The Beatles live at the Hollywood Bowl – endlich mit Musik

Die Beatles am Ende eines ihrer Konzerte.
Die Beatles am Ende eines ihrer Konzerte.
Foto: Apple Corps Ltd.
Auf Live-Veröffentlichungen der Beatles war nur zu erahnen, dass hinter dem Gekreische der Fans auch eine Band spielen muss. Das ist nun anders.

Essen.. Die Reihe mit Neu-Veröffentlichungen von bereits längstens bekanntem Beatles-Material reißt nicht ab. Doch wie schon bei den Re-Issues der Studion-Alben als remasterte Mono- bzw. Stereo-Versionen, lohnt es sich auch bei der aktuellen Neuerscheinung aus dem Beatles-Katalog, hinzuhören.

Denn was Giles Martin, Sohn des legendären Beatles-Produzenten George Martin, aus den alten Bändern gezaubert hat, ist aller Ehren wert und verdient eine Würdigung. Die Bänder mit der Live-Aufnahme der Beatles-Konzerte in der Hollywood Bowl schlummerten über Jahrzehnte im Archiv der US-Plattenfirma Capitol Records und wurden Martin zur Bearbeitung angeboten. Der machte sich alsbald an die Arbeit und entlockte den Museumsstücken mithilfe modernster Software ihren wahren Charme.

Aufnahmen mit Dreispur-Tonband

Um zu verstehen, was es bedeutet, mit Live-Mitschnitten aus der Sturm- und Drang-Zeit der Beatles zu arbeiten, muss man sich knapp 50 Jahre zurückversetzen. Die Konzerte der Liverpooler wurden 1964/1965 mit einem Dreispur-Tonband aufgenommen, natürlich analog. Zu hören ist auf den Bändern: wenig, zumindest vom musikalischen Standpunkt aus betrachtet. Denn die Beatles spielten auf einer Anlage, die keine heutige Band in ihrem Probenraum benutzen würde, gegen eine Wand aus Gekreische an. 17.000 Fans übertönten die Musik der Fab Four gnadenlos.

Dabei war der Fan-Furor so laut, dass sich die vier Musiker nicht einmal selbst hören konnten, denn eine Monitor-Anlage hatten sie auf der Bühne nicht zur Verfügung. Umso bedeutender ist der Beitrag, den das restaurierte Live-Werk zeigt, wie gut die Beatles als Live-Band funktionierten und wie schade es für das Publikum ist, vermutlich nichts davon mitbekommen zu haben. Im Gegensatz zu ihren von George Martin mit Recht bis zur Perfektion produzierten Alben, klingen John, Paul, George und Ringo live eine ganze Spur schmutziger, rockiger, eben viel mehr nach Working Class und Liverpool. Die vier trotzen dem Krach, halten den Takt oder verlieren ihn – wenn überhaupt – gemeinsam, was dann auch schon wieder fast wie beabsichtigt wirkt. John entpuppt sich gegenüber Paul als der stabilere Sänger, Ringo glänzt mit "Boys", George steuert zuckersüßes Gitarrenspiel bei. Abgerundet wird alles durch Johns schnodderige Moderation, die andeutet, dass er sich Live-Auftritte mit der Band nicht mehr lange antun wird. Denn eines ist auch klar: So gut, erdverbunden und rockig die Beatles auf der Bühne spielen, ihren eigenen Ansprüchen werden sie nicht gerecht.

Kino-Film zeigt die Beatles auf Tour

So ist "Live at the Hollywood Bowl" vor allem für Fans ein Dokument, das sich seinen Platz im CD-Regal verdient hat. Flankiert wird das Album von der Dokumentation "Eight Days a Week - The Beatles Touring Years" des Oscar-Preisträgers Ron Howard. Hilfe bekam Howard von den noch lebenden Beatles Paul McCartney und Ringo Starr sowie den Hinterbliebenen von John Lennon und George Herrison. Der Film zeigt das stressige Tourleben der Beatles, die in vier Jahren rund 800 Konzerte in 90 Städten weltweit spielten. Am 15. September kommt der Film in die Kinos.

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