c/o pop ist das Trüffelschwein der Musikbranche

Köln. Neue Zeit, neuer Ort. Die c/o pop geht in den Kölner Rheinparkhallen zwei Monate früher als in den Vorjahren an den Start. Dabei soll der Mix aus Festival und Convention mehr als 30.000 Besucher anlocken. Organisator Norbert Oberhaus verrät im Interview, wie das geht.

Sie ist der Gegenspieler der Popkomm. Vom 23. Juni bis zum 28. Juni 2010 dreht sich bei der c/o pop in Köln wieder alles um Musik, Kultur, Technologie, Business, Trends und Visionen. Zuvor im August ausgerichtet, bietet der Mix aus Festival und Convention bei seiner siebten Auflage noch eine weitere Neuerung: Die c/o pop wandert von Oper und Schauspielhaus als Festivalzentrum auf die andere Rheinseite in die Rheinparkhallen. Im Interview erzählt „cologne on pop“-Geschäftsführer Norbert Oberhaus über den Vorteil der neuen Festival- und Conventionhallen, die Stars von morgen und den Blick nach Asien und Amerika.

Herr Oberhaus, warum wird die c/o pop für Köln immer wichtiger?

Norbert Oberhaus: c/o pop steht für ein starkes und stabiles Netzwerk, das über die Jahre gewachsen ist und weit über die Stadt hinausreicht. Nach sieben Jahren ist die Veranstaltung fest in der Stadt verankert und gilt als eines der kulturellen Veranstaltungshighlights. Der c/o pop wird viel Sympathie und Wohlwollen entgegengebracht, weil sie dazu beiträgt, die positiven Seiten der Stadt sicht- und erlebbar zu machen.

Erst der Weggang der Popkomm nach Berlin, dann ihr Aussetzen im vergangenen Jahr und zugleich das Wachsen der c/o pop. Was meinen Sie: Ist Köln die deutsche Hauptstadt der Popkultur?

Oberhaus: Es geht nicht um den Titel „Hauptstadt der Popkultur“. Aber durch den steten Erfolg der c/o pop und der damit einhergehenden auch internationalen Aufmerksamt im Verlauf der vergangenen Jahre kann man sagen, dass in bestimmten Bereichen Köln und Berlin zumindest auf Augenhöhe agieren können. Man muss das aber auch ein bisschen sportlich sehen. Ich bin jedenfalls was Köln anbelangt sehr optimistisch. Denn wie sich gezeigt hat, lässt sich in Köln doch noch einiges bewegen, von dem man Ende 2003 nicht gedacht hätte, dass es möglich wäre. Köln hat viele, gut kooperierende Netzwerke. Wir haben eine funktionierende, wenig konkurrierende Clublandschaft, sind die Großstadt der kurzen Wege und befinden uns im Herzen Europas – allesamt Vorteile gegenüber Berlin die es zu nutzen gilt. Außerdem haben wir uns als c/o pop über die Jahre unsere Unabhängigkeit bewahrt. So konnten wir ohne interessenspolitische Scheuklappen Themen besetzen und aufgreifen. Und auch aktueller und schneller agieren als manch andere Veranstaltungen am Markt.

Anders als in den Jahren zuvor veranstalten Sie die c/o pop nicht im August, sondern bereits Ende Juni. Warum?

Oberhaus: Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist sicherlich, dass uns die Oper und das Schauspielhaus im Zuge der anstehenden Sanierung als Festivalzentrale in diesem Jahr nicht in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen werden. Wir brauchten also, zum vierten Mal in sieben Jahren ein neues Zuhause. Das wir zum Glück mit dem Staatenhaus im Rheinpark gefunden haben. Zumal wir nun Planungssicherheit für die nächsten fünf Jahre haben. Ein weiterer Grund für die Verschiebung ist die Tatsache, dass 2010 die Gamescom am dritten Wochenende im August stattfindet. Das hätte zu logistischen Problemen zum Beispiel bei der Hotelfrage geführt, aber auch möglicherweise zu einem Wahrnehmungsproblem in der Öffentlichkeit.

Was versprechen Sie sich vom neuen Veranstaltungsort?

Oberhaus: In Staatenhaus 1 und 2 finden wir ideale Voraussetzungen, denn neben der Convention kann das Gebäude perspektivisch auch als Spielort für das Festival genutzt werden.

Abseits von Ort und Zeit, welche weiteren Neuerungen wird es diesmal geben?

Oberhaus: Die wichtigste Neuerung in diesem Jahr betrifft unsere Convention. Diese haben wir unter dem Namen C’n’B – Creative Business Convention neu aufgestellt und anders ausgerichtet. Nicht zuletzt der Name signalisiert, dass sich die C’n’B nicht mehr ausschließlich an die Musikwirtschaft richtet, sondern erstmalig der Versuch gestartet wird, alle elf Teilbranchen der Kreativwirtschaft zu bedienen, an einem Platz zu vereinen und miteinander zu vernetzen. Mit der C’n’B wird eine neuartige Plattform für die Kreativwirtschaft in Nordrhein-Westfalen und perspektivisch für ganz Europa geschaffen, wie sie bislang noch nicht vorhanden ist. Im Festivalbereich halten wir am bewährten Konzept fest, immer wieder auch neue, ungewöhnliche Plätze zu bespielen. In diesem Jahr sind dies erstmalig der Kölner Zoo sowie die Dachterrasse des Museum Ludwig.

Ein wichtiger Bestandteil der c/o pop ist der Auftritt heimischer Bands. Was macht die lokale Szene in 2010 aus?

Oberhaus: Seit jeher hat die c/o pop den Selbstanspruch, 10 bis 15 Prozent des Programms mit lokalen und regionalen Bands und Künstlern zu bestreiten. Das wird selbstverständlich auch in diesem Jahr der Fall sein. Im Rahmen verschiedener Nachwuchsformate bieten wir Talenten die Möglichkeit, c/o pop als Sprungbrett auf die Bühnen anderer Festivals zu nutzen. Dieses Angebot wird hervorragend angenommen, das zeigt nicht zuletzt die enorme Nachfrage an diesen Slots.

Treten in diesem Jahr lokale Bands auf, bei denen Sie glauben, dass sie ganz groß herauskommen könnten?

Oberhaus: Die Band mit dem größten Potential in diesem Jahr dürften Beat!BeatBeat! aus Viersen sein.

Die c/o pop wird immer internationaler.

Oberhaus: Nicht zuletzt auch als direkte Folge unserer internationalen Aktivitäten. Unser Team ist viel unterwegs, sei es auf europäischen Festivals und Konferenzen, aber auch in Nordamerika und Asien. Die daraus resultierenden Kontakte werden gepflegt und ausgebaut. Darüber hinaus ist auch die c/o pop als Veranstaltung präsent, wie zuletzt im März in Austin bei der SXSW, das größte Showcase-Festival der USA oder im September bei der World Expo 2010 in Shanghai. Dort wird c/o pop im Rahmen der Landespräsenz von NRW ein offizielles Programmfenster bespielen.

Wofür steht die c/o pop eigentlich für Sie ganz persönlich?

Oberhaus: Die c/o pop wird gerne als „Trüffelschwein“ bezeichnet, denn wir hatten und haben oft diejenigen Bands, die erst in der nächsten oder übernächsten Saison auf den großen Bühnen zu sehen sind. Ein schönes Kompliment, wie ich meine.

Neben dem Festival steht die c/o pop wie immer auch für die Convention, einem großen Branchentreffen. Warum ist es für die Musikwirtschaft wichtig, sich mit anderen Branchen auszutauschen?

Oberhaus: Die Musikwirtschaft hat die Folgen der Digitalisierung am deutlichsten zu spüren bekommen, nicht zuletzt, weil man falsch oder auch zu spät auf die einschneidenden Veränderungen reagiert hat. Seither ist nichts mehr, wie es war. Um perspektivisch als Wirtschaftszweig überhaupt am Leben zu bleiben, muss die Musikwirtschaft sich anderen neuen Geschäftsmodellen gegenüber offen zeigen. Und es gibt viele Bereiche mit denen Kooperationen denkbar und lohnenswert sind.

In welcher Lage befindet sich die Musikwirtschaft in Deutschland derzeit?

Oberhaus: Man hat große Einbußen hinnehmen müssen, aber der freie Fall ist gestoppt. Aber prinzipiell gibt es kein Zurück mehr zu den fetten Jahren.

Mehr als 30.000 Besucher tummelten sich 2009 auf dem Festival. Lässt sich das in 2010 überhaupt noch übertreffen?

Oberhaus: Unsere Zielvorgabe ist es, die Besucherzahlen des Vorjahrs zu wiederholen. Wenn ich mir das diesjährige Programm anschaue, halte ich es durchaus für möglich, dass wir die Besucherzahl aus 2009 noch steigern können. Das gilt natürlich auch für den Branchentreff C’n’B.

Was wird für Sie der Höhepunkt der c/o pop 2010?

Oberhaus: Ich freue mich auf das, was ich noch entdecken kann. Generell bin ich gespannt, ob das, was wir uns in den vergangenen eineinhalb Jahre hinter verschlossenen Türen ausgedacht haben, aufgeht. Aber basierend auf den Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre bin ich sehr optimistisch, dass unser Konzept funktionieren und aufgehen wird.

 
 

EURE FAVORITEN