„Jazz inbetween“ ist gallischer Humor für Genießer

Münster.  Erinnern Sie sich noch an 2004? Da begann das Schaulaufen deutscher Groß- und Kleinkommunen für die Bewerbung zur Kulturhauptstadt 2010. Alles längst verweht. Nur Münster beweist mit „Jazz inbetween“ bis heute Nachhaltigkeit.

„Jazz inbetween“ - das kleine Intermezzo zwischen dem großen, alle zwei Jahre über die Städtischen Bühnen gehenden Jazzfestival Münster - war traditionsgemäß wieder innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Längst verlässt sich das westfälische Publikum blind auf das klug zusammengestellte Angebot.

Das spiegelte sich prompt im ersten Act, dem „Andy Emler Megaoctet“. Denn lustvoll jonglierte der gewitzte Bandleader und Pianist, dessen Combo seit 20 Jahren ein wichtiger Durchlauferhitzer der französischen Szene ist, mit der ganzen Pracht geballter Jazzhistorie. Mit gallischem Humor transformiert in die Gegenwart, süffig inszeniert im Spannungsfeld rockiger Grooves, swingender Bläsersätze und kammermusikalischer Raffinessen. Ein atemloses Vergnügen.

Lauter alte Bekannte

Was für ein Kontrast danach das Ex-DDR-Gitarren-Duo Uwe Kropinski / Joe Sachse, das bei Münster-Festival-Veteranen unverhofft Erinnerungen an ihren Auftritt 1986 weckte. Nun, auch ohne ihre Posaunen-Kollegen von „Doppelmoppel“ vermochte der gemischte Zweier mit Elektro- und Konzertgitarre nahtlos an alte Erfolge anzuknüpfen. Ob wild improvisierter Saitenzauber oder ostdeutsche Antwort auf „Friday Night in San Francisco“ - mit der Vertrautheit eines alten Ehepaars sorgten die beiden für Begeisterungsstürme bei Jung und Alt.

Auf die Spitze trieb Festivalleiter Fritz Schmücker freilich das Festival-Beziehungsgewusel mit seinem letzten Act - da gab es lauter alte Bekannte: Klarinettist Louis Sclavis ist heißgeliebter Dauergast in Münster und Bassist Henri Texier eröffnete einst „Jazz inbetween“.

Nun feierten sie mit Drummer Aldo Romano den 20. Geburtstag ihres fabelhaften Trios, das sich allein der hinreißenden Synthese afrikanischer Klänge und europäischer Improvisation widmet. Jenseits aller Weltmusik-Klischees, zelebrierten die drei Ausnahme-Jazzer lustvoll ihre eigene Spielart einer „Folklore Imaginaire“, die als „suite africaine“ unterschiedlichste Einflüsse zu einem ebenso originellen wie druckvoll swingenden Klangpanorama von erregender Authentizität verband.

Es war der krönende Höhepunkt von „Jazz inbetween“. Und eine grandiose Empfehlung für das nächste Jazzfestival in Münster Anfang 2011.

 
 

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