Der Tiroler ist lustig

Dieser Mann beherrscht den Parallelschwung: Erst feierte Hansi Hinterseer als Skirennläufer Erfolge. 1994 dann wedelte sich der stets perfekt gefönte Beau aus Kitzbühel als Sänger, Fernsehmoderator und Schauspieler in die Herzen von Millionen.

Frank Grieger sprach mit dem 53-Jährigen, der es mit Naturburschen-Charme und Schmeichelstimme zum Superstar der leichten Muse brachte.

Hallo Herr Hinterseer, singende Sportler sind ja nicht selten. Dass einer aber so flott auf den Show-Olymp saust, wie er früher die Piste runterbretterte, ist wohl einzigartig. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Hinterseer: (lacht) Ach, da gibt's viele Gründe. Da hat einer die Tür aufgemacht, und i bin durchgestiegen. Irgendwie habe ich mich in die Herzen der Menschen gesungen. Dazu brauchst du eine gute Mannschaft. Und die Medien müssen mitspielen, vor allem das Fernsehen.

Wie wurde aus dem Skiläufer der Volksmusik-Star?

Hinterseer: Das Wort „Star” höre ich nicht so gern. Ich hab 1993 bei einer Geburtstagsparty des Musikproduzenten Jack White gesungen, mit Freunden. Wir haben gejodelt und Ziehharmonika gespielt. Und das hat ihn so begeistert, dass er sagte: Mit dir möchte ich gerne eine Platte machen.

Sie sind auf einer Alm groß geworden – ohne elektrisches Licht, mit Pferdeschlitten statt Auto. Dafür mit 40 Tieren.

Hinterseer: Das war damals so, wenn man in einer Bauernfamilie aufgewachsen ist. Auf dem Schulweg bin ich schon mit sechs jeden Tag den Hahnenkamm heruntergefahren.

Haben Sie sich da gesagt: Ich will's irgendwann mal besser haben? Im Luxus schwelgen?

Hinterseer: Überhaupt nicht! Wenn du in der Natur aufwächst, ist das doch Luxus pur.

Ihr Image ist das des smarten Kumpels und charmanten Frauenverstehers. Wie viel vom wahren Hansi steckt hinter der Fassade?

Hinterseer: I bin so wie i bin. Wenn das gespielt wäre, würden die Fans das sofort merken. Das ginge vielleicht ein Jahr gut, aber doch nicht 15 Jahre.

Wenn man Ihre Shows sieht, dann lacht die Sonne, fesche Madln erobern Ihr Herz, und schlimmstenfalls gibt's mal eine Träne, die Sehnsucht heißt. Ist das nicht ein bisschen viel heile Heimatwelt?

Hinterseer: Ach, ein typisches Journalistenklischee. Jemandem aus der Stadt kann man das kaum erklären. Wenn du am Berg oben stehst und schaust ins Tal: Da siehst du die Schönheit der Natur. Ich würde das nicht heile Welt nennen, sondern eher heilsam.

Der Massentourismus hat aber auch in Ihrer Heimat Spuren hinterlassen. Ganz zu schweigen vom Klimawandel und schmelzenden Gletschern. Macht Ihnen das Sorge?

Hinterseer: Natürlich. Wir haben in unserer Gesellschaft einen unglaublichen Luxus, genießen alles in vollen Zügen – das hat Folgen. Ich glaube aber auch, dass es solche Schwankungen immer schon gab. Wir fallen momentan halt in eine solche Phase.

Das ZDF hat vor einiger Zeit die „Lustigen Musikanten” abgesetzt. Ihre Shows sehen im Schnitt fünf Millionen. Sind Ihre Quoten noch stabil?

Hinterseer: Ja, das hängt immer ein bisschen vom Gegenprogramm ab. Aber an und für sich sind die sehr gut.

Sie sprachen angesichts der Musikanten-Diskussion von einer „Missachtung der Zuschauer".

Hinterseer: (lacht) Das habe ich so nie gesagt.

Was denn dann?

Hinterseer: Volkstümliche Musik ist Unterhaltung. Das schauen sich viele Millionen im Fernsehen an. Es wäre schade, wenn man das einfach so weggeben würde. Na ja, wenn's ein gutes Gegenprogramm geben würde... Aber immer nur amerikanische Serien, Talkshows und Blabla, das kann's ja auch nicht sein.

Bei uns gibt's doch eine Reihe sehr gut gemachter Talkshows.

Hinterseer: Aber auch sehr viel Schund, wo man nur andere lächerlich machen will.

Apropos: Manche Kritiker gehen rüde bis verächtlich mit Ihnen um – schmerzt Sie das?

Hinterseer: Ich kann mit Kritik sehr gut umgehen, da war der Sport prägend. Bei Kritikern muss man doch mal gucken, was diese Menschen im Leben geleistet haben. Wenn einer selber aus dieser Branche kommt, vom Singen oder vom Sport, dann höre ich gerne zu. Aber jemand, der noch nie auf der Bühne gestanden oder einen Hang hinuntergefahren ist – das betrifft mich nicht.

Das Verhältnis zwischen „Ösis" und „Piefkes" ist ein Spezielles. Sind Sie dabei, wenn Deutschland bei der EM auf Österreich trifft?

Hinterseer: Ich glaub, da bin ich unterwegs. Aber im Fernsehen werd ich's mir anschauen.

Und: Ihr Tipp?

Hinterseer: 3:2 für uns – wie damals in Cordoba.

 
 

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