Coldplay sorgen für Gänsehaut bei den Fans

Düsseldorf. 40.000 Fans feierten am Donnerstag in der Düsseldorfer Esprit-Arena die britische Band "Coldplay". Die Band beherrscht das Spiel mit den Gefühlen der Fans und Chris Martin & Co. revanchierten sich mit einem Soundtrack zum frisch Verliebtsein.

Related content Nein, am Wetter kann’s nicht gelegen haben. Eine lauschige Nacht. Die Temperaturen spätsommerlich, der Himmel über dem Rhein sternenklar. Und trotzdem eiskalte Schauer den Rücken hinunter. Verursacht hat sie das Hoch „Coldplay“. Das zog am Donnerstag um kurz nach 21 Uhr über dem Düsseldorfer Stadion auf. „Esprit“ heißt die Arena – albern eigentlich, aber wie passend für diesen Abend.

Sie haben der Rockmusik das Keyboard und die schwärmerische Opulenz zurückgegeben. Seit Pink Floyd hat keine Band mehr so schwulstig wabernde Klangteppiche gewebt wie Coldplay. Ihre Musik ist Melancholie nach Noten, oft üppig instrumentiert, bisweilen überproduziert bis hart an die Grenze zum Kitsch. Das Weinerliche klingt in wunderbarer Schönheit aus der Stimme von Sänger und Pianist Chris Martin.

Das Genre? Nun, ihre meisten Preise – sieben Grammys, sechs Brit Awards, zwei Echos und manche mehr – heimsten sie in der Kategorie „Alternative“ ein. Emo-Rock sei treffender, sagen andere. Oder doch eher Pop. Oder einfach nur geile Musik. Der Soundtrack zum noch einmal frisch Verliebtsein. Besser glücklich verliebt, sonst wird’s tränenreich. Optimal vorbereitet war, wer am Donnerstag jemanden zum Kuscheln dabei hatte. Oder Papiertaschentücher.

Hinein ins Vergnügen

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Wer derart aus dem Vollen schöpfen kann, muss sich um die Dramaturgie seiner Konzerte wenig Gedanken machen. Einfach hinein ins Vergnügen: „Violet Hill“, „Clocks“ und „In My Place“ – drei Kracher zum Warmwerden. Bei „Yellow“ schweben Dutzende gelbe Ballons über die Köpfe der wogenden Menschenmasse, und spätestens bei der Bombast-Hymne „Fix You“ singt jeder mit.

Spiel mit den Emotionen

Related content Und dann zeigen Coldplay, dass sie das Spiel mit den Emotionen ihrer Fans nicht nur musikalisch beherrschen. Längst haben sie auch die großen Gesten drauf, die es braucht, um so ein Stadionkonzert zum Erlebnis zu machen. Zweimal wechselt die Band auf winzig kleine Bühnen mitten im Publikum. Beim ersten Abstecher spielen Coldplay „God Put A Smile Upon Your Face“ und „Talk“ als Techno-Versionen, ehe sich Chris Martin ans Klavier setzt und „The Hardest Part“ als Akustik-Fassung ins Mikro haucht – nahtlos gefolgt von „Viva La Vida“, diese Gute-Laune-Nummer, die eigens für große Stadien geschrieben zu sein scheint.

Der zweite Ausflug endet mit einer Handy-La-Ola zu Michael Jacksons „Billy Jean“. Eine respektvolle Ehrerbietung an den verstorbenen King of Pop. Die dickste Gänsehaut des Abends.

Bald darauf ist Schluss. Nach 25 Songs und knapp zwei Stunden Spielzeit. Beim Verlassen des Stadions bekommt jeder Besucher eine Live-CD geschenkt, darauf neun Songs. Die reichen für den Weg von Düsseldorf bis Dortmund.

 
 

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