Sportfreunde Stiller melden sich mit "New York, Rio, Rosenheim" zurück

Mit dem Album "New York, Rio, Rosenheim" melden sich die Sportfreunde Stiller nach längerer Pause zurück. 
Mit dem Album "New York, Rio, Rosenheim" melden sich die Sportfreunde Stiller nach längerer Pause zurück. 
Foto: Jörg Carstensen/dpa
Ein Jahr sind sie sich aus dem Weg gegangen. Ein Jahr haben die Sportfreunde Stiller am neuen Album „New York, Rio, Rosenheim" gearbeitet. Das ist ab Freitag auf dem Markt und ein echtes „Sporties“-Album geworden – zumal sich die drei echt was trauen.

Köln.. Der Tag hat gut angefangen. Eigentlich. Aber dann regnet es mit einem Schlag Bindfäden – von wegen „Köln ist die nördlichste Stadt Italiens“ – und deshalb kann man nicht draußen sitzen. Florian Webers Kappe, ohne die er sonst nie aus dem Haus geht, liegt in Düsseldorf im Hotel, das RTL-Team überzieht die Zeit, Peter Brugger knurrt der Magen, Rüdiger Linhof hat Beine wie Pudding und Fusseln am Mund vom vielen Reden, das hier geht echt nicht mehr, aber da ist noch dieses Telefoninterview. Sein Ding. Das hat er versprochen.

Macht er ja auch. Gleich. „Rüde!“, gellt ihm der Schrei seiner Kumpel hinterher, als er sich den Tabak greift und über die Treppe hinaus ins Freie entfleucht. Der Bassist der Sportfreunde Stiller braucht jetzt erstmal eine Selbstgedrehte. Dringend. Von all dem bemerken die Gäste des „Hall­mackenreuther“, Szene-Café am Brüsseler Platz im Herzen des Belgischen Viertels, nichts.

Während unten alles seinen gewohnten Gang geht – „Ein frisch gepresster O-Saft, ein stilles Wasser, einmal Spaghetti mit Tomatensauce“ – geben die Sporties oben, im hinteren Bereich der Empore, im Halbstundentakt Interviews. Müssen sie das überhaupt? Wo doch alle Hallenkonzerte im Mai und im Juni bereits ausverkauft sind?

„Wir haben was zu erzählen“

„Klar müssen wir das – da gibt es doch ein neues Album von uns, nach langer Zeit – schön, dass wir wieder was zu erzählen haben“, sagt Florian Weber. Das Album heißt „New York, Rio, Rosenheim“, ist bei Vertigo/Capitol erschienen und seit Freitag in den Läden. Es ist entstanden nach einem Jahr Pause. „Die Zeit haben wir gebraucht, um uns auszuruhen, uns voneinander zu entfernen, ohne uns zu entfremden – jeder hat woanders hin geblickt“, sagt Weber.

Seit 1997 war es Schlag auf Schlag gegangen: „Erst das Fußball-Album, dann die Unplugged-Scheibe, danach noch die Tour dazu, die eigentlich gar nicht von uns geplant war.“ Rund ein Jahr haben die drei an „New York, Rio, Rosenheim“ gebastelt. „Der Flo war schon länger dran, der hat heimlich vorgearbeitet“, wirft Brugger ein, der ein paar Gabeln Nudeln verputzt hat, was längstens dran war, „der Flo ist unser Streber.“

Zusammen mit Cheftexter Peter Balboa haben alle drei Bandmitglieder die Texte der zwölf neuen Stücke geschrieben. Und „Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)“ – „ein Stück, bei dem ich mir so einen schlenzigen Gigolo vorgestellt habe“ – singt Flo Weber auch. Genau so, wie ein schlenziger, selbstverliebter Gigolo, der die Damen umgarnt, singen muss.

Dass der Titel der neuen CD an den Hit von Trio Rio („New York – Rio – Tokyo“) von 1986 angelehnt ist? Ist gewollt. „Aber wir denken, dass Rosenheim im Vergleich zu Tokio sehr viel reizvoller ist“, sagt Brugger. „Rosenheim steht halt schon da als Bild, es gehört zwar zu München, ist aber konservativer, vielleicht auch ein bisschen spießiger“, ergänzt Weber. Das Titelstück der CD ist eine kraftvolle Hymne, die dazu aufruft, aus sich herauszugehen und sich einander verbunden zu fühlen, ganz egal, wo man lebt. Sozusagen „Out of Rosenheim“ für all die, die in Kleinstädten leben, aber dort trotzdem nicht lebendig begraben sind („Zünde dein Leuchtsignal – in New York, Rio, Rosenheim“).

Die neue Scheibe ist ein Sportfreunde-Stiller-Album. Definitiv. Aber eins, dass sich was traut. „Unter unten“ besäuselt martialisches Zicke-Zacke-Hoi-Hoi mit zarten Geigen, „Let’s did it“ kommt wie eine Post-Punk-Liebeserklärung an Plastic Bertrand daher, und „Wieder kein Hit“ fordert selbstironisch das Recht auf kreative Pausen ein. „Wir haben diesmal sehr viel ausprobiert und getestet, aber wir wollten schon immer vermeiden, dass man für uns die Schublade aufmacht, auf der Rock, Pop oder Indie oder Fußballband steht“, sagt Weber. Und Brugger meint, dass man durchaus eine Gruppe sein kann, die „vordergründig Spaß und gute Laune verbreitet, aber in der trotzdem was Melancholisches drinsteckt.“

Die Liebe zum alten Gassenhauer

Live gibt es nicht nur die Stücke vom neuen Album. „Das wird unbedingt ein Mix. Ich liebe es, die alten Gassenhauer rauszuhauen, aber ich liebe es auch, die neuen Stücke zu singen“, sagt Brugger. Wer auf eine aktuelle Version von „54, 74, 90, 2006“ hofft, die da „54, 74, 90, 2014“ lauten könnte, hofft vergebens. „Es braucht keine neue Version. Die zweite, die 2010er-Version haben wir über eine Million Mal verschenkt – dabei hätten wir reich werden können“, grinst Weber: „Das werden wir nicht wieder heraufbeschwören. Aber die Leute, die eine dritte Version wollen, können für sich jederzeit die Zahl einsetzen, die sie möchten.“

 
 

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