„Minority Report“ wird in Dortmund zum Kammerspiel

Precrime-Chef John Anderton (Björn Gabriel) erfährt plötzlich, dass er selbst ein zukünftiger Mörder ist.
Precrime-Chef John Anderton (Björn Gabriel) erfährt plötzlich, dass er selbst ein zukünftiger Mörder ist.
Foto: Birgit Hupfeld
Auch starke Film- und Prosavorlagen schüchtern die Dortmunder Theatermacher nicht ein. Am Schauspiel ist jetzt eine hochgradig kreative und spannende Adaption von „Minority Report“ zu sehen. Phil K. Dicks Zukunftsvision machte Spielberg zu einem Kinoerfolg.

Dortmund. Wer nicht glauben will, dass man Spielbergs Science-Fiction-Film „Minority Report“ nach Philip K. Dick mit nur vier Schauspielern auch auf kleinstem Studioraum zum Leben erwecken kann, muss nach Dortmund fahren.

Am dortigen Theater gelingt dem jungen Regisseur Klaus Gehre mit geradezu spielerischer Leichtigkeit eine Verschmelzung von realer Schauspielerei mit fest installierten Videokameras, drei großen Leinwänden und vielerlei putzigen Requisiten. Aber auch, wenn das Darsteller-Quartett quer durch den Raum hetzen muss, um sich in die nächste Rolle zu stürzen und um nebenbei noch Puppen zu animieren, entwickelt sich hier allmählich ein packender Thriller, in dem am Ende der freie Wille zur Disposition steht.

Zwischen kopulierenden Barbiepuppen und wechselnden Fotokulissen

In der „Live-Film“ benannten Unternehmung geht es um eine Zukunft, in der man vermeintliche Straftäter verhaften kann, bevor sie ihre Tat haben ausführen können. In Washington hat sich seit Jahren kein Mord mehr ereignet, weil die Polizei der Precrime-Unit immer schon am Tatort war.

Sie folgt dabei Erkenntnissen sogenannter Precogs: menschliche Wesen, die riesige Datenberge verarbeiten können, um daraus Schlüsse über Ort, Zeit und Täter zu ziehen. Das perfekt anmutende Projekt gerät ins Wanken, als Precrime-Chef John Anderton (Björn Gabriel) plötzlich selbst erfährt, ein zukünftiger Mörder zu sein.

Gabriel, Ekkehard Freye, Julia Schubert und Merle Wasmuth gehen die Sache mit viel Spaß und Energie an. Zwischen kopulierenden Barbiepuppen und wechselnden Fotokulissen beeindruckt vor allem Schubert, die die bekiffte Erfinderin von Precrime spielt als auch den Precog Martha, ein in Protonenmilch gehaltenes Opfer. Sie ist es, die einen Applaus von dreieinhalb Minuten prognostiziert. Er ist eindeutig länger.

  • Termine/Karten: 0231 / 5027222
 
 

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