Volbeat begeistern mit Elvis-Metal ohne Längen

Oberhausen. Ganz klar, Volbeat sind auf dem aufsteigenden Ast. Die Dänen touren derzeit mit Metallica durch die USA und Kanada. Bei ihrem kurzen Abstecher nach Deutschland begeisterten die "Elvis-Metaller" eine eigentlich viel zu kleine Turbinenhalle.

Derzeit touren Volbeat als Vorgruppe der Metal-Band schlechthin durch Nordamerika. Da kommen die Fans dann wegen Metallica. In Oberhausen kamen die Fans wegen Volbeat und eigentlich war die Turbinenhalle schon jetzt zu klein für eine aufstrebende Band dieser Größenordnung. Gut für die Betreiber. Schlecht für alle Fans, die kein Ticket mehr ergattern konnten. Außer in Oberhausen waren die Jungs aus Dänemark bei ihrem kurzen Abstecher nach Europa nämlich hierzulande nur noch in Hannover zu erleben.

Fein herausgeputzt steht Michael Poulsen auf der Bühne. Der Frontmann von Volbeat trägt ein weißes Hemd, eine Krawatte und darüber eine anthrazitfarbene Weste. Die Haare sind sauber nach hinten gegelt. Ein Hut drauf und er könnte als Westernhagen durchgehen. Sieht so jemand aus, der vor zwei Jahren ein Album mit dem Titel „Rock the Rebel/ Metal the Devil“ herausgebracht hat?

Volbeat kann nachlegen

Die Antwort ist laut und über jeden Zweifel erhaben. Volbeat verwandeln die Turbinenhalle am späten Freitagabend vom ersten Gitarrenriff bis zum letzten Trommelschlag in eine pulsierende Masse aus hüpfenden und sich schubsenden Leibern.

Gleich zu Beginn geben Volbeat die Richtung vor: „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ heißt das aktuelle Album, die Tour und auch der zweite Song des Abends. Das trauen sich nur Bands, die wissen, dass sie ordentlich was auf dem Kasten haben. Bands, die noch nachlegen können. Und Volbeat kann. Kracher wie „Caroline“ oder „Radio Girl“, ein neuer Song mit dem (Arbeits-)Titel „A new Song“, Hymnen wie „Mary Ann’s Place“ oder „Garden’s Tale“ – Volbeat haben vieles im Gepäck, was die Anhänger auf den bisherigen drei Alben lieb gewonnen haben.

Johnny Cash gewidmet

Das vielleicht tanzbarste Lied, „Sad Man’s Tongue“, erzählt viel über die Einflüsse der Band. Sänger und Gitarrist Poulsen widmet es Johnny Cash. Wer die leisen, countrylastigen ersten 20 Sekunden hört, weiß warum. Dazu Poulsens charismatischer Gesang, der entfernt an den King of Rock’n’Roll erinnert. Was die Band zum Unikat im (inoffiziellen) Genre „Elvis-Metal“ macht. Dann explodiert der Song förmlich, E-Gitarren, Bass und Schlagzeug katapultieren ihn in eine härtere, schnellere Dimension. Zeitgleich unterstrichen von der Bühne mit einem lauten, langgezogenen „Yeeeeah“ und vom Publikum mit hunderten von in die Luft gereckten Zeige- und kleinen Fingern, die sich zum „Teufelszeichen“ formieren. Metal the Devil!

Ein Rockkonzert ohne jede Länge. Der vielleicht einzige Kritikpunkt: Es hatte mit nur einer Stunde und 15 Minuten nur etwas mehr als Metallica-Vorband-Länge. Dabei sind Volbeat weit mehr als das.

 
 

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