Eine Symphonie aus Computerspielmusik

Foto: A.Mangen / waz

Duisburg. Klassik für die Generation C64. Die Duisburger Symphoniker spielten Musik, die Chris Hülsbeck eigentlich nur für Computerspiele komponiert hatte. Bei „Giana Sisters“ und „Turrican“ bekam so mancher leuchtende Augen. Und vermisste schmerzlich den Joystick.

Von der Diskette zur Etikette ist es manchmal nur ein kleiner Schritt. Da sitzen also die Kinder der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Duisburger Mercatorhalle, haben passable Anzüge an und tragen gute Schuhe, manche von ihnen Hemden und Sneakers, was auch okay ist. Dass sie überhaupt mal in einem Konzertsaal sitzen würden, war irgendwie erwartbar – wer Oasis mag, landet ja auch irgendwann bei den Beatles. Aber dass die Musik aus Spielen für den Commodore C64 und Amiga 500 mal von einem klassischen Orchester gespielt werden würde, nein: damit konnte niemand wirklich rechnen.

400 Kilobyte für den Soundtrack

Die Computer von damals - zumal der liebevoll „Brotkasten“ genannte C64 - mussten sehr sparsam mit ihren Rechenkünsten umgehen. Für die Musik des Action-Spiels „Jim Power“ waren gerade einmal 400 Kilobyte reserviert - ein handelsüblicher MP3-Player schluckt heute gut und gerne 10 000 Mal so viel. Pro Level hatte Komponist Chris Hülsbeck lächerliche 60 Kilobyte zur Verfügung, das sind zwölf Seiten Text. Für Musik ist das unfassbar wenig.

Hülsbeck, der Computerspielkomponist, der schon mit 18 den ersten Preis in einem Wettbewerb des „64er“-Magazins gewonnen hatte, holte das Beste aus den Kisten heraus. Das Ergebnis klingt im Original für verwöhnte Ohren zwar einigermaßen grausam, doch hier und heute kommen die Duisburger Symphoniker ins Spiel.

Mehr als ein Hintergrundgedudel

Zugegeben, ihre eigene Idee, ein Konzert mit Computerspielmusik zu geben, ist es nicht. Schon 2003 gab es auf der Fachmesse „Games Convention“ ein Eröffnungskonzert mit Hülsbecks Kompositionen, auch der WDR zeichnete ein Konzert auf. Trotzdem ist es ein guter Einfall, auch die Duisburger wissen zu lassen, was alles in der Musik steckt, die viel mehr ist als ein Hintergrundgedudel fürs Daddeln.

Meistens klingt es nach Hollywood, manchmal auch nach Gershwin. Vor dem Inneren Auge sind „The Great Giana Sisters“ wieder unterwegs, kämpfen gegen Bienen und finden Wundersteine. Mit Pauken und Trompeten taucht auch der Gegner aus „Turrican“ auf - was hatte man damals lange gebraucht, um endlich ein Level weiterzukommen! Es fehlt nur noch der Joystick in der Hand.

"Game Over" nach einer Stunde

Generalmusikdirektor Jonathan Darlington dirigiert sein Orchester mit dem nötigen Ernst und angemessener Spielfreude. Vor allem macht das Konzert richtig Spaß. Es ist ein nostalgischer Abend für Jungs (Mädchen spielten damals tatsächlich weniger mit Computern), die heute teils selbst Kinder auf dem Schoß haben.

Schon nach einer Stunde ist „Game Over“. Es gibt kein Bonuslevel, schade eigentlich.

 
 

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