Moers’ Comedy Arts Festival war ein voller Erfolg

Das Foto zeigt Tag drei  des Comedy Arts Festivals  in der Festivalhalle in Moers. Im Bild der Auftritt von „Naked Lunch“.
Das Foto zeigt Tag drei des Comedy Arts Festivals in der Festivalhalle in Moers. Im Bild der Auftritt von „Naked Lunch“.
Foto: WAZ FotoPool
Fast alles ausverkauft, 1300 Zuschauer lachten, dass das Hallendach wackelte: Das Comedy Arts Festival in Moers ist zu Ende und blickt auf einen starken Jahrgang zurück. Auch die neuen Bedingungen kamen an: Der Umzug in die Festivalhalle war fürs Publikum kein Problem.

Moers.. „Es gibt Bereiche, in denen gelacht wird, und welche, über die gelacht wird“, stellte Sascha Korf als Moderator des Comedy Arts Samstags gleich zu Beginn klar. Das war schon in der Open Air Arena am Kastell so, und das bleibt auch in der neuen Moerser Festivalhalle so, in die das Gipfeltreffen der Humorkunst nach fast 40 Jahren umgezogen ist. Wer sich in die erste Reihe wagt, ist selbst schuld. Gerburg Jahnke knöpfte sich schon am Donnerstag Helmut vor, Korf verfolgte die Fotografen und die Lehrerin, für das Pfannen schwingende Duo Naked Lunch musste eine Zuschauerin Wiederbelebungsversuche starten.

Kleine Nachtmusik mit Groove

Musik-Comedy lag in den vier Festivaltagen eindeutig in der Gunst des Publikums vorn. Mozuluart – vier Streicher der Wiener Symphoniker und drei afrikanische Sänger – brachten die Halle zum Toben und Tanzen. Die seltsame Mischung aus klassischem Mozart und afrikanischem Groove, die mit der „Kleinen Nachtmusik“ leise anfing und in einem Finale Furioso endete, hat schon einmal die Moerser aus dem Häuschen gespielt. Und das, obwohl es recht eigentlich gar keine Comedy ist und nicht zum Lachen, sondern einfach mitreißende Musik. Den Moerser Comedy Preis, das „Henriettchen“, gab es trotzdem dafür.

Das Cello als Drehspieß

Standing Ovations gab es für die Franzosen Duel. Virtuosen an Klavier und Cello – das man übrigens prima zu zweit streichend und schlagend bearbeiten kann, doch, doch – rockten sie die Moerser mit „Smoke On the Water“ oder einer gaaaanz tiefen, Whisky-getränkten Version von „My Funny Valentine“, während sie sich munter in Stühlen verhedderten oder das Cello als Drehspieß nutzten. Präzisionsarbeit auf Konzert-Niveau mit hohem Spaßfaktor.

Apropos Präzision: Die wird Schweizer Uhren nachgesagt. Schweizer Humor funktioniert anscheinend ähnlich. Vielleicht hat der künstlerische Leiter des Festivals, Holger Ehrich, deshalb mit Ursus und Nadeschkin sowie This Maag zwei Nummern aus dem Alpenland ins Programm genommen. Ursus und Nadeschkin lieferten am Freitag, der unter dem Motto „Best of“ lief, schon zum zweiten Mal in Moers ihre komplett durchgeknallte, aber absolut durchgetaktete Wortakrobatik ab. Höhepunkt: Goethe rezitieren, auf dem One-Wheel fahren und ein Feuerwerk abbrennen.

Erfahrenes Publikum

Ob jetzt die EU wirklich der Schweiz beitritt, wie This Maag behauptete – man weiß es nicht. Sympathiepunkte sammelte der Integrationsbeauftragte aus Heidi-Land auf jeden Fall. Auch wenn er ein so erfahrenes Comedy-Publikum wie das Moerser mit seinen gespielten Bilderrätseln nicht wirklich in Not bringen konnte. Dafür haben sie artig mit ihm „Chchchch“ geübt wie in „Elekchchtrotechchnikchcher“ oder „Kchchikchcher“ und lauschten begeistert dem „Freude schöner Götterfunken“ auf dem Alphorn aus Abflussrohren.

Christine Prayon ist vielen bekannt als Birte Schneider aus der Heute-Show. Die Moerser wissen jetzt: Madame kann auch ganz anders. Sie kann die alternde Diva, sie kann Carla Bruni, sie kann politisch mit Werbepause, sie kann morden und Comedy-Kollege Mario Barth durch den Kakao ziehen: Seine gestotterten, gedoppelten Texte als ernstes Gedicht vorgetragen – so sind sie richtig komisch und den NRZ-Förderpreis für Prayon unbedingt wert.

Hauskonzert im Wohnwagen

Nicht nur in der großen Halle gab es was zu lachen, auch davor: Die Niederländer Meesleep luden zum Hauskonzert in – na klar – ihren Wohnwagen. Und da passen fünf Musiker und jede Menge Zuschauer rein. Irgendwie. Aber die Moerser haben keine Berührungsängste, nicht mal in der ersten Reihe.

Alle Veranstaltungen des Comedy Arts Festivals waren so gut wie ausverkauft, hatten also jeweils knapp 1300 Zuschauer. Dabei gab es zwei Solo-Abende zu sehen mit „Frau Jahnke hat eingeladen“ und Carolin Kebekus’ „Pussyterror“.

 
 

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