Grundsatzdiskussionen im Tourbulli

„Long Distance Calling“ stehen für psychodelischen, progressiven Instrumental-Rock. David Jordan ist Gitarrist bei der Band. Im Interview erzählt er von Rock am Ring, dem neuen Album und warum eine Band auch ohne Sänger bestens auskommen kann.

Was war das für ein Gefühl bei Rock am Ring aufzutreten?

David: „Es war auf jeden Fall etwas Besonderes, doch so richtig realisiert habe ich es immer noch nicht. Das muss erst mal in Ruhe verarbeitet werden. Passiert einem ja schließlich nicht alle Tage, dass man auf Deutschlands größtem Festival spielen darf. Ich habe noch nie vor so vielen Menschen gespielt. Der Auftritt hat uns allen auf jeden Fall riesig viel Freude bereitet, da sowohl die Kommunikation innerhalb der Band als auch die zwischen uns und dem Publikum gestimmt hat. Die Beteiligung der Leute war einfach umwerfend, was auf jeden Fall Ursache für den ein oder anderen Adrenalinschub war! Hammer!“

Seit wann macht ihr Musik? Wie habt ihr euch gefunden?

David: „Uns gibt's seit November 2006. Anfangs bestand das Ganze aus Jan (Bass), Flo (Gitarre) und Janosch (Drums), die sich zum Jammen getroffen haben und noch einen weiteren Gitarristen suchten. Nach dem Sie ein paar Leute durchprobiert hatten, fragten sie mich und wir trafen uns auf 'ne Probe im Bunker. Es wurde anfangs nicht viel gequatsch oder abgesprochen. Wir stimmten unsere Instrumente, drehten auf und legten einfach los. Das, was ab da passierte, machte allen viel Spaß und fühlte sich einfach gut an. Die Harmonie war da und stimmte. Wir trafen uns ab da regelmäßig, spielten uns aufeinander ein und schrieben erste Songs.“

Wie kam die Entscheidung zustande, keinen Sänger mit in die Band aufzunehmen?

David: „Nach nicht all zu langer Zeit entstand die Idee, einen Sänger mit ins Boot zu holen, um dem Material noch eine weitere Dimension zu verpassen. Doch nachdem wir ein knappes halbes Jahr lang einige Anwärter ausprobiert hatten und es nie wirklich funktionierte, gaben wir die Suche schließlich auf. Wir kannten Reimut damals aus unserem Bekanntenkreis und wussten, dass er Soundtüfteleien am Rechner nicht ganz abgeneigt war und luden ihn auf eine Probe ein. Reimut gefiel das Material sehr und bei der nächsten gemeinsamen Probe kam er mit dem Sample aus "Fire in the Mountain" um die Ecke. Von da an war klar: Der Typ ist gekauft!“

Ihr wohnt in Dortmund, Münster und Mannheim. Könnt ihr da überhaupt regelmäßig proben?

David: „Da Reimut in Mannheim wohnt und Proben, bei denen alle anwesend sind, eher die Ausnahme darstellen, mussten wir uns natürlich irgendwas einfallen lassen. Mittlerweile läuft das bei uns so, dass wir unsere Proben immer mitschneiden und Reimut die Ergebnisse via Internet schicken. Alles weitere, wie Ideen für Parts oder Melodien, wird dann am Telefon oder per Mail ausgetauscht. Das mit den Mitschnitten hat auch noch einen weiteren positiven Effekt: Es kompensiert die Tatsache, dass wir durchaus in der Lage sind, Parts die wir gerade gespielt haben, innerhalb von 5 Sekunden wieder zu vergessen. Man könnte das Aufnahmegerät fast schon als sechstes Instrument bezeichnen.“

Wo seht ihr selbst eure musikalischen Einflüsse?

David: „Die sind bei uns auf jeden Fall seeeeehr breit gefächert. Jeder von uns hat ein sehr breites Spektrum im Plattenschrank stehen, was dann oft ausgiebige Grundsatzdiskussionen im Tourbulli nach sich zieht. Das geht bei Reimut zum Beispiel mit HipHop, Ambient und viel Elektrokram los, geht dann bei Janosch über Down und viele Metalkapellen weiter, Flo ist dem Matal auch nicht abgeneigt, kann dem noch viele Sachen aus den 80ern wie zum Beispiel Mötley Crue oder Queen hinzufügen. Jan ist unter anderem bekennender Indiepop-Fan und ich höre mir ab und an auch mal Van Halen oder Genesis an. Zwischen den genannten Extremfällen spielt sich dann bei uns alles ab. Als wichtigste Einflüsse für Long Distance Calling würde ich jedoch Isis, Tool, Mogwai, Dredg, Porcupine Tree und Bands die sich in den jeweiligen Dunstkreisen bewegen, bezeichnen.“

Wie entstehen eure Songs? Spielt Improvisation dabei auch eine Rolle?

David: „Ein Großteil der Songs sind durch Improvisationen entstanden oder haben zumindest dort ihre Wurzeln. Es ist ziemlich aufregend, sich einfach fallen zu lassen und zu sehen, was passiert. Man spielt halt manchmal spontan Licks oder Riffs, auf die man mit Überlegen wahrscheinlich nicht gekommen wäre. Das ist sehr erfrischend, gibt der Musik einen spontanen Charakter und bringt einen oft dazu, aus eingefahrenen Mustern auszubrechen. Jammen ist für uns sozusagen der natürliche Faktor, der dafür sorgt, dass wir uns weiterentwickeln.“

Euer aktuelles Album „Satellite Bay“ habt ihr in nur dreieinhalb Tagen eingespielt. Wie ist es entstanden?

David: „Die Satellite Bay ist, was die Songs angeht, in 'nem guten halben Jahr nach der "dmnstrtn" entstanden. Aufgenommen haben wir das Ganze dann in der Tonmeisterei in Oldenburg. Das war auf jeden Fall 'ne ziemlich feine Zeit. Alles war sehr entspannt und harmonisch. Viel Zeit hatten wir,budgetbedingt, nicht gerade, aber die haben wir recht produktiv genutzt.“

Was für Pläne habt ihr für die Zukunft?

David: „Letzte Woche waren wir im Studio, um unsere zwei Songs für eine Split-EP von einer befreundeten Band, Leech, aus der Schweiz aufzunehmen. Von der EP mal abgesehen, schreiben wir momentan neue Songs für die nächste Scheibe. Der Studiotermin ist schon gebucht und wir sind sehr gespannt wie sich die Songs entwickeln werden.“

Homepage vom Long Distance Calling

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