Tom Jones - der Tiger trotzt dem Alter

Thomas Hag
Foto: WNM / sergej lepke

Düsseldorf. Das Hemd ist immer noch mindestens einen Knopf zu weit offen, das Zwinkern immer noch vielversprechend: 3000 Fans feierten Tom Jones, ihren Tiger aus Wales in der Düsseldorfer Philipshalle - und sonst ganz seriöse Damen verloren die Contenance.

„Why why why Delilah?", singt die Halle inbrünstig, und ganz seriöse Damen beweisen, dass sie ausgesprochen laut auf zwei Fingern pfeifen können. Der Mann, dessen Walzer-Hit sie auswendig können, ist der 69-jährige Sir Thomas, wie sich Tom Jones, bürgerlich Thomas John Woodward, seit seiner Nobilitierung durch die Queen nennen darf.

Das Haar mag ergraut sein, die Bräune stammt von der Sonnenbank, und der Kinnbart dient dazu, die Narben einer Schönheits-OP zu verdecken, aber der Tiger, wie man ihn auch nennen darf, trotzt dem Alter. Das Hemd ist immer noch mindestens einen Knopf zu weit offen, das Zwinkern immer noch vielversprechend. Er ist ein „Sugar Daddy”, zumindest in den Augen von Bono und The Edge von U2, die ihm für sein aktuelles Album „24 Hours” den gleichnamigen Titel auf den Leib geschrieben haben. „Ich weiß nicht, was sie damit meinen”, sagt er kokett. Die Ladys in der bestuhlten Philipshalle aber wissen es genau. Ihre Vorgängerinnen warfen diesem Mann Slips auf die Bühne, in den Hotels von Las Vegas gleich die Zimmerschlüssel. Heute werden ihm Rosen gereicht.

Einer der letzten seiner Art

1965 hatte der walisische Sänger seinen ersten Hit, das unwiderstehliche „It's Not Unusual”, er war mit Elvis befreundet und ist immer schon ein Showman gewesen. Nie war er einer von den Croonern, die ihre Stimme sanft um die Töne schmiegen, er war und ist einer der beim Singen vor Kraft fast zu bersten scheint. In „The Green Green Grass of Home”, diesem so düsteren Hit über den Mann in der Todeszelle, der sich in seine Heimat zurück träumt, wringt er jede Silbe aus, fast bis zum Schluchzen. Er fühlt sich wohl inmitten seiner jungen, exzellenten Band, auch wenn das schmissige „What's New Pussycat?” doch mehr Magie ausstrahlt als die „Sex Bomb”. Am Ende feiern die Fans einen noch immer formidablen Sänger, einen Entertainer, einen der Letzten seiner Art. Da darf das Hemd ruhig offen sein.