteure in Sprache und Aussehen ihren realen Vorbildern möglichst entsprechen, was die Unternehmung sehr schnell in Richtung Kabarett marschieren lässt.

Angela, der Fußballfan

Man soll sich also amüsieren über allseits Bekanntes. Dass Angela der Fußball über alles geht zum Beispiel, selbst wenn es um sie herum politisch brennt. Also spielt „Mutti“ in einer Zukunft, in der die deutschen Kicker bereits im Endspiel der WM stehen, während vor den Stadiontoren die Zahl der Protestierenden und die Zahl der Toten weiter anwächst. Das Coaching ist da längst vergessen, deutsche Fahnen werden geschwungen, nur Sigmar gibt den Spielverderber, denn er will das Match abbrechen lassen. Er hätte wissen können, dass Merkel ihn damit ins offene Messer laufen lässt.

Das klingt alles tragischer, als es auf der Bühne erscheint. Denn da zieht Nadja Robiné mit ihrer erstaunlich einfühlsamen Merkel-Performance in immer gleicher Tonlage alle Aufmerksamkeit auf sich, die kleinen tödlichen Blicke inklusive. Da brabbelt Anna Windmüllers Ulla unentwegt über Auslandseinsätze der Bundeswehr und zieht Horst (Sebastian Kowski) sich zwischendurch natürlich eine deftige Brotzeit rein.

Nur einmal ist man kurz irritiert, wenn der Coach, der eher Guru ist, mit Merkel kurz hinter den Kulissen verschwindet und später zerzaust wieder auftaucht. Aber nein, auch solche Anspielungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Politikerstadl eine eher oberflächliche Gaudi bleibt.

 
 

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