Mit Depeche Mode in der Zeitschleife

Dave Gahan, Sänger von Depeche Mode, ist auch nach 33 Jahren Bandgeschichte ein Mann für die Seele der Fans.
Dave Gahan, Sänger von Depeche Mode, ist auch nach 33 Jahren Bandgeschichte ein Mann für die Seele der Fans.
Foto: Ilja Höpping
Gegründet wurde die britische Band Depeche Mode 1980. Aber im Konzertgeschäft sind Bands mit einer Lebenszeit von über 30 Jahren sowieso die sicheren Bringer. Nach über 100 Millionen verkaufter Tonträger gibt die Band derzeit zwei ausverkaufte Konzerte in Düsseldorf.

Düsseldorf. Das Älterwerden ist eine Frage der Zeit, das Altsein eine der Einstellung. Dave Gahan schwingt die 51-jährigen Hüften, wie nur er es kann, der Plattenputzer aller Synthie-Rock-Partys. Er greift sich in den Schritt, als wäre das in dieser Deutlichkeit noch nötig, als wäre diese ganze Show nicht ein einziges Lustbad.

Schon nach dem ersten Klang von „A Question of Time“ brandet der Jubel auf, wiegt sich ein Meer aus Armen. Und alles scheint so wie einst: 1987! „Music for the Masses“! Eine Zeitschleife, zurück in die Jugend. Auch wenn damals in der Essener Grugahalle ein bisschen weniger Masse war als heute, wo Depeche Mode an zwei Abenden knapp 90.000 Zuschauer in die Düsseldorfer Arena holt.

Die Karriere der 1980 gegründeten britischen Band begann mit coolen Synthesizer-Klängen, die sie auf nunmehr 13 Studioalben zunehmend mit Rock, Pop und Party gemixt hat. Weltweit hat Depeche Mode über 100 Millionen Tonträger verkauft. In den deutschen Single-Charts haben nur die Beatles noch mehr Top-Ten-Hits gelandet als Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher. Ihre große „Delta Machine“-Tour – Samstag noch in Kiew, nächste Woche in Bilbao – streckt sich übers Jahr.

Die Halle hüpft

Bei aller Gigantomanie aber versprüht der Abend den Charme einer spontanen, lustvollen Party, dabei glasklar im Klang und perfekt in der Lichtschau. „Welcome to My World“ und „Angel“ von der aktuellen Platte eröffnen einen wohldurchdachten Reigen von Neu und Alt. Hits wie „Walking in My Shoes“, „Black Celebration“ und „Policy of Truth“ folgen.

Der erste Gänsehaut-Moment gehört Martin Gore mit „Higher Love“, samtweicher Herzensbrecher. Der Mann mit dem hellblauen Lidschatten ist auch der Mann für die Seele. Während Dave Gahan Muskeln spielen lässt wie eh, nur mit Weste bekleidet, als steckten wir noch immer tief in den 80ern, zeigt er seine lecker’ Oberarme. Und obwohl er außer „Hallo, Düsseldorf“ der Menge kaum ein Wort gönnt, wirkt er so, als würde er das Gefeiertwerden genießen. Schließlich gab es auch andere Momente in seinem Leben: Drogenabstürze, die ihn selbiges beinahe gekostet hätten.

Spätestens aber bei „Soothe My Soul (Delta Machine)“ und „A Pain That I’m Used To“ („Playing the Angel“, 2005) zeigt sich, dass die Jungs es noch immer drauf haben und auch die musikalische Virilität der Band nichts zu wünschen übrig lässt. Druckvoller Sound entlädt sich auf und vor der Bühne, eigentlich müsste man von außen sehen können, wie die Halle hüpft.

Und wenn Gahan mal eine Pause macht und stumm auf der Bühne steht, hat das nur einen Grund: die Masse übernimmt das Musizieren und schmettert ihm das „All I Ever Wanted, All I Ever Needed“ entgegen. So laut kann still sein! Nicht nur „Enjoy The Silence“, auch „Personal Jesus“ beherrschen die Fans textsicher. Das Glaubensbekenntnis von 1989, das einst Papas Partykeller beben ließ, gilt uns noch immer, und (beinahe) melancholiefrei. Ist doch eigentlich ganz schön, eine Geschichte zu haben – vor allem, wenn man sie sich an einem so netten Abend mit über 40 000 alten Kumpels gemeinsam erzählt.

 
 

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