Das Ende der Funk-Stille

Die König des Funk sind zurück: Nach neunjähriger Konzert-Abstinenz sind Earth, Wind & Fire – eine der einflussreichsten Bands der 70er – im Frühjahr wieder auf Deutschland-Tournee.

Im Gepäck: Hits wie „Boogie Wonderland”, „Fantasy” oder „September”. Philip Bailey, seit 1972 Sänger der Bombast-Band und auch solo erfolgreich („Easy Lover” im Duett mit Phil Collins), erzählt im Gespräch mit freizeit-Autorin Kristina Koch vom Älterwerden, alten EWF-Zeiten und der „Lüge” des HipHop...

Mister Bailey, die größten Erfolge feierten Earth, Wind & Fire vor rund 30 Jahren. Mittlerweile hat der HipHop traditionelle Funk- und Soulmusik verdrängt. Ein Problem?

Bailey: Oh, das ist mein Lieblingsthema! Wenn man bedenkt, dass Rap angeblich die afroamerikanische Gemeinschaft repräsentieren soll, dann ist der ganze HipHop eine fette Lüge! Nur weil er populär ist und den Soul im Musikgeschäft und in den Medien ersetzt hat, heißt das nicht, dass HipHop den Lebensstil und die Denkweise der Afroamerikaner widerspiegelt. Das Bild wird total verzerrt: Nicht alle Schwarzen haben Goldzähne, nennen ihre Frauen „bitches” und sind Zuhälter oder Gangster. Sagen Sie das bitte weiter!

Sehr gerne. Lebt es sich denn heute leichter, weil Sie nicht mehr ständig neue Platten mit potenziellen Hits auf den Markt werfen müssen?

Bailey: Ganz bestimmt. Früher standen wir unter einem schrecklichen Druck. Maurice White (Bandgründer und Produzent, die Red.) hat zwischenden Platten-Veröffentlichungen schlimme Ängste ausgestanden, sogar mit richtigen physischen Folgen. Ständig diese Sorge: Wird das nächste Album genauso gut wie das letzte? Wie viele Hits wird es bringen? Aber um auf die Gegenwart zurückzukommen: Jetzt müssen wir zum Glück nichts mehr beweisen.

Die Erfolgsalben von Earth, Wind & Fire zeichnen sich durch einen unvergleichlichen Studio-Bombast aus. Wäre so eine Produktion heute noch finanzierbar?

Bailey: Das war in der Tat unglaublich: Wir haben teilweise 60 Mann starke Orchester aufgefahren! Das wäre heute wahnsinnig teuer. Aber glücklicherweise ist solch ein Aufwand auch gar nicht mehr notwendig. Dank moderner Technologie können wir auf viel einfachere Art den gleichen Sound erreichen. Das ist toll.

Ihre Konzerte in den 70ern waren von Mystik durchwirkte und mit Magie aufgeladene Shows. Bekommen wir auf der anstehenden Tournee Vergleichbares zu sehen?

Bailey: Wir befinden uns noch in der Planungsphase. Aber so viel kann ich verraten: Es wird etwas Besonderes werden!

Es gibt „Mamma Mia!”,„Daddy Cool” und ähnliche Shows. Wann kommt endlich ein Musical mit der Musik von Earth, Wind & Fire?

Bailey: (lacht) Es gab schon eins am Broadway! Aber das war grottenschlecht und wurde schnell wieder abgesetzt. Wir waren auch nicht involviert. Aber wenn die Chancenoch einmal kommt, dann werde ich dafür sorgen, dass nur die großartigsten Musiker mitmachen und es das beste Musical der Welt wird!

Zum Schluss: Wie kommt es, dass Sie mit 56 Jahren noch so jung aussehen?

Bailey: (lacht) Das war schon immer so – aber nicht immer ein Vorteil: Als Teenager habe ich nie eine Freundin abbekommen, weil ich aussah wie ein kleiner Junge. Aber heute kann ich endlich davon profitieren!

 
 

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