Peter Maffay - Der sanfte Rebell

München/Essen. Schlagersänger, Rocker, Trinker, Friedensaktivist, von anderen Musikern Belächelter, Märchenerfinder und Kinderschützer: heute wird Peter Maffay 60 Jahre alt. Der stets von einer gewissen Unzufriedenheit und Selbstzweifeln geplagte Sänger hat allen Grund sich feiern zu lassen.

Schwarz der Anzug aus Samt, weiß das Hemd mit Rüschen und die Schuhe, weich die Gesichtszüge. So steht ein junger Mann im März 1970 erstmals in den Kulissen der ZDF-Hitparade. „Albern”, findet Regisseur Truck Branss das Outfit. Doch der Debütant zieht sich nicht um. Schon weil er gar kein Geld für einen anderen Anzug hat. Das ändert sich bald.

"Am liebsten wäre ich Rocker"

Denn der junge Mann heißt Peter Maffay und sein Lied „Du”. Es wird Nummer Eins der Hitparade, es wird der Sommerhit des Jahres. Aber es wird auch die Mutter aller Schnulzen. Ein Lied, das einen unbekannten Flüchtlingsburschen aus Siebenbürgen zum Star in Deutschland macht. Ein Lied aber auch, das ihn in eine Schublade steckt, aus der er lange nicht mehr herauskommt: „Schlager”. Das macht ihm zu schaffen, denn „am liebsten wäre ich ein wilder Rocker” verrät er damals der Bravo.

Doch noch zwölf Jahre nach „Du” holt ihn sein altes Image ein. 1982 stehen Maffay und seine Musiker als Vorgruppe für die Stones auf der Bühne. Der erfolgreichste Musiker Deutschlands ist er damals und schreibt längst die meisten seiner Songs selbst. Nicht unbedingt Rock, aber Pop. Songs, mit denen er Millionen Menschen in Deutschland erreicht. Die 60 000 Besucher im Niedersachsenstadion erreicht er nicht an diesem heißen Juniabend. „Schlagerfuzzi” grölen sie, als Maffay über sieben Brücken gehen will und werfen mit Obst, Eiern und Schuhen.

Eine neue Generation von Fans

Maffay ist geschockt, gibt aber nicht auf. Weil er nie aufgibt. „Wir gehen da durch”, macht er seiner Band Mut. Für die nächsten Konzerte stellt er das Programm um, nimmt die langsamen Nummern raus. Zunächst fliegen wieder Gegenstände. Aber irgendwann mischen sich Zugabe-Rufe unter das Pfeifkonzert.

1983 kündigt Maffay eine Märchenplatte an. Über einen Drachen namens „Tabaluga”. Seine Frau hat ihn auf die Idee gebracht. „Mach doch mal was für Kinder.” In der Branche schlagen sie sich vor Lachen auf die Schenkel - auch wenn Volker Lechtenbrink die Texte schreibt und Helme Heine illustriert. Ein Kinderalbum? Ist der Mann verrückt geworden? Millionen verkaufter LPs und CDs und ein Musical später lacht niemand mehr. Maffay hat eine neue Generation Fans gewonnen, ohne die alte zu verlieren.

Treue Fans seit fast 40 Jahren

Denn ab Mitte der 1980er fährt er zweigleisig. Tabaluga hier, Pop dort. Immer öfter jetzt auch Rock. Ein Arbeitstier ist er, ein Malocher. Seine Fans finden das toll. Seine Frauen nicht. Drei Ehen scheitern, weil Maffay zwar Harmonie sucht aber nie Zeit hat, sie zu pflegen. Immer unterwegs, immer auf dem Sprung. Das fordert seinen Tribut. Lange säuft der Musiker wie ein Loch und raucht wie ein Schlot. Bis ein Arzt Lungenkrebs diagnostiziert. Fälschlicherweise aber kurierend. „Mir ist das Herz in die Hose gerutscht”, sagt Maffay. Sofort gibt er das Rauchen dran und schränkt das Trinken drastisch ein.

Mittlerweile ist Maffay in Deutschland zur musikalischen Institution geworden - auch wenn er mit seiner 26 Jahre jüngeren vierten Frau Tania und ihrem gemeinsamen kleinen Sohn Yaris auf Mallorca lebt. Bringt er eine neue CD raus, wird sie Nummer Eins. Tritt er irgendwo auf, ist die Halle ausverkauft. Seine Fans sind ihm treu - manche von „Du” über den „Steppenwolf” bis hin zu „Ewig”. Weil sie Maffay für ehrlich halten. Für einen von ihnen. Außen rau, im Herzen ganz weich.

Der Terminkalender ist voll

Doch Maffay ist mehr, als nur ein Musiker. Er plaudert mit Politikern, trifft sich mit dem Dalai Lama und engagiert sich für benachteiligte Kinder. Voll ist sein Terminkalender noch immer. Doch die Unruhe früherer Jahre, sie scheint einer gewissen Gelassenheit gewichen. Vielleicht, weil dieser Mann nichts mehr beweisen muss. Aufhören aber will Maffay erst, „wenn die Lederhosen zu sehr schlottern und die Nieten rausfliegen.” Wer ihn sieht mit seinen 60 Jahren, durchtrainiert und im Muskel-Shirt, der ahnt: Das kann dauern.

 
 

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