Magnetische Anziehungskraft für die EC-Karte

Zahlen bitte! Die Rechnung kann sie noch bezahlen, eine Überweisung aber eventuell nicht mehr tätigen.
Zahlen bitte! Die Rechnung kann sie noch bezahlen, eine Überweisung aber eventuell nicht mehr tätigen.
Foto: imago
Warum die EC-Karte zwar am Geldautomaten funktioniert, am Service-Automaten aber unter Umständen scheitert. Es hat mit dem Magnetstreifen zu tun.

Essen.  Eigentlich soll das Plastikkärtchen im genormten Format 85,60 Millimeter mal 53,98 Millimeter das Leben erleichtern. Wer merkwürdige Arbeitszeiten hat, aber trotzdem dem Online-Banking misstraut, kann damit auch außerhalb der Geschäftszeiten seiner Bank Geldabheben, Überweisungen tätigen, Daueraufträge ändern oder seinen Kontostand erfahren. Das mit dem Geld abheben funktioniert eigentlich immer (sofern der Rahmen des Dispos nicht überzogen ist). Aber manchmal verweigern die Karten doch ihre Dienste und müssen ausgetauscht werden. Der Grund: Während fürs Geldabheben der Chip auf der Vorderseite zuständig ist, wird für Aufträge der Magnetstreifen auf der Rückseite eingelesen. Aber der reagiert nicht nur empfindlich auf Kratzer oder Hitze, sondern auch auf andere Magnete, die ihn außer Kraft setzen. Wir haben mehrere Experten befragt, darunter Joachim Fontaine, Direktor im Bereich Retail Banking (Filialen) und Banktechnologie des „Bundesverbands deutscher Banken“ (BdB), und Klaus Thoma, Pressesprecher der Deutschen Bank.

Herr Fontaine, seit wann gibt es eigentlich Scheckkarten?

Die Euroscheckkarte ist eine Erfindung der 1960er-Jahre. Vor rund 30 Jahren wurde das damals als Garantiekarte für den Euroscheck übliche Pappkärtchen durch ein Modell aus Plastik ersetzt. Die elektronische Karte gibt es somit erst seit den 1980ern, das so genannte „electronic cash-System“ für den Handel kam erst in den 1990ern auf. Die Tankstellen waren, was das angeht, Vorreiter. Seit fast zehn Jahren kann man damit auch bei bestimmten Supermärkten Geld abheben, bei Einkäufen ab 20 Euro, bis zu einem Betrag von 200 Euro. Den Chip auf der Plastikkarte gibt es seit 1996. Eingeführt wurde er, um Transaktionen auch offline zu ermöglichen und damit die Verbindungskosten zu senken. Seit 2008 erscheint auf allen Karten das gircocard-Logo – aber trotzdem ist der Begriff EC-Karte auch weiterhin im Sprachgebrauch.

Und der Magnetstreifen?

Der ist, im Vergleich zum Chip, wesentlich einfacher konzipiert. Drauf passen nur einige wenige Informationen, die Menge entspricht bis zu 100 Byte, also etwa 100 Zeichen. Der moderne Chip ist wie ein kleiner Computer, mit Betriebssystem und mit Programmen. Da passen Megabytes drauf. Verglichen damit ist ein Magnetstreifen wie ein Tonband. Er ist vergleichsweise einfach zu kopieren. Auch von Unberechtigten. Ab 2005 hat man deshalb, auch aus Sicherheitsgründen, beschlossen, ganz vom Magnetstreifen abzugehen. Flächendeckend für Europa. Für alle finanziellen Transaktionen sollte die Umstellung für ganz Deutschland bis 2010 erfolgen.

Und wieso ist der Magnetstreifen noch immer bei den SB-Automaten im Einsatz?

Jede Bank entscheidet selbst, welche Technik sie in ihren Serviceautomaten einsetzt. Der Magnetstreifen ist im Grunde ein historisches Thema. Der ist auf einem großen Teil der girocard-Karten noch drauf, könnte aber demnächst wegfallen, wenn sich nicht nur Europa, sondern auch global immer mehr Länder auf die neue Technik verständigen würden – etwa die USA. So lange der Magnetstreifen intakt ist, funktioniert es eben.

Aber manchmal nicht – woran liegt das?

Die ganze Welt ist voll mit Elektrosmog. Moderne Mobiltelefone, Kopfhörer, Fernseher, Lautsprecher, aber auch Warendiebstahlssysteme sind heutzutage mit viel stärkeren Magneten ausgestattet als früher. Auch Taschen oder Schutzhüllen mit Magnetverschlüssen, Motorradtank-Rucksäcke oder Magnet-Skiträger können die Scheckkarte entmagnetisieren. Man sollte also nie seine Karte auf den Fernseher oder in einem Portemonnaie aufbewahren, das einen Magnetverschluss hat.

Frage an Sie, Herr Thoma: Wieso stellt die Deutsche Bank nicht das System so um, dass alles über den Chip abgewickelt werden kann? Und schafft den so anfälligen Magnetstreifen komplett ab?

Klaus Thoma: In Ländern wie den USA kommt man nur mit Chip nicht weiter. Dort werden auch finanzielle Transaktionen immer noch über die Technologie mit Magnetstreifen abgewickelt. So lange es nicht weltweit einen einheitlichen Chip gibt, hat der Magnetstreifen also weiterhin seine Berechtigung. Aber es gibt gute Neuigkeiten: Seit Juli verwenden wir einen neuartigen Magnetstreifen. Der ist wesentlich robuster als der alte. Damit dürfte das Problem wesentlich weniger häufig auftauchen.

Das klingt widersprüchlich. Ist der Magnetstreifen jetzt nun bald Schnee von gestern – oder ein notwendiges Übel? Diese Frage geht an Alexander von Schmettow, Pressesprecher „Deutscher Sparkassen- und Giroverband“ (DSGV).

Alexander von Schmettow: Die Chipkarten-Technologie wird langfristig die Bankgeschäfte im Selbstbedienungsbereich ablösen, die heute noch über den Magnetstreifen abgewickelt werden. Der Magnetstreifen ist ein Auslaufmodell. Bereits heute werden im Deutschen Geldautomaten-System und im electronic-cash-System der Deutschen Kreditwirtschaft ausschließlich Chip-Transaktionen verarbeitet. Wann der Magnetstreifen tatsächlich ausgedient hat, hängt von der individuellen Umsetzung in den betroffenen Sparkassen und Banken ab.

Also nachfragen. Oder sicherheitshalber die Brieftasche mit dem Magnetverschluss einmotten. Fernseher oder Mikrowellen als Kartenablage sind tabu. Dann dürfte sobald nicht mehr am Service-Automaten die Fehlermeldung auftauchen: „Karte nicht identifizierbar“ oder „Karte für diesen Service nicht zugelassen“.

 
 

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