Männlich, weiß, alt sucht - das ist die Jury für den Oscar

David Huth
And the Oscar goes to...die Entscheidung trifft eine Gruppe alter, weißer Männer, die nicht zwingend Ahnung von Filmen haben müssen.
And the Oscar goes to...die Entscheidung trifft eine Gruppe alter, weißer Männer, die nicht zwingend Ahnung von Filmen haben müssen.
Zum 84. Mal wurden in der Nacht zu Montag die Oscars verliehen. Wer einen bekommt, entscheidet die Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Ein Gremium, das vor allem aus alten, weißen Männern besteht.

Los Angeles. Die "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" vergibt einen der wichtigsten Filmpreise der Welt. Wer in Hollywood einen Oscar gewinnt, der gehört zu den ganz großen Stars der Traumfabrik. Aber wer sind eigentlich die Menschen, die über die Filme, Schauspieler und Regisseure entscheiden, die einen Oscar bekommen oder leer ausgehen?

5.100 Mitglieder der Academy sind identifiziert

Diese Frage hat sich die L.A Times gestellt. Die Academy hat bislang hartnäckig verweigert, eine Liste ihrer Mitglieder zu veröffentlichen. Sie entscheiden aber Jahr für Jahr über die Filme, die einen Oscar bekommen.

Die Reporter der L.A. Times haben in einer sechsmonatigen Recherche versucht herauszufinden, wer eigentlich Mitglied der Academy ist. Von 5.765 Personen, die der Oscar-Jury angehören sollen, will das Magazin über 5.100 identifiziert haben.

Prominente Namen wie Madonna oder Meat Loaf sind demnach darunter, die nicht für ihr Filmwissen bekannt sind. Der Sänger Meat Loaf wurde für seine Rolle als korrupter Sheriff in „Crazy in Alabama“ für die Mitgliedschaft nominiert und von der Academy aufgenommen. Eine Mitgliedschaft ist exklusiv und besteht ein Leben lang.

Die Academy ist eine Altherren-Runde

Das erklärt auch, warum die als konservativ geltende Academy eine Altherren-Runde ist. Sie setzt sich mittlerweile hauptsächlich aus alten, weißen Männern zusammen. Die Mitglieder der Academy sind zu 94 Prozent weiß. Das durchschnittliche Alter liegt zur Zeit bei 62 Jahren und nur 14 Prozent sind unter 50. Davon sind 77 Prozent männlich.

Zudem sind viele anerkannte Filmemacher nicht vertreten oder weigern sich, der Academy beizutreten. Der „Star Wars“-Schöpfer George Lucas, der vier Mal für einen Oscar nominiert war, ist nicht dabei. Auch Woody Allen, der drei Oscars gewonnen hat und 23 Nominierungen bekam, ist kein Mitglied. Er sträubt sich schon seit Jahren, der Jury beizutreten. Zu einer Mitgliedschaft kann keiner gezwungen werden.

Wer aber zu dem Zirkel gehören will, der den Oscar vergibt, der muss von zwei Academy-Mitgliedern vorgeschlagen werden. Eine Oscar-Nominierung ist keine Garantie. So gehören der Academy unbekannte Darsteller an, die von ihren prominenten Eltern vorgeschlagen wurden.

Neben Leonardo DiCaprio und Co. wählt auch eine Nonne mit

Nicht weniger häufig finden sich Sternchen auf der Liste, die einmal als hoffnungsvolle Nachwuchstalente gehandelt wurden, aber wieder in der Versenkung verschwanden. Sie sind dem Bericht der L.A. Times zufolge heute Kellnerin oder gar Nonne. Wählen aber genauso die Oscar-Gewinner wie Meryl Streep, Steven Spielberg, oder Leonardo DiCaprio.

Die Academy gilt weithin als konservativ und wenig modern. Filme wie “The Artist“ (zehn Nominierungen) und „Hugo Cabret“ (elf Nominierungen), die die gute, alte Kinowelt in Szene setzen, galten nicht umsonst als Favoriten - und räumen die Oscars ab. Skandalöse Streifen - wie in diesem Jahr Michael Fassbenders „Shame“ - gehen regelmäßig leer aus.

Auch Afro-Amerikaner und Frauen sind Randgruppen in der Academy. Lediglich 23 weibliche und zwei Prozent schwarze Mitglieder hat die Academy. Bei der 83. Oscar-Verleihung war kein einziger schwarzer Künstler nominiert. Und Kathryn Bigelow ist bislang die einzige Frau, die einen Regie-Oscar bekam. Den erhielt sie für den Kriegsfilm “The Hurt Locker”.