Museum für polnische Kunst in Recklinghausen eröffnet

Werner Jerke im Obergeschoss seines Museums für Kunst der polnischen Moderne. Das Fenster im Hintergrund hat Wojciech Fangor entworfen.
Werner Jerke im Obergeschoss seines Museums für Kunst der polnischen Moderne. Das Fenster im Hintergrund hat Wojciech Fangor entworfen.
Foto: Funke Foto Services
Der Augenarzt Werner Jerke errichtete im Herzen von Recklinghausen auf eigene Kosten ein neues Museum. Dort zeigt er Werke seiner großen Sammlung.

Recklinghausen. Ein neuer Museumsschatz für das Ruhrgebiet, das Land, die Republik: Der Privatsammler Werner Jerke hat im Herzen von Recklinghausen, vis-a-vis von Ikonenmuseum und Propsteikirche St. Peter ein Museum für Moderne Kunst aus Polen errichtet, eingerichtet, eröffnet: Ab Freitag sind hier auch Besucher willkommen.

Die Augenweide beginnt freilich schon auf dem neugestalteten Platz vor dem Museum. Es passt mit seinen hohen, schlanken Formen bis zum spitzen Giebel und dem mittelgrauen Granitstein der Fassade hervorragend in die Altstadt-Kulisse, ohne seine Modernität zu verleugnen. Die Ideen zu diesem Bauwerk stammen vom Sammler selbst, ein befreundete Architekt goss sie in Baupläne.

Werner Jerke, Augenarzt mit einer Praxis in Herten, 1957 als Sohn einer deutschstämmigen Familie geboren, im oberschlesischen Pyskowice aufgewachsen und 1981 in die Bundesrepublik ausgewandert, erzählt das so selbstverständlich, wie er Besucher durch die zwei Etagen des Hauses führt – kein Freund großer Worte, aber sehr wohl wissend, was er da geleistet hat.

Ungläubiges Staunen

Über die Kosten des Museums, die im siebenstelligen Bereich liegen dürften, mag er lieber nichts sagen – ihm ist das ungläubige Staunen darüber, dass ein Augenarzt ein derartiges Projekt stemmt, schon zu Ohren gekommen. Nur so viel: „Ich habe keine Zuschüsse von der Stadt oder vom Land bekommen.“

Schon zu Zeiten seines Medizin-Studiums in Bonn hat Werner Jerke angefangen, polnische Kunst zu sammeln; eigentlich hatte er ja Filmregie in Lodz studieren wollen, aber dann war alles anders gekommen. „Jedenfalls habe ich große Kunst für kleines Geld gekauft“, lächelt Jerke heute, seine Sammlung umfasst rund 600 Werke, von denen er derzeit 80 zeigt.

Die Kunst der Umbruch-Zeiten

Interessiert hat ihn immer die Kunst der Umbruch-Zeiten in der polnischen Geschichte: Also die 20er-Jahre mit Konstruktivisten und Avantgardisten wie Wła­dys­ław Strzemiński, der sich irgendwann mit Malewitsch zerstritt (von ihm besitzt Jerke das Relief „Flache Konstruktion – Bruch eines schwarzen Quadrats“); also auch die Kunst der nachstalinistischen Zeit, als in den 60ern so viel Aufbruch war, mit Tadeusz Kantor und Wojciech Fangor an der Spitze (Fangor hat für das Museum noch vor seinem Tod im Oktober 2015 ein Giebelfenster entworfen, das von Orange nach Blau changiert); und also auch die Kunst aus der Wendezeit nach 1989, die zu dieser Sammlung die schrillsten Töne beiträgt.

Personal für das Museum braucht Jerke nicht – das machen „die Damen aus meiner Praxis“; sie haben sich mit Vorträgen in Sachen Moderner Kunst fortgebildet – so wie ihr Chef eines Tages noch ein Studium der Kunstgeschichte aufgenommen (und vor vier Jahren abgeschlossen) hat, um noch sicherer zu werden in seinem Urteil.

In der Szene geschätzt

Im Erdgeschoss des puristisch eingerichteten Hauses wird der eingefleischte Schalke-Fan Jerke noch ein kleines Restaurant betreiben. Und selbstverständlich gibt es hier auch den roten und weißen Wein, den er aus Spätburgunder-Trauben an der Ahr keltern lässt – und mit Etiketten versieht, die von Künstlern gestaltet sind: „Die muss man dazu gar nicht groß überreden, die machen das mit Freude!“ Jerke wird in der Szene geschätzt. Zur Einweihung des Museums kamen 30 polnische Künstler, Mal-Happening inklusive.

Für die Zukunft plant Jerke zwei bis drei Wechselausstellungen im Jahr, in Zusammenarbeit mit polnischen Galerien. Und wünscht sich, mit seiner Kunst, „die nicht mir, sondern der Öffentlichkeit gehört, zum Selbstbewusstsein des Ruhrgebiets beizutragen: „Wir vergessen hier viel zu oft, dass wir mehr Museen haben als New York!“

 
 

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