Gema bittet DJs mit neuem Tarif VR-Ö ab dem 1. April zur Kasse

Der neue Gema-Tarif VR-Ö stößt auf wenig Gegegenliebe bei den DJs in Deutschland.
Der neue Gema-Tarif VR-Ö stößt auf wenig Gegegenliebe bei den DJs in Deutschland.
Foto: Getty Images
Die Gema will mehr Gerechtigkeit und erntet einen Sturm der Entrüstung. Diesmal geht es um den neuen Tarif VR-Ö zu Lizenzen für Kopien von Musiktiteln, durch den Zusatzkosten für DJs entstehen. Über die Folgen herrscht eine rege Diskussion im Netz. In Dortmund ist eine Anti-Gema-Demo am 30. März geplant.

Essen.. Seit Wochen tobt im Netz ein Shitstorm gegen die Gema. Die Rechteverwertungsgesellschaft hat mit dem neuen Tarif VR-Ö den Zorn zahlreicher DJs in Deutschland auf sich gezogen. Ab dem 1. April müssen DJs 13 Cent für jedes Musikwerk zahlen, das sie zum Zweck der öffentlichen Wiedergabe vervielfältigen. Wer also eine legal gekaufte Musik-Datei aus dem Gema-Repertoire auf einen Stick, Laptop oder eine CD brennt, um sie in einer Disko oder einer öffentlichen Party zu spielen, wird künftig zur Kasse gebeten.

Bislang wurde ein Teil der Lizenzgebühren für die öffentliche Wiedergabe von Musiktiteln von den Diskothekenbetreibern über den so genannten Laptop-Zuschlag getragen. Gegen diese Regelung hat sich die "Bundesvereinigung der Musikveranstalter" nun erfolgreich gewehrt. Der neue Tarif trägt dem Verursacher-Prinzip Rechnung und soll für mehr Gerechtigkeit sorgen, so ein Gema-Sprecher gegenüber der WAZ Mediengruppe. Die Vervielfältigungsrechte müssen nun von denjenigen erworben werden, die letztlich in der Praxis eine Kopie erstellen - die Disc-Jockeys.

Sturm der Entrüstung in der DJ-Szene

In der DJ-Szene herrscht seit Bekanntwerden der Pläne große Aufregung. Wochenlang schimpften sie in Foren über die finanziellen Folgen. Dabei war die Diskussion häufig von Halbwissen geprägt. Da konnte auch die Facebook-Seite der Gema mit Fragen und Antworten zum neuen Tarif VR-Ö den Sturm der Entrüstung nicht mildern. Das Problem: Die Gema hatte zwar einen Plan, wie der konkret aussah oder in der Praxis umgesetzt werden sollte, stand blieb völlig in der Schwebe.

Vor wenigen Tagen kam es nun zu einer Einigung der Gema mit der Bundesvereinigung der Musikveranstalter (BVMV) und dem Berufsverband der Discjockeys (BVD). Neben der künftigen Vervielfältigungs-Vergütung von 13 Cent pro Musikwerk zur öffentlichen Wiedergabe steht nun fest, dass es für eine Kopie-Lizenz kein zeitliches Limit gibt.

Tarif VR-Ö soll für DJs nicht existenzbedrohend sein

Wichtig für DJs mit einer großen Musikdatenbank - bei einigen besteht diese aus zehntausenden Titeln: Vervielfältigungen, die vor dem 1. April 2013 vorgenommen wurden und werden, können nachträglich über einen einmaligen Pauschalbetrag in Höhe von 125 Euro (oder als Einzellizenzen für je 13 Cent) vergütet werden.

[kein Linktext vorhanden] Sicherungskopien sind nicht vergütungspflichtig - erst wenn dieser Datenträger öffentlich zum Einsatz kommt.

"Dieser Tarif wird definitiv für keinen Discjockey existenzbedrohend sein", verspricht BVD-Präsident Dirk Wöhler in einer Pressemitteilung der Gema. Während die Großverdiener in der Branche tatsächlich über die neue Abgabe nur milde lächeln dürften, macht sich der Unmut vor allem bei den Nachwuchs-DJs breit.

Diejenigen, die für eine kleine Aufwandsentschädigung bei einem Kleingartenfest oder in kleinen Clubs Musik machen, müssen in den kommenden Monaten für ihre Verhältnisse erst einmal tief in die Tasche greifen und für pauschal hochgerechnet mehrere hundert Euro ihr Musik-Repertoire bei der Gema lizenzieren lassen.

DJs dürfen keine Playlists zur Lizenzierung bei der Gema einreichen

Wie das Gema-Modell in der Praxis hakt, zeigt sich am Beispiel der Lizenzierung einzelner Titel. So geht es bei dem Tarif VR-Ö nicht darum, welche vervielfältigten Werke ein DJ in der Öffentlichkeit spielt, sondern um den Tatbestand der Kopie. "Die tatsächliche Wiedergabe und die erfolgte Vervielfältigung sind also voneinander zu trennen", heißt es bei der Gema. Würde sich ein DJ die Mühe machen und eine Playlist zur Lizenzierung einreichen, wäre die Mühe umsonst. Das derzeitige Modell sehe die Berücksichtigung individuell eingereichter Playlists nicht vor.

Hat ein DJ für mehrere tausend Titel eine Lizenz erworben und davon ein nicht vergütungspflichtiges Backup erstellt, so sollte er gut auf den Datenträger mit "bezahlten" Kopien aufpassen. Wird der Laptop geklaut oder geht der Datenträger verloren, so muss der DJ für die Wiederherstellung über das Backup auf einem neuen Datenträger erneut eine "einmalige Lizenzvergütung in Höhe von 125 Euro unabhängig von der Anzahl der aktivierten Werke" zahlen.

Kontrolliert die Gema Armin van Buuren auf der Mayday?

Völlig unklar ist noch, wie die Gema die Kontrolle des neuen Tarifs VR-Ö umsetzen will. Die Gema werde in naher Zukunft alle ihnen bekannten DJs anschreiben und über den neuen Tarif informieren, heißt es. Die rechtliche Voraussetzung, um einen Einblick in das Equipment eines DJs bei Auftritten gewinnen zu können, will die Gema über ihre gängigen Einzel-Vereinbarungen mit den jeweiligen DJs regeln. "Alle Lizenzverträge mit der Gema sehen in den allgemeinen Bestimmungen Kontrollrechte vor und die DJ-Verträge entsprechen unseren Standard-Verträgen", so Gema-Mitarbeiter Jürgen Baier.

Allerdings ist auch bekannt, dass die Gema keinen großen Mitarbeiter-Stab hat, um an jedem Wochenende Kontrollen auf den zahllosen Veranstaltungen in Deutschland durchzuführen. Hier setzt die Gesellschaft erst einmal auf eine Vertrauensbasis zu den DJs.

Auch ausländische Weltstars müssen zahlen

Eine fast schon kuriose Situation entsteht beim Blick auf ausländische DJs. Auch Weltstars wie Tiesto, Armin van Burren und David Guetta müssen in Deutschland vor einem Auftritt kopierte Tracks lizenzieren lassen.

"Der ausländische DJ unterliegt den deutschen gesetzlichen Bestimmungen und ist verpflichtet, dies bei der Gema anzumelden", sagt Uwe Dorn im Gema-Chat auf Facebook. Das könnte interessant werden, wenn etwa am 27. April bei der Mayday in Dortmund ein Vertreter der Gema ans DJ-Pult von Armin van Buuren, Ferry Corsten, Gareth Emery oder Carl Cox tritt und um Einsicht in die digitale Datenbank bittet.

Schließlich soll mit dem neuen Tarif mehr Gerechtigkeit einkehren, und da müsste die Gema eigentlich auch die Stars ins Lizenz-Visier nehmen. Das Medien-Magazin "De Bug" hat diesen Aspekt zum Anlass genommen, eine Warnung in die weite Welt der DJ-Szene zu schicken, um ausländische Künstler auf die neue Regelung hinzuweisen.

Demo in Dortmund gegen Gema-Tarifreformen

Einige DJs wollen am 30. März öffentlich gegen den neuen Gema-Tarif VR-Ö protestieren. Initiator der Demonstration unter dem Titel "Gema nach Hause" ist der Düsseldorfer Daniel Storozhev alias DJ Zanooda. Der hat via Facebook zu der Demo aufgerufen und bereits 800 Zusagen erhalten. Darunter DJ-Kollegen wie Björn Torwellen, Maxcherry, Jan Hanke und Leinad Lessil aus der Region.

Die Anti-Gema-Demo soll um 13.30 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof starten. Der Zug der Teilnehmer führt erst zum Gema-Gebäude am Südwall und anschließend zu einer Abschlusskundgebung am Friedensplatz. "Wir finden die Tarifreformen untragbar und fordern eine Reformierung der Gema - und dafür gehen wir am 30.03. gemeinsam auf die Straße!", heißt es auf der Facebook-Seite. "Seid friedlich, seid laut - Gema wegtanzen!", lautet das Motto der Demo.

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