Majestät lässt die Hosen runter

Von CARSTEN DILLY
Plattenmillionär, Multiinstrumentalist, Musikpreis-Sammler... Vieles weiß man über Prince (53). Wir aber nehmen sein einziges Deutschlandkonzert zum Anlass, auch ein paar weniger bekannte Facetten des Popstars zu beleuchten.

Der frühe Vogel

Noch vor seinem 20. Geburtstag veröffentlichte Prince seine erste Langspielplatte. In Zeiten blutjunger Teenie-Idole keine Besonderheit. Aber: Die Plattenfirma stattete das Wunderkind mit allen Freiheiten aus. Prince betätigte sich auf seinem Debüt nicht nur in Personalunion als Autor, Interpret und Produzent – der Teenager spielte zudem sämtliche Instrumente selber ein. Der kleine Prince kam dabei aber selber kaum mit dem Zählen nach. Auf die Frage eines TV-Moderators, wie viele Instrumente er denn nun beherrsche, antwortete Prince erst mit einer quälend langen Denkpause, dann mit „A lot!“ (eine Menge).

Ladies first!

Obwohl Platten von Prince stets hohe Verkaufszahlen erzielen, konnte der Meister noch keinen Nummer-eins-Hit in Deutschland verbuchen: Weder die „Purple Rain“-Single noch „Kiss“ eroberten hierzulande die Chartspitze. Die Damenwelt ist mit Stücken aus der Feder des Pop-Knirpses (Größe: 1,57 m) erfolgreicher: Chaka Khan erreichte mit der Prince-Komposition „I Feel For You“ Platz vier der hiesigen Charts, die Bangles kletterten mit „Manic Monday“ auf Platz zwei und die irische Heulsuse Sinead O’Connor eroberte mit „Nothing Compares 2 U“ sogar den ersten Platz.

Prince & der Pop-König

Obwohl sie als die großen Pop-Rivalen der 80er Jahre galten, wäre es um ein Haar zu einer Zusammenarbeit zwischen Michael Jackson und Prince gekommen. Denn: Jacksons „Bad“ war ursprünglich als Duett der Platzhirsche geplant. Prince jedoch zeigte sich wenig begeistert von der Musik, und noch weniger begeistert von der Textzeile „Your butt is mine“. Prince empört: „Wessen Hintern soll hier wem gehören?“ Wenige Jahre zuvor waren sich Prince und der King of Pop tatsächlich auf der Live-Bühne begegnet, bei einem Konzert von James Brown. Der übermotivierte Prince fiel bei diesem Anlass jedoch erst unangenehm auf, später dann gar ins Publikum (wie ein Videomitschnitt dokumentiert).

Nur für Erwachsene!

Den „Parental Advisory“-Aufkleber, der heute vor allem Käufer von HipHop-Platten vor expliziten und obzönen Liedtexten warnt, geht maßgeblich auf das Konto des Pop-Idols. Hintergrund: Mitte der 80er Jahre nahm Tipper Gore, Frau des ehemaligen US-Vize-Präsidenten Al Gore, Anstoß an den Prince-Songs „Darling Nikki“ und „Sugar Walls“ (gesungen von Sheena Easton). Die von der besorgten Mutter als Reaktion gegründete Organisation „Parents Music Resource Centers“ verpflichtet die Musikindustrie seither, vor anstößigen Inhalten zu warnen – was teilweise kuriose Blüten treibt: 1986 musste auch das Album „Jazz From Hell“ von Frank Zappa mit einem Sticker versehen werden. Warum? Es enthält den Song „G-Spot Tornado“ – ein Instrumentalstück!

Der Prinz der Finsternis

Zwischen den Jahren 1987 und 1993 fand ein Prince-Album reißenden Absatz, das es im Grunde gar nicht gab. Mutmaßlich über 250 000 Fans erstanden Raubkopien vom „Black Album“, das als eine der meistverkauften Schwarzpressungen in die Musikgeschichte einging. Zur Chronologie: Nur eine Woche vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin zog der für seine Sprunghaftigkeit gefürchtete Musiker das Werk zurück. Prince selber erschien das Album (außen: schwarzes Cover, innen: tiefschwarzer Funk) zu düster. Bereits eine halbe Million Vinyl-Exemplare waren zu diesem Zeitpunkt gepresst und mussten eingestampft werden. Fortan erzielten Bootlegs des „Black Album“ Höchstpreise auf dem Schwarzmarkt. Erst 1994 erschien das Album mit reichlich Verspätung regulär – die Verkaufszahlen hielten sich in überschaubaren Grenzen.

Der Namenlose

TAFKAP, The Artist, Love Symbol... mit der Verlautbarung, seinen Geburtsnamen zukünftig durch ein krakeliges Zeichen zu ersetzen, verwirrte Prince 1993 Fans und Medien. Wobei weniger – wie vom Künstler angegeben – „spirituelle“, sondern wohl eher rechtliche Gründe hinter der Aktion standen. Die wahrscheinlichste Erklärung: Sein Vertrag mit Warner verpflichtete den Künstler, keinesfalls Platten unter seinem oder irgendeinem anderen Namen bei anderen Firmen zu veröffentlichen. Als sich die Warner-Chefs wenig begeistert vom neuem Song-Material ihres Top-Acts zeigten, veröffentlichte der Düpierte den Song „The Most Beautiful Girl In The World“ kurzerhand bei einem anderen Label – ohne eine Namensnennung. Nach Ablauf seines Knebelvertrages am 31.12.1999 wanderte das unaussprechliche Symbol „O(+>“ zurück in die Mottenkiste der Pop-Kuriosa.

Klein, aber Popo!

Princes Abneigung gegenüber dem Musikfernsehen manifestierte sich vor 20 Jahren auch in seiner irritierenden Kleiderauswahl: Bei der „MTV Music Awards“-Show des Jahres 1991 zog Prince teilweise blank. Nachdem der Künstler seine aktuelle Single „Gett Off“ live vorgestellt hatte, kehrte er den Kameras den Rücken und präsentierte sein nur spärlich (mit transparentem Stoff) verhülltes Hinterteil. Der mediale Aufschrei hielt sich jedoch in Grenzen (im Gegensatz zu Janet Jacksons „Nipplegate“ von 2004), einen Modetrend setzte die so genannte „Assless Pants“ ebenfalls nicht.

Prince & The NPG live
: 28.7., 20 Uhr, in Köln
Lanxess-Arena). Karten für ca. 91-97 € gibt’s an der Abendkasse.