Thomas D hält der Welt den Spiegel vor

Thomas D ist auf Solopfaden wohl der Aktivste von den Fantastischen Vier. Am Freitag kommt mit „Lektion in Demut 11.0“ sein viertes Studioalbum in die Plattenläden. DerWesten sprach mit Thomas D über das Remake der Platte von 2001.

Essen.. „Lektion in Demut 11.0“ ist ein Remake von Thomas D's Werk aus dem Jahr 2001. Die gleichen Texte, die gleiche Botschaft – aber trotzdem ganz anders. DerWesten sprach mit Thomas D über den Gedanken, dieses Remake genau in diesen schweren Tagen auf dieser Welt zu veröffentlichen.

In einer CD-Kritik steht, „Lektionen in Demut ist düster, apokalyptisch und alles andere als massentauglich“ - Warum gibt es davon ein Remake? Weil es auf Platz drei der Charts war?

Thomas D: Nicht nur die Kritiker haben das Werk damals so eingestuft, ich bin in der Einschätzung auf der selben Linie. Aber trotzdem hat „Lektionen in Demut“ mit der 1Live-Krone damals einen Publikumspreis gewonnen. Das heißt also, schon früher war „düster, schwierig und nicht massenkompatibel“ doch mit einer gewissen Masse an Fans kompatibel. Der Gedanke hinter dem Remake ist, dass es zehn Jahre her ist, dass die Geschichte auf diesem Konzeptalbum zum ersten Mal erzählt wurde.

Wie kommt es, dass die Geschichte ein zweites Mal erzählt werden muss?

Thomas D: Wie das bei Künstlern so ist, basiert die Idee auf einem einzigen Moment. Ich habe mir ein Demo von Alex Breuer angehört und war geflasht von seinem Sound. Kein Techno, doch elektronisch und mit sehr viele Bildern. „Lektion in Demut“ ist zehn Jahre her, und die Sicht auf die Welt durch die Brille eines Comic-Szenarios – dabei doch irgendwie emotional – ist ein Spiegel von der Welt früher und mehr noch: auch ein Spiegel der Welt heute. Das war eigentlich der ausschlaggebende Grund für mich, diese Geschichte noch mal zu erzählen. Die Geschichte in ihrer Intensität, die Bilder und die Gefühle: Diese Platte ist sehr wertvoll für mich, sie ist mein Juwel.

Und deshalb eine Kopie des Originals.

Thomas D: Es ist ein Remake. Man stelle sich vor, man hat diesen tollen, alten französischen Film und jetzt aber noch die besten Schauspieler der Welt und 180 Millionen Euro Budget mehr. Also lass uns noch mal in die Trickkiste greifen und den Film neu machen. Die Story ist so gut, die kann man noch mal erzählen. Und ich mache nichts kaputt, wenn ich es in eine neue Fassung passe.

Aber nicht immer sind Remakes in einer neuen Fassung besser als das Original.

Thomas D: Vielleicht sogar selten. Aber ich will auch nicht in einer Wertung gehen, welches Album besser ist. Das Schöne ist doch: Es gibt sie beide. Es gibt das Original, und es gibt zehn Jahre später jetzt eine wärmere, eine leichter zugängliche Version. Die Musik auf der neuen Platte nimmt dich in den Arm, während der Text dir dabei das Gehirn wäscht und dir vom Ende der Menschlichkeit erzählt. Die Musik ist die ganze Zeit dein tröstendes Element darin. Allerdings gibt es auch Momente, in denen die Musik poppig rüberkommt und damit das Bedrohliche und Böse nur kaschiert. Übrigens gibt es ja auch Leute, die vor zehn Jahren gar nicht am Start waren und die erste Version gar nicht kennen.

Braucht denn der Mensch dieses „in den Arm genommen werden“ in diesen Tagen mehr denn je?

Thomas D: Das würde ich so unterschreiben, ja.

Die Geschichte von „Lektionen in Demut“ spielt aber in einer eigens erschaffenen Welt. Einer Comicwelt mit extrem Gut gegen extrem Böse – wie hat sich diese Ihre Welt in der Geschichte und vielleicht auch in der Realität verändert in zehn Jahren?

Thomas D: Der Vorteil von diesem Deckmantel des eigen erschaffenen Planten, dieser Comicwelt ist, dass extrem Gut und extrem Böse viel überzeichneter – und dadurch umso besser erkennbar sind. Ich glaube, in den letzten zehn Jahren ist es schwieriger geworden, dieses „Gut und Böse“ von einander zu unterscheiden. Und leider ist es immer aktuell geblieben – gerade in der heutigen Zeit – von einem Ende der Welt zu erzählen. Der Mensch hat kaum dazugelernt und den Raubbau an der Erde immer weiterbetrieben. Die Ausbeutung von Mensch, Tier und Natur nimmt kein Ende, und das ist Wahnsinn. Auf der anderen Seite wachsen die Anti-Bewegungen, die sich dem Schutze dieser Erde verschreiben. Das New-Economy-Lohas-Business blüht an allen Ecken und Enden, und neue Bewusstseinsebenen wachsen.

Können Sie nachvollziehen, dass trotz Aufklärung und Anti-Kampagnen Pelz tragen wieder en vogue ist? Der Song „Gebet an den Planet“ befasst sich mit dieser Thematik.

Thomas D: Für mich ist es immer schwierig gewesen, das zu begreifen. Als ich Vegetarier geworden bin, habe ich mich gefragt, woher kommt das, was wir tragen und was wir essen. Ich habe letztens gelesen, dass nur ein Prozent von dem verkauften Schweinefleisch „Bio“-Schweinefleisch ist. Dabei ist die meiste Tierhaltung zur Erzeugung von Lebensmitteln die von Schweinen und Hühnern. Es gibt weniger Tiere, die mehr leiden während des Aufwachsens, um unser Lebensmittel zu werden. Und nur ein Prozent der Konsumenten macht sich die Mühe, mal drüber nachzudenken, wie diese Tiere gehalten werden. Fleisch aus fairer Tierhaltung kann nicht so billig sein, wie es im Discounter verkauft wird. Es ist ein viel zu großes Feld, um das in nur einem Interview abzudecken. Jeder muss wissen, was er tut. Schön wär’s, wenn sie wüssten, was sie tun.

Sie wissen anscheinend, was Sie tun. Fühlen Sie sich nach Dioxin-Skandal in Eiern, Gammelfleisch und Futtermittel-Affären in Ihrer Lebenseinstellung, Vegetarier zu sein und als Lohas zu leben, bestätigt?

Thomas D: Ich möchte gar nicht unbedingt als Vorbild herhalten und schon gar nicht sagen, ‚ich habe Recht’. Ich versuche es für mich in meiner Welt irgendwie so zu regeln, dass ich sagen kann, ‚damit kann ich leben’. Allerdings denke ich immer, dass es doch jedem so ergehen müsste wie mir, wenn man sich anfängt, zu informieren. Ich bin aber ein umgänglicher Vegetarier, der nicht seine Freunde im Restaurant kritisiert, wenn sie was essen, was mal Augen hatte. Es ist wie bei der Musik, die dich in den Arm nimmt: Es ist vielleicht besser, einen Platz zu geben, der ein bisschen Geborgenheit liefert, statt anzuprangern und zu kritisieren. Musik hat so eine Kraft, unser Herz und unsere Seele zu berühren, Musik schafft Harmonie und ich lade jeden auf meiner Platte ein, sich in diesem Hort der Harmonie geborgen zu fühlen.

Ist der „Reflektor Falke“ ein schlechtes Gewissen oder eher ein Eulenspiegel?

Thomas D: Es vereint irgendwie alles. Das schlechte Gewissen, der Eulenspiegel und eine Reflektion von mir. Er ist eine Figur, die den Menschen die Masken abnimmt und ihr wahres Ich zum Vorschein bringt. Er ist außerdem das Ende aller Ausreden.

Finden sich in Ihrem Album statt der Ausreden auch Lösungsvorschläge, um die Welt zu verbessern?

Thomas D: Es hat diesen erhobenen Zeigefinger und ist erst mal eine Reise in die Dunkelheit, und ich finde schon, dass das Album auch Ansätze von Lösungsvorschlägen bietet. Aber es sind nur Ansätze – wie zum Beispiel in ‚Gebet an den Planet’: „Dies ist die dunkelste Stunde vor dem Sonnenaufgang.“ – In diesem Album kommt das Licht viel stärker durch. Im letzten Drittel der Platte stelle ich die Frage, „Bist du glücklich?“. Der Song zaubert mir immer ein Lächeln auf das Gesicht, wenn ich denke, es war doch irgendwie alles gar nicht so schlimm. Es ist mehr Hoffnung in „11.0“ als im Original. Trotzdem sind wir noch nicht über den Berg. Wir haben die Nuss noch nicht geknackt.

„Kennzeichen D“ war eher arm an Harmonie, eine Art „Abgeh-Album“ – warum jetzt wieder so ernst?

Thomas D: Ich glaube, ich könnte mehr Erfolg haben und es meinen Fans und mir einfacher machen, wenn ich gradliniger wäre. Aber das ist nicht meine Natur. Ich bin sehr gerne immer wieder an verschiedenen Polen, wie in einem Ping-Pong-Spiel. Jetzt habe ich eine ernste Platte fertig, dann kommt bestimmt wieder ein Pop-Album, dann bald auch noch eine neue Scheibe der Fantastischen Vier. Und irgendwie wird alles ganz anders sein, als das bisher Erschienene.

Jetzt ist Thomas D wieder solo auf Tour, was machen die Kollegen?

Thomas D: Es wird nur eine kleine Club-Tour, und wer auf meine Konzerte kommt, wird keinen „Rückenwind“ und kein „Liebesbrief“ hören. Es wird wirklich dieses Album inklusive der gesprochenen Kurzgeschichten auf die Bühne gebracht. Es werden ganz spezielle, intensive 70 Minuten in ganz besonderen Locations mit toller Atmosphäre. Ansonsten wird dieses Jahr ein großes „Live“-Jahr, denn mit den Fantas spielen wir bei großen Festivals und am Ende des Jahres noch mal acht bis zehn mal auf unserer grandiosen Rundbühne in der gesamten Republik.

 
 

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