Der heimliche Superstar

Die Nachricht wird kürzlich viele verblüfft haben: Mit ihrem „Best of” ist Andrea Berg seit satten 318 Wochen in den deutschen Albumcharts vertreten.

Ein Rekord, mit dem die Königin der leichten Muse sogar „Wish You Were Here” von Pink Floyd sowie das Rote und Blaue Album der Beatles auf die Plätze verwies. Mit rund sieben Millionen verkauften Platten gilt die gebürtige Krefelderin, die bald in Essen und Siegen auftritt, als derzeit erfolgreichste deutsche Sängerin. Frank Grieger sprach mit dem heimlichen Superstar.

Frau Berg, mit Ihrem Rekord haben Sie diverse Rocklegenden abgehängt, am 31. Januar richtet Ihre Plattenfirma deshalb eine große Feier am Tegernsee für Sie aus. Nur: Außerhalb der Schlager-Szene bekommt kaum jemand etwas von Ihrem Erfolg mit. Wie kommt's?

Berg: Ich mache mich bewusst rar in der Öffentlichkeit. Gehe nicht in Talk-Shows, spreche nicht über mein Privatleben. Das heißt aber auch, dass mich nur Menschen kennen, die meine Musik gerne hören.

Als im März der Musikpreis „Echo” verliehen wurde – Sie bekamen Ihren vierten – zeigte RTL statt Ihres Auftritts Werbung. Sie sollen bittere Tränen vergossen haben.

Berg: Das war deshalb traurig, weil ich extra ein Konzert in Leipzig abgesagt hatte. Die Menschen dort wurden vertröstet: Guckt euch die Echo-Verleihung im Fernsehen an. Das hat mir leidgetan, für die Fans, aber auch für mein Mütterlein und meine Schwiegermutter, die alle bis spät in die Nacht aufgeblieben sind. Leider vergeblich.

Fühlten Sie sich gemobbt?

Berg: Nein, gar nicht. Man hat mir erklärt, dass es sich um ein Versehen gehandelt hat.

Wie kam das denn?

Berg: Da hat wohl jemand am Schneidetisch einen Fehler gemacht, indem er die Werbung reingeschnitten und mich dann vergessen hat.

Ist ja kaum zu glauben.

Berg: Tja, ich muss mich mit der Erklärung abfinden. Aber dass mich jemand bewusst mobbt, halte ich für ausgeschlossen. Wir haben bei RTL kurz danach die Charts-Show gemacht, wo sich der Sender ganz klar zu mir bekannt hat.

Einige Kritiker nennen Ihre Musik seicht und kitschig. Was entgegnen Sie denen?

Berg: Gar nichts. In der Musik lässt sich über Geschmack nicht streiten.

Aber Sie würden einräumen, dass Lieder wie „Tango Amore” oder „Träume lügen nicht” ganz schön gefühlig sind – irgendwo zwischen heiler Welt und Herzschmerz?

Berg: Jeder kann doch einfach abschalten, wenn's ihm nicht gefällt. Ich hab' am Samstag 7000 Menschen in Schwerin begeistert. So lange es nur einen einzelnen Menschen gibt, der sagt: „Das gibt mir was”, so lange ist alles richtig. Wenn manche nichts damit anfangen können – auch gut.

Viele Ihrer Texte schreiben Sie selbst …

Berg: ... gemeinsam mit meinem Produzenten Eugen Römer, ja.

Sprechen Sie aus Erfahrung, wenn es da etwa heißt: „Du hast mich tausendmal belogen?”

Berg: Im Grunde ist so etwas die Geschichte des Lebens – von jedem Einzelnen. Jeder ist doch ein Mensch, der empfindet, der Liebe braucht.

Apropos: Von Ihrem Privatleben geben Sie wenig preis, die gescheiterte Ehe mit Olaf Henning gilt als Tabu-Thema. Als Sie im Juni den Sportmanager Uli Ferber heirateten, waren Fernsehsender und die Bild-Zeitung dabei. Warum der Stimmungsumschwung?

Berg: Die Medien haben wir in dem Moment zugelassen, als wir mit unseren Gästen aus der Kirche gekommen sind – und bevor wir uns wieder zurückgezogen haben. Da standen 7000 Menschen an der Straße. An dem Punkt konnte ich nicht sagen: Das ist mein Privatding. Die Leute haben doch über die Jahre mit mir gelebt, gelitten und geliebt. Dieses Glück wollte ich mit ihnen teilen.

Sie sind gelernte Arzthelferin, sollen als Sängerin in einer kleinen Band noch vor Ihrem Durchbruch beim Bühnenaufbau angepackt und den Bulli gesteuert haben. Ihr Produzent sagt: „Sie kann Trecker fahren, Kühe melken und Spritzen setzen. Sie weiß, was sie will.”

Berg: Ich finde das unwahrscheinlich niedlich! Ja, so bin ich.

Auffällig ist Ihr offenherziges Bühnenoutfit. Wie ein Kollege beschreibt: „Im ersten Teil des Konzerts im kurzen Rock und hohen Stiefeln, im zweiten Teil im kürzeren Rock und höheren Stiefeln.” Warum?

Berg: Für mich ist das ein Ausdruck der Lebensfreude. Man sagt ja: Das Auge isst mit. Zum Beispiel dieser eine Straps – das hat ein bisschen was Verrücktes, eine gewisse Erotik...

Ich dachte immer, Erotik sei eher kunstvolle Verhüllung.

Berg: Das Wesentliche bleibt ja verdeckt. Pippi Langstrumpf hat übrigens auch schon halterlose Strümpfe getragen.

Die war vielleicht zehn. Sie sind 41 Jahre alt …

Berg: Och … kann ich jetzt gar nicht so sagen.

Pardon?

Berg: Stellen Sie doch einfach die nächste Frage (lacht).

Gern. Gibt's eigentlich Unterschiede zwischen Ihren weiblichen und männlichen Fans? Die knappen Klamotten ziehen Sie doch nicht für Frauen an.

Berg: Ach, die Damen nehmen das sehr wohlwollend an. Ich singe von Verletzungen, von Enttäuschungen, aber als Persönlichkeit komme ich stark rüber. Das gibt vielen Frauen was mit. Eben: „So leicht zerbreche ich nicht.” Im Publikum sitzen ganze Familien. Großmütter und Großväter, Mütter und Väter, Teenies … das fängt bei Vierjährigen an.

Die Konzerte sind also für unter Sechsjährige freigegeben?

Berg (zögert): Wegen meiner Outfits? Sind Sie so'n Prüder?

Eigentlich nicht. War jetzt auch nicht ernst gemeint.

Berg: (lacht).

 
 

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