Moers probt und spielt den „Ausnahmezustand“

Im Ausnahmezustand: Maresa Lühle und Frank Wickermann spielen überzeugend.
Im Ausnahmezustand: Maresa Lühle und Frank Wickermann spielen überzeugend.
Foto: Jakob Studnar
Großer Abend in Moerser Schlosstheater-Kapelle: der „Ausnahmezustand“ von Falk Richter. Wer ein Ausnahme-Stück Theater sehen will, sollte sich dieses intensive Sahneteilchen von Kammerspiel in der Gast-Regie von Catherine Umbdenbrock nicht entgehen lassen.

Moers.. Selbst die Ukulele klingt etwas schief, als der Mann im Plüsch-Hundekostüm die Zuschauer in der „Celebration Community“ so lustig willkommen heißt. Wenn auch der Flokati Gemütlichkeit vortäuscht und die Videoleinwand Sicherheit, die schicke Küchenzeile Wohlstand verspricht und die Nachbarn angeblich gern Kaffee vorbeibringen – in diesem bewachten Wohnquartier herrscht gleich der „Ausnahmezustand“. Das Stück von Falk Richter feierte jetzt in Moers in der kleinen Kapelle Premiere.

Der Titel des Stücks trifft zweifach zu. Wer ein Ausnahme-Stück Theater sehen will, sollte sich dieses intensive Sahneteilchen von Kammerspiel in der Gast-Regie von Catherine Umbdenbrock nicht entgehen lassen. Maresa Lühle spielt sich so überzeugend in Irrsinn und Hysterie und ihren Partner Frank Wickermann in ebenso tiefe Verzweiflung, dass zu fürchten ist, er schnappe gleich mit über. In der kleinen Kapelle bekommt man das Geschehen hautnah mit. Und manchmal auch ein paar Spritzer von dem Sekt, den sich das Paar reichlich genehmigt.

Größtmögliche Sicherheit schürt die größtmöglichen Ängste

Ist es Wahn oder Wirklichkeit, wenn sich die (namenlose) Frau im Stück immer weiter hineinsteigert in ihre bizarre Angst? Erst davor, ihr Mann könne sie nicht mehr lieben, dann vor bösen Menschen von „draußen“, die nachts ihr Unwesen auf dem Gelände treiben und Hunde verbrennen?

Muss sie wirklich um ihre Existenz, ja, um ihr ganzes Leben fürchten, weil die „Videoüberwachung der letzten 15 Jahre“ ergeben hat, dass ihr Mann nicht mehr so erfolgreich arbeitet? Und ist es nicht komplett plemplem, wenn sie ihren verstockten pubertierenden Sohn (wunderbar: Patrick Dollas) inquisitorisch befragt, um herauszubekommen, ob er nachts Möbel verrückt?

In ihrer Welt ist nur eins sicher: Die größtmögliche Sicherheit schürt die größtmöglichen Ängste. Und gipfelt in der Frage: Auf welcher Seite des Zauns wohnen hier die Verwirrten? - Ein großartiger Theaterabend!

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