Sade gelingt das Comeback ohne viele Worte

Essen.. Zehn Jahre lang war es ruhig um Sade. Vielleicht wollen sie deshalb so viele hören. Jedenfalls steht die neue CD von Helen Folasade Adu und Band - „Soldier Of Love” - derzeit auf Platz Eins in den USA und Platz Zwei der deutschen Hitparade.

Die Frau kann schweigen. Das tut sie auch. Mal vier, mal acht, dieses Mal sogar zehn Jahre lang. Vielleicht wollen sie deshalb so viele hören, wenn sie endlich mal wieder etwas singt. Jedenfalls steht Sades neue CD „Soldier Of Love” derzeit auf Platz Eins in den USA und Platz Zwei der deutschen Hitparade. Was für Helen Folasade Adu allerdings kein Grund ist, ihr Schweigen außerhalb des Tonstudios zu brechen.

Das ist vor 26 Jahren nicht viel anders gewesen. „Diamond Life” heißt der Song mit dem Sade 1984 die internationale Popwelt erobert. Cool und dezent sind Songs wie „Smooth Operator”. Ziemlich genau das Gegenteil der Synthie-Pop- oder Italo-Disco-Nummern, die die Charts jener Tage beherrschen. Auch die Sängerin selbst steht im starken Kontrast zu den Poppern und Spät-Punkern, die mit wirren Frisuren und bunten Klamotten an die Mikros treten. Streng zurückgekämmt ist das Haar des ehemaligen Models, perfekt sitzen die dunklen Kleider oder Hosenanzüge. Nicht umsonst wählen die Leser der „Elle” Sade damals zur elegantesten Frau des Jahres.

Anfangs gibt sie noch Interviews. Doch schnell ist Sade den Trubel leid. Sie fühlt sich missverstanden, falsch zitiert und ist genervt davon, dass sie stets im Mittelpunkt steht. Fast jeder sieht sie als Solokünstlerin. Doch Sade ist eine Band, wie die damals 25-Jährige immer wieder betont. Mit Musikern, die sie großartig nennt. Aber wer will schon mit „großartigen Musikern” reden, wenn er Sade Adu sprechen kann? Deshalb spricht sie bald nicht mehr.

Legenden entstehen. Manche halten sich Jahre. Sade Adu sei eine afrikanische Prinzessin, ist eine davon. Das ist natürlich Quatsch. Ihr nigerianischer Vater war Wirtschaftswissenschaftler, ihre aus England stammende Mutter Krankenschwester. Als Sade vier Jahre alt ist, trennen sich die Eltern. Ihre Mutter bringt das Kind zurück in die Heimat – zu den Großeltern.

Dort wächst Sade auf mit amerikanischer Soulmusik. Hört Curtis Mayfield, Bill Withers und die Jackson 5. All das gefällt ihr. Selbst singen will sie allerdings nicht. Sie studiert Mode an der „St Martin’s School Of Art“. Erst als zwei Schulfreunde sie bitten, bei ihrer erfolglosen Band am Gesang auszuhelfen, greift sie zum Mikro, steuert zur Not aber auch einmal den klapprigen Tourbus.

Keine Skandale

Talentscouts werden aufmerksam. Sie wollen die geheimnisvolle dunkelhäutige Schönheit. Nur sie, nicht ihre Musiker. Aber Sade kommt erst, als sie den Rest der Band mitbringen darf. Stewart Matthewman am Saxophon, am Bass Paul Spencer Denman und am Keyboard Andrew Hale. Bis heute spielen sie zusammen. Wenn sie mal spielen. Was selten genug der Fall ist, seit den späten 1980er Jahren.

1992 erscheint das Album „Love Deluxe”, im Jahr 2000 die CD „Lovers Rock”. Sonst ist nichts zu hören von Frau Adu. Sie zieht sich zurück, „weil man sich als Künstler nur weiter entwickeln kann, wenn man sich selbst die Gelegenheit gibt, als Mensch zu reifen“, erklärt sie. Man weiß deshalb nur, dass sie einige Jahre mit einem spanischen Filmproduzenten verheiratet war, mit einem jamaikanischen Produzenten zusammenlebte und Mutter einer inzwischen 13-jährigen Tochter namens Ila ist. Wer aktuell ihr Leben teilt, ist unbekannt. Dass sie sich äußerlich kaum verändert hat, nicht zu übersehen.

Über Skandale ist in all der Zeit nichts durchgesickert. Nur von einem Skandälchen. Ende der 90er fährt sie auf Jamaika beinahe einen Polizisten um und beschimpft ihn anschließend auch noch. Heißt es. Heute lebt sie irgendwo im Südwesten Englands. Sie soll viel rauchen, gerne reiten und sich vegetarisch ernähren. Angeblich. 2010 wird sie auf Tour gehen. Wahrscheinlich. Weil sie es nach eigener Aussage liebt, auf der Bühne zu stehen. „Manchmal sehne ich mich danach“, hat sie ihrer Plattenfirma mitgeteilt. Nur reden wird sie auch weiterhin kaum. Das steht fest. Weil sie nur redet, „wenn ich wirklich etwas zu sagen habe”. Allein das macht sie sympathisch. Sehr sogar.

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