CDU in Unna wehrt sich gegen Rio-Reiser-Weg

Rio Reiser
Rio Reiser
Foto: ddp images/dapd/Tim Riediger
„Macht kaputt, was euch kaputt macht“ – der Anarcho-Schlachtruf des Rockers Rio Reiser gilt noch heute als Credo einer Generation. Und ist offenbar ein rotes Tuch für Kommunalpolitiker. Denn in Unna entbrennt derzeit ein Streit um eine Gasse, die den Namen Reisers tragen soll.

Unna.. Es hat etwas Groteskes: Da nimmt ein lokaler Politiker es mit einem überregional geachteten Künstler auf. CDU-Fraktionschef Klaus Göldner möchte mit allen Mitteln verhindern, dass die Gasse entlang der Graffiti-Mauer zum Platz der Kulturen künftig „Rio-Reiser-Weg“ heißt. Die Zustimmung der Fraktion werde es „vermutlich“ nicht geben, sollte Ortsvorsteherin Ingrid Kroll (SPD) diese Widmung (auf Wunsch der GAL und der Kulturzentrum-Chefin Regina Ranft) vorschlagen.

Am Montag gab es Göldners Bedenken schriftlich als Pressemitteilung. Um sich gegen Reiser zu positionieren, führt Göldner nacheinander an, dass

  • Reiser „in der hiesigen Presse als ‘homosexueller Anarcho Rocker’ bezeichnet“ worden sei,
  • „sich Polizei und Anarchos Anfang der 70-er Jahre im Takt der Reiser-Musik gegenseitig verprügelten“
  • man es „bis heute vermieden“ habe, in Reisers „Heimatgemeinde Fresenhagen und deren Umgebung einen Platz oder eine Straße nach Reiser zu benennen“ und
  • es „noch eine Reihe Unnaer Persönlichkeiten (gibt), die sich um unsere Stadt verdient gemacht haben und sich für eine Namensgebung besser eignen“, etwa „Marianne Hoffmann und Dorothea Weidner“.

Klaus Göldner glaubt das Internet auf seiner Seite, gebe es doch „näheren Aufschluss über die Person des Rio Reiser“. Tatsächlich gibt das Internet gewohnt beredt Auskunft über Rio Reiser. Es beschreibt ihn an einer bestimmten Stelle so: Kennzeichnend für den Künstler sei

  • „der leidenschaftliche Hang zum Aufruhr“
  • „anarchischer Patriotismus“
  • „Übermut zum Humor, zum großen Gefühl, zur Provokation“
  • Reiser sei „begnadeter und großartiger Pop-König von Deutschland“ und schließlich:
  • „Wenn einer das Paradies verdient hat, dann er.“

Letzteres sagte vor elf Jahren ein der politischen Anarchie völlig unverdächtiger Mann namens Herbert Grönemeyer. Die Zitate sind Teil seiner Laudatio, als der Radiosender 1Live Reiser posthum für dessen Lebenswerk ehrte. Soweit die künstlerische Diskussion.

Auf lokaler Ebene gerät Ex-Bürgermeister Volker Weidner fast außer sich, als er erfährt, dass Göldner seine Mutter in einem Atemzug mit der Ablehnung Reisers nenne. Reiser sei einerseits ein anerkannter Künstler, der sich wie seine Familie stark in der Stadt Unna engagiert habe. Jetzt Verstorbene gegeneinander auszuspielen, wenn es um die Widmung von Straßen gehe: „Das macht man nicht, das ist blödsinnig.“

Weidner wörtlich: „Jemanden auf diese Weise parteipolitisch zu vereinnahmen, zeigt deutlich, was Göldner fehlt: Anstand.“ Gegen eine Ehrung seiner Mutter spreche nichts, sagt Volker Weidner. „Wer das möchte, soll das tun. Aber nicht in diesem Zusammenhang.“

 
 

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