Marius Müller-Westernhagen singt wieder geil und laut

Marius Müller-Westernhagens Auftritt im Kölner E-Werk in Köln war wie eine Wiederauferstehung mit neuen Songs.
Marius Müller-Westernhagens Auftritt im Kölner E-Werk in Köln war wie eine Wiederauferstehung mit neuen Songs.
Foto: Matthias Graben
Der erfolgreiche deutsche Musiker Marius Müller-Westernhagen will es noch einmal wissen und geht auf Tournee. Beim inoffiziellen Auftakt im Kölner E-Werk erlebte das Publikum 100 Minuten voller Energie. Das neue Album Alphatier rockt. Und mit 65 Jahren scheint "MMW" besser denn je.

Köln.. Eine Sternstunde! Beim Pre-Listening für das neue „Alphatier“-Album, das am 25. April erscheint, rockte MMW das Kölner E-Werk: „Geld, Gier, Erfolg? Was wirklich wichtig ist, ist die Musik heute Abend!“ 14 Songs und 100 Minuten lang klang es nach Clapton, nach Stones, nach Druck und viel Feuer.

Gold findet man bekanntlich im Dreck. Und manchmal auf einer Scheibe, die noch gar nicht raus ist. Oder bei einem, von dem man glaubte, es gäbe ihn nicht mehr. Im Fall von Marius Müller-Westernhagen trifft beides zusammen. Eine echte Sternstunde der Rockheit. Obwohl es eigentlich 100 Minuten waren. Die all diejenigen erleben durften, die das Glück hatten, Sonntagabend eines der heiß begehrten Tickets für das einzige „Pre-Listening-Concert“ in NRW im E-Werk zu ergattern.

Zwölf Stücke und ein Bonustrack

Zur Erläuterung: Pre-Listening bedeutet, dass ein Album vor seiner Veröffentlichung komplett vorgestellt wird. Man darf also, akustisch, Mäuschen spielen und hat damit anderen Fans etwas voraus. Das ist so eine Art „Mayflower“-Effekt, man gehört zu den ersten, die unbekanntes Land erobern, und das in dem Wissen, dass man zu den Ersten gehört. In diesem Fall gipfelt das in einer Wiederauferstehung. Denn solche Schlachtgesänge hört man sonst nur in den Stadien: „Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön“ hymnisieren die Fans im E-Werk. Wieder und immer wieder.

Da steht dieser schlaksige Typ von 65 Jahren auf der Bühne – und ist besser denn je. Oder ganz so wie früher. Endlich singt Westernhagen wieder geil und laut, serviert dreckige, erdige, rotzige, schnelle Rockmusik. Ein paar schöne Balladen sind auch dabei. Wenn dieses Album – mit seinen zwölf Stücken und zwei Bonustracks – bei Veröffentlichung am 25. April nicht auf Platz 1 der Charts einsteigt, dann ist die Erde doch eine Scheibe.

Vom feinen Zwirn, vom dandyhaften Halstüchlein und vom steifen Herumstaksen hat sich der gebürtige Düsseldorfer endgültig verabschiedet. Stattdessen erscheint er mit Hemd, Nietengürtel und Jeans und geniert sich auch nicht, falls angebracht, mal kräftig mit dem Po zu wackeln. Auch auf Westernhagens „Neue“ Lindiwe Suttler (37) darf man an diesem Abend einen Blick werfen. Um festzustellen, dass die Grazile nicht nur schön aussieht, sondern auch schön singen kann.

Es schmeckt nach Bier und Schweiß

100 Minuten dauert diese Seligkeit, etwas wiedergefunden zu haben, was man längst verloren glaubte. Die Band lässt es richtig krachen, Westernhagen singt vom „Clown“ und vom „Engel“ und sagt solche Sätze wie: „Geld, Gier, Erfolg? Was wirklich wichtig ist, ist die Musik heute Abend.“ Und die schmeckt nicht nach Schampus und Schöngeisterei, sondern nach Bier und Schweiß. Nach Clapton, nach Stones, nach Druck und viel Feuer.

Das Intro „Hereinspaziert“ und „Alphatier“ gehen ab wie die Luzie, das programmatische „Liebe (um der Freiheit willen)“ ist ein mächtiges Plädoyer für Toleranz: und nach dem wunderbar eingängigen „Halt mich noch einmal“ geht’s schon wieder los mit den Gesängen im Saal.

Fünf Zugaben – „Willenlos“, „Taximann“, „Sexy“, „Mit 18“ und „Johnny W“ – sind eine fette Extradröhnung. Der Mann ist zurück auf der Straße. Wurde auch Zeit.

 
 

EURE FAVORITEN