Stopp für Bochumer Konzerthaus

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Bochum. Der Arnsberger Regierungspräsident Helmut Diegel hat die Planungen für den Bau des Bochumer Konzerthauses gestoppt. Die Stadt habe angesichts ihrer dramatischen Haushaltslage einfach kein Geld für dieses Projekt.

Die klaffende Lücke neben der Marienkirche in der Bochumer Innenstadt wird so schnell nicht gefüllt. Das Konzerthaus, das dort wachsen sollte, bleibt eine Wunschvorstellung. Das gestrige Nein des Regierungspräsidenten Helmut Diegel war „ohne Wenn und Aber”.

Nach WAZ-Informationen weiß Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz bereits seit Ende Mai von diesem „Nein”. Damals bereits soll ihr unmissverständlich klar gemacht worden sein, dass ein Konzerthaus keine Chancen auf Genehmigung habe. Nachdem die Kommunalaufsicht im Mai den Bochumer Haushalt aufgrund der extremen Schieflage kassiert hatte, kam man zu der Erkenntnis: „Einvernehmen zwischen der Bezirksregierung und der Stadt Bochum besteht in einem weiteren Punkt: Der Gesundheitscampus genießt für die Stadt höchste Priorität.” Heißt: Aufgrund des Haushaltsrechts gibt es keinen Spielraum mehr für das Konzerthaus.

Man muss weiter kämpfen

Scholz sagte auf Nachfrage der WAZ, dass sie eine andere Sicht der Dinge hat. Es sei immer klar gewesen, dass die neue freiwillige Aufgabe gegenüber der Bezirksregierung schwer zu rechtfertigen sei. Deshalb arbeite Bochum ja so intensiv an einem Haushaltssicherungskonzept – mit dem Konzerthaus als Teil davon.

Ottile Scholz möchte das Projekt Konzerthaus nicht als gescheitert betrachten. „Man muss weiter darum kämpfen, es geht nicht um die Spielstätte allein, es geht um ein großes Stadtentwicklungsprojekt.” Bochums Oberbürgermeisterin distanziert sich von Diegels Meinung, dass für ein zweites Großprojekt neben dem Gesundheitscampus kein Geld da sei. Und schließlich habe man ja 12,3 Millionen Euro auf dem Spendenkonto. Es gebe keinen Gedanken daran, dass man einen Weg finden müsse, die eingegangenen Summen an die Spender zurückzugeben.

Bereicherung der Kulturhauptstadt

Auch Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der Kulturhauptstadt 2010, will sich mit einem Scheitern des Projekts nicht abfinden und erinnert ebenfalls an das Engagement der Bürger. „Ich bin immer für das Konzerthaus eingetreten, weil ich es für eine Bereicherung der Kulturhauptstadt halte.” Pleitgen räumt aber ein, dass es nun sehr, sehr schwierig werde, da der Spielraum für die Stadt Bochum extrem minimalisiert worden sei. Dennoch wolle er nicht jede Hoffnung aufgeben. „Ich weiß nicht, ob alle Möglichkeiten ausgelotet worden sind.”

Dass Pleitgen das Konzerthaus stützt, liegt auch daran, dass Bochums Generalmusikdirektor Steven Sloane zugleich einer der vier künstlerischen Direktoren der Kulturhauptstadt ist. Ein Scheitern der Konzerthauspläne passt schlecht zum baldigen Beginn des Kulturhauptstadtjahres.

Hoffnung auf Gespräche

Steven Sloane kämpft seit rund einem Jahrzehnt für eine eigene Spielstätte und musste während dieser Zeit eine Reihe von Rückschlägen einstecken. Deshalb hält der Dirigent und Orchesterchef das unmissverständliche „Nein” des Regierungspräsidenten nicht für das letzte Wort. „Das Projekt ist schon so oft totgesagt worden. Aber Totgesagte leben bekanntlich länger. Es gibt Gespräche, die ich aber zurzeit nicht weiter kommentieren kann.”

 
 

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