Michael Bublé: Er mag es nicht so glattgebügelt

Michael Bublé
Michael Bublé
Foto: Don Arnold
Trotz Abendanzugs authentisch: Eine Begegnung mit dem Superstar Michael Bublé, dessen neues Album „Nobody but me“ am Freitag erscheint.

Köln..  Rund um den Dom servieren die Restaurants gerade einmal die ersten Mittagessen aber Michael Bublé sieht schon wieder so aus, als sei er auf dem Weg zu einem Abendempfang. Elegant der Anzug, hochglänzend die Schuhe, kommt er um die Ecke des Hotelzimmers. Fester Händedruck, freundliches Lächeln, etwas schmaler ist er geworden. Die Zeit ist knapp, das Radio wartet schon und zum Fernsehen muss er gleich auch noch. Wie das so ist, wenn ein Weltstar wie er eine neue CD herausbringt. Aber Bublé lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. „Setzen wir uns.“

„Nobody but me“ (Veröffentlichung: 21. Oktober) heißt das neue Album, es ist das neunte und der Kanadier hätte es sich einfach machen können. Er hätte ja nur ins Studio fahren und ein paar Klassiker und Hits aus allen Bereichen der Musik neu einspielen müssen. Immer nah am Original, mit großem Orchester, von den besten Produzenten der Welt betreut. Dazu hätte er ein oder zwei neue Nummern gesungen – und fertig wäre das Album gewesen. Eine Mischung, mit der er in den vergangenen Jahren schließlich nicht nur vier Grammys gewonnen, sondern auch 79 Platin-Schallplatten bekommen hat. Bublé aber hat es sich nicht einfach gemacht. „Ich war noch bei keinem Album so involviert, wie bei diesem“. sagt er. „Dieses Mal bin ich Co-Producer.“

Und dann hat er sich warm geredet und man muss gar nicht mehr viel fragen. Der 42-Jährige erzählt von Freunden, die ihn für verrückt gehalten haben, sich den Stress anzutun. Und davon, dass er sich vor manchen der neuen Aufgaben geradezu gefürchtet habe. Die Hände gehen hin und her, immer wieder springt er auf, geht durch das Zimmer, bleibt neben einem stehen um auf seinem Smartphone Bilder zu zeigen von der Arbeit im Studio. Und wenn man die Songs dann hört, dann bekommt man langsam eine Ahnung, warum der Sänger weit über die übliche „Das ist das beste Album, das ich je gemacht habe“-Promotion so begeistert ist von seinem jüngsten Werk.

Ja, er hat natürlich wieder ein paar alte Sachen aufgenommen. Auch wieder von den üblichen Verdächtigen wie Frank Sinatra oder Ella Fitzgerald. Aber er klebt bei den Arrangements längst nicht mehr so eng am Vorbild wie früher, als ihn Kritiker gerne eine „menschliche Musicbox“ nannten. Ganz besonders deutlich wird das bei einem fantastischen Cover des Beach-Boys-Hits „God Only Knows“. Das Licht im Studio hat er bei der Aufnahme dimmen lassen, hat nur mit einem Pianisten an seiner Seite da gesessen und gesungen. Nur einen Durchgang haben sie gemacht, man hört ihn schlucken, man hört ihn atmen.

In einem Rutsch aufgenommen

Sie haben alles so gelassen, wie es war, nichts glattgebügelt im Studio. „Authentisch“ nennt es Bublé. Darauf kam es ihm an. Deshalb hat er auch die alte Dean-Martin-Nummer „On an Evening in Roma“ live mit einem kompletten Orchester in einem Rutsch im Studio aufgenommen. Nicht ohne Risiko ist so etwas, hier aber ist es gelungen.

Ähnlich wie die neuen Songs. Da arbeitet Bublé unter anderem mit Ariana Grande oder Harry Styles von One Direction zusammen. Und bei der Titelnummer mischt mit Black Thought sogar ein Rapper mit – was für einige von Bublés Beratern ungefähr so war, als würden die Wiener Philharmoniker mit Rammstein zusammen spielen. „Nimm den Song vom Album“, haben sie ihm geraten. Aber er hat sich nicht beirren lassen.

Man könnte noch über viele Dinge reden mit Michael Bublé. Über sein eigenes Parfüm, das er vor wenigen Wochen vorgestellt hat oder über seine Tournee im kommenden Jahr, die ihn auch wieder nach NRW führen wird. Aber von hinten kommt eine Assistentin, zeigt auf die Uhr. „Wir hängen.“ Eines aber muss der Sänger auf dem Weg zum Fahrstuhl noch loswerden. Natürlich hoffe er, dass das Album ähnlich gut bei den Fans ankomme, wie die Vorgänger. Falls nicht, könne er aber damit leben, denn: „Es ist von Anfang bis Ende genau das Album, das ich haben wollte.“

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