Marilyn Manson schiebt auf "The Pale Emperor" den Blues

Marilyn Manson provoziert gerne. Sein neues Album ist stimmig und abwechslungsreich.
Marilyn Manson provoziert gerne. Sein neues Album ist stimmig und abwechslungsreich.
Foto: dpa
Marilyn Manson, Schreckgespenst des härteren Rocks, liefert auf dem neuen Album „The Pale Emperor“ die gewohnten Provokationen musikalisch souverän.

Essen.. Den Job als Schreckgespenst des härteren Rocks erledigt Marilyn Manson ja nun auch schon seit mehr als 20 Jahren, mal zu größerer, mal zu geringerer Zufriedenheit seines Publikums. Dank seiner beschränkten Interessensgebiete („Devil“, „Angels“, „Hell“, „Motherfucker“, „Death“, usw.) gab es öfter mal Anlass zu Langeweile, wenn er ein neues Album herausbrachte. Grundlegend hat er die Breite des Themenspektrums auch auf dem jetzt erscheinenden „The Pale Emperor“ kaum erweitert. Allerdings: Musikalisch ist dem Provokateur Manson hier ein so stimmiges wie auch abwechslungsreiches Album gelungen.

Es gehört zwar zu Mansons Kunst, sich als Opfer oder Objekt von großen Lebenskrisen zu stilisieren, doch hat er sich nach der Trennungsphase von Burlesque-Queen Dita Von Teese und kürzeren amourösen Zwischenspielen wieder so gefangen, dass er auch auf anderen Gebieten eine durchaus charmante Gruselfigur abgibt. Er absolvierte in der Fernsehserie „Californication“ mehrere lustig-peinliche Gastauftritte als er selbst, in „Sons Of Anarchy“ verließ er seine Musiker-Rolle sogar, um ohne weiße Schminke recht eindrucksvoll den rechtsextremen Häftling Ron Tully zu spielen.

Manson spricht aus Erfahrung

Eine Souveränität, die man auch aus „The Pale Emperor“ heraushören mag. So entdeckte Manson den Blues für sich und baut ihn mal mehr, mal weniger subtil in die neuen Songs ein. Es beginnt schon mit „Killing Strangers“, dessen progressiver Hardrock mit bluesigem Gestampfe unterlegt ist.

Am beeindruckendsten, bei all der Teufels- und Engelsbeschwörung, erscheint der Song „Third Day Of A Seven Day Binge“, in dem Manson beschreibt, wie er während einer Sauftour die Kontrolle über seine geistigen Fähigkeiten verliert. Wenn man dem trauen darf, was Manson über sich selbst verbreitet, spricht er aus Erfahrung. „The Pale Emperor“ beweist aber, dass er sein musikalisches Talent nicht komplett dem Alkohol geopfert hat.

Marilyn Manson: The Pale Emperor (Vertigo/Universal)

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