Xavier Naidoos Studioalbum "Bei meiner Seele" ist schleimig und schwer

Xavier Naidoo live, hier bei einem Auftritt 2010 in Essen
Xavier Naidoo live, hier bei einem Auftritt 2010 in Essen
Foto: WAZ FotoPool
Das fünfte Studioalbum des Mannheimers Xavier Naidoo bereitete unserem Kritiker immenses körperliches Unbehagen. Was an „Bei meiner Seele“ nicht so ganz stimmt und warum die Haltung des Sängers schier unerträglich erscheint, lesen Sie hier.

Essen.. Dieser Weg, das wusste ich bei den ersten Tönen, würde kein leichter sein, dieser Weg würde schleimig und schwer. Doch dass ein Stück glatt geschliffene Popmusik wie Xavier Naidoos neues Album „Bei meiner Seele“ einem Menschen derart greifbares körperliches Unbehagen bereiten könnte, dass es den schwer unterdrückbaren Wunsch weckt, Flüche auszustoßen, war dem sonst recht schmerzfreien Verfasser dieser Zeilen neu.

Nun fragte ich mich, woher die unüberwindbare Abneigung rühren könnte. Die Antwort liegt nicht in der Musik, denn das Fundament der Songs ist instrumental vielleicht nicht der Gipfel des Erfindergeists, aber ein solider Mix aus Soulpop, Reggae, Hip­Hop und Funk.

Ein devoter Messias

Nein, die Abneigung macht sich an den Texten, ihrer Intonation fest, am anbiedernden Weltbild und damit an der Person des Sängers. Beispiel? Naidoo, der in jüngster Vergangenheit mit dem Rapper Kool Savas Homosexuelle angriff, knüppelt in „Höchste Zeit“ durchaus nachvollziehbar auf Machos ein, um am Ende einen Kniefall vor den Frauen zu tun: „Und ich weiß, dass es gar nicht geht,/ Würd ich mich gerne entschuldigen, für alle Männer, die gewalttätig sind/ (. . .) Ihr seid Göttinnen, ihr bringt das Leben zur Welt/ Wir sind nur Eure Untermieter, vergebt uns.“ Interessant: Mit diesen Zeilen ist der Sänger unterwürfig und messianisch zugleich.

Konzert

Und dann covert Xavier Naidoo „Junge“

Naidoo missglücken auf „Bei meiner Seele“ noch andere Kunststückchen. So covert er, in bester Tradition von Heino, das Lied „Junge“ von den Ärzten. Er singt über sich als Autonarren, wobei man vergeblich die Ironie sucht. Und er setzt mit dem letzten neuen Song „Deine Last“ (mit Moses P.) einen halbwegs erträglichen HipHop-Schlussstrich unter ein küchenphilosophisch durchweichtes Album.

  • Xavier Nai­doo: Bei meiner Seele (Naidoo Records/Tonpool). Live als Xavas: 13.9. Dortmund, 14.9. Bonn. Karten: 0201/ 804-6060 oder www.ruhrticket.de
 
 

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