Luxuslärm leben ihren Traum so laut sie können

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Iserlohn. Luxuslärm stellen am 29. Januar ihr neues Album „So laut ich kann” vor. Im Interview sprach Sängerin Jini Meyer über die EinsLive–Krone, die neue Platte und die Träume der Band aus dem sauerländischen Iserlohn.

Am 29. Januar kommt das neue Album „So laut ich kann” von Luxuslärm auf den Markt. Eine Woche später stellt die Band die Silberscheibe in der Vest-Arena Recklinghausen live den Fans vor. WR-Redakteur Andreas Winkelsträter sprach mit Sängerin Jini Meyer über die EinsLive–Krone, das neue Album und die Träume der Band aus Iserlohn.

Wie kamt ihr auf den genialen Namen „Luxuslärm”?

Jini Meyer: Er ist in der Tat sehr einprägsam. Das haben uns auch viele Fans gesagt. Gerade auf Festivals, wo so zehn Bands rocken, kann man sich „Luxuslärm” sehr gut merken, sticht der Name richtig heraus. Einfach „LL”. Der Name geht auf unseren Trommler zurück. Der ist von der Schule immer direkt zum Üben nach Hause zu seiner Oma. Und die fand diesen Krach furchtbar. Schlagzeug. Die wollte, dass er etwas Schönes spielt. „Machst Du jetzt wieder Krach?”, hat sie ihn gefragt. Und er sagte jedes Mal „Aber schönen Krach”. Schöner Krach die Verbindung zum Luxus. Und daraus entstand dann Luxuslärm. Das war so prägnant. Wir waren auch bei „Krach de Luxe“, doch das klingt dann eher nach Hip-Hop.

Hast Du überhaupt schon Zeit gehabt, die letzten Monate zu verarbeiten?

Jini Meyer: So richtig gerafft hab' ich das noch nicht. Ich hab gar nicht die Zeit gefunden, das alles zu genießen und zu feiern. Wir wollten immer mal ne Riesenparty machen, das feiern, was wir alles geschafft haben, ohne Plattenfirma, ohne Leute, die uns Geld zupumpen. Der Tag müsste dazu 48 Stunden haben. Denn man merkt, wenn man alles selbst macht, dass man auch wirklich alles selbst macht. Vom Management, was schon zigtausend Aufgaben beinhaltet, über die Plattenfirma, die wir auch selbst sind, bis hin zu Werbung, Promotion, Interviews. Ich will halt keinen anderen für uns reden lassen. So richtig sacken konnte das alles noch nicht. Zumal wir merken, dass nach der EinsLive-Krone der Medienrummel noch größer geworden ist. Das Leben geht ja auch ganz normal weiter. Wir haben hier noch unsere Musikschule in Letmathe. Und das hält einen auch ganz schön am Boden. Man sieht die Leute ständig, die man seit Jahren kennt, die Schüler, die dich auch über die letzten Jahre begleitet haben. Wir haben hier jetzt auch unser fünfjähriges Jubiläum.

Und so macht ihr das, was ihr in einem der neuen Songs singt: „Lebe Deinen Traum”.

Jini Meyer: Ja, total. Daraus ist auch die Idee für den Song entstanden. Denn das, was wir machen dürfen, ist so ein Glücksfall. Wie viele Jobs gehen verloren. Und wir dürfen unser Geld mit der Musik verdienen. Meine Eltern haben damals auch gesagt: „Oh, brotlose Kunst. Diese Studium in Enschede mit Gesang...” Und nun sind sie stolz, sehen, das sich das alles total gedreht hat. Da kannst Du dreißig Jahre bei Karstadt arbeiten, und verlierst trotzdem Deinen Job. Deswegen Lebe deinen Traum. Das kann alles so schnell vorbei sein. Und für uns ist das mit den vielen Standbeinen, Musikschule, Luxuslärm, damals noch Blue Cinnamon, viel sicherer geworden.

Und ihr habt immer an euch geglaubt?

Jini Meyer: Dafür ist auch zu viel passiert. Wäre da so ne Phase gekommen, wo man sich ein Jahr den Arsch abspielt und es kommt überhaupt keine Resonanz gibt, weder von den Fans noch von den CD-Verkäufen her, dann würde jede Band ein wenig resignieren. Wir haben beim ersten Auftritt von Luxuslärm, dem ersten Gig mit unseren eigenen Titeln direkt den Newcomerpreis gewonnen. Das gibt es doch gar nicht. Wir sind die besten Newcomerband in NRW. Das hat uns noch ungemein motiviert, obwohl wir auf Preise eigentlich nicht so viel geben. Dann kam das erste Album raus. Und die 1000 ersten Alben waren in der ersten Woche schon weg. Das konnten wir nicht glauben. Und du machst weiter, wenn du den Erfolg hast. Sicher sind wird durch die eine oder andere Kritik verunsichert worden. Wenn es hieß: Juli oder Silbermond gibt es schon. Jetzt schon wieder so ne Band. Das macht einen schon traurig, spornte aber nach der Trauer auch wieder an.

Auf euerer Homepage habt ihr eine Rubrik „Meilensteine”. Was waren deine persönlichen Meilensteine?

Jini Meyer: Mein größer Wunsch war es immer, bei der EinsLive-Krone nominiert zu werden. Da hab ich immer gesagt: Wenn wir da nominiert sind, dann brauchen wir mit der Musik nicht mehr weiter zu machen. Dann haben wir alles erreicht (lacht). Das war ein Traum. Überhaupt die Möglichkeit zu haben, so viele Gigs zu spielen. Manche Band wäre froh, in einem Monat zwei, drei Auftritte zu haben. Wir hatten gleich 15 im ersten Monat. Es war richtig viel los. Und mein großer Meilenstein, das sind die Fans. Für mich ist die Unterstützung durch die Fans wichtiger als die Veröffentlichung einer CD. Es hat ja auch was gebracht. Denn die haben ja für uns die EinsLive–Krone ervotet. Wir haben eine ganz treue Fanbase. Ohne die würde es nicht funktionieren. wir könnten nichts das machen, wofür wir die ganzen Jahre gearbeitet haben.

Seit Monaten seid ihr quer durch die Republik unterwegs. Wie haltet ihr das aus? Stimmlich, körperlich?

Jini Meyer: Das ist richtig anstrengend. Das habe ich unterschätzt. Damals habe ich gesagt: Was? Gesundes Essen? Wir fahren nach dem Gig zu MacDonalds und hauen uns den Burger rein. Da achten wir jetzt drauf. Es gibt sowieso die Regel: Vor und während des Konzertes kein Alkohol. Gerne danach. Andere Bands feiern das alles ganz groß, einfach dieser Rock'n'Roll–Stil. Wir sind da eher spießig. Anders würden wir das auch nicht durchhalten. Von der Stimme her muss ich die jedes Mal aufwärmen, sie nachts wieder abwärmen. Denn so zwei Rockkonzerte hintereinander, manchmal vier, das schlaucht schon ganz schön. Die Jungs haben ne bestimmte Fingertechnik, so dass es ihnen nicht mehr wehtut. Unser Trommler hatte mal Probleme mit den Handgelenken. Schmerzen. Das ist jetzt alles super. Stimmlich bin ich jetzt weniger krank, da ich wirklich bewusster auf mich achte. Jeder von uns hat eine große Verantwortung den anderen gegenüber. Ich verbiete sogar unserem Gitarristen, Fußball zu spielen. Denn wenn einer ausfällt, fällt die ganze Show aus. Das ist schon ne krasse Belastung.

Hat der Stress auch Auswirkungen auf das Innenleben von Luxuslärm? Möchte man da nicht mal dem anderen den Schädel einschlagen?

Jini Meyer: Das ist zum Glück nicht der Fall. Es gab und gibt sicher immer wieder Diskussionen. Aber ich hab das Glück, dass ich vier sehr kommunikative Jungs habe. Wir können uns da zusammensetzen, fragen, wo liegt das Problem? So entsteht kein Hass wie bei anderen Bands, man sich nicht mehr riechen kann. Und das, obwohl wir jetzt schon sechs Jahre zusammenspielen. Viel, viel reden ist das Rezept. Das klingt zwar kitschig. Aber die Kommunikation in der Band darf einfach nicht abreißen. Man spielt halt zusammen, hängt im Bus, im Hotel aufeinander. Wenn man sich nur anschweigt, dann kann das nicht funktionieren. Dass jeder seine Ruhe braucht, das ist ok. So war ich froh, dass ich Weihnachten meine Familie gesehen habe. Die ist in 2009 viel zu kurz gekommen. wie auch bei den anderen. Es ist aber schon komisch, die Woche ohne die Jungs zu verbringen. Man hat sich doch sehr daran gewöhnt.

In ein paar Tagen kommt das neue Album raus. Vorfreude? Bist du nervös?

Jini Meyer: Ich bin zurzeit total stolz. Ich glaub’ so sehr an dieses Album, weil ich weiß, dass wir uns textlich und musikalisch viel, viel weiter entwickelt haben. Beim ersten Album waren wir noch so vorsichtig. Ich weiß, ich hab's auch ganz vorsichtig eingesungen. Auch etwas poppiger, Und live kam das dann bei den etwa 200 Gigs wesentlich rockiger rüber. Das Zusammenspiel ist viel intensiver geworden, auch die Texte. Ich hab meinen Freunden ein paar Stücke vorgespielt. Die waren auch begeistert, haben sagt, dass sie eine solche Entwicklung nicht erwartet hätten. Die meisten haben gefragt: Na, können die an den Erfolg des ersten Albums anknüpfen? Ich bin froh sagen zu können: Ja, das können wir. Und wir können noch einen drauf legen. Und wir freuen uns riesig drauf. Die Fans warten ungeduldig. Die würden die Veröffentlichung gerne eine Woche nach vorne verlegen.

Wie sind die Songs dieses Albums entstanden?

Jini Meyer: Wir fangen immer an mit der Melodie. Die Musik ist immer zuerst da. Beim ersten Album war das noch zum Teil anders. Im Studio haben nun Henrik und unserer Pro-duzent erst mal was eingespielt, ist mit den Ideen zu uns gekommen und hat gefragt: Guckt mal, könnt ihr da was mit anfangen? Darauf hin hab ich mir die kleine Demoversion, noch nichts fertiges. Dann hab ich mir meine Texte rausgeholt und mich gefragt: Wo könnte ich mir am besten das Gefühl vorstellen, dass ich jetzt bei diesem Song habe? Bei dem einen hab ich sofort an die zerbrochene Liebe gedacht. Und dann hatte ich da noch eigene Erfahrungen zu. Und wie ein Puzzleteil entsteht dann der Song, die Melodien. Es muss für mich immer authentisch und echt sein, das in meiner Sprache. Und deshalb schreibe ich immer ein paar Ideen aufs Papier. Im vergangenen Jahr ist eine gute Bekannte gestorben. Das haben wir in einem Song verarbeitet, nicht als Selbstbeweihräucherung: Oh, mir geht's so schlecht. Aber ich glaube, dass es sehr vielen so geht. Und die Fans haben dann auch gesagt: Genau so fühle ich mich auch. Wir machen alles selbst, Text und Musik, arbeiten seit 2006 mit Götz von Sydow zusammen. Der hat ein Studio in Köln und da konnten wir die Songs allesamt aufnehmen. Ganz professionell. Beim ersten Album waren wir noch total verkrampft. Jetzt haben wir da ne riesige Portion Selbstbewusstsein reinge-bracht. Das spürt man und hört man auch.

Ist es für Dich wichtig, Texte auf Deutsch zu schreiben und zu singen?

Jini Meyer: Total. Obwohl wir damals viele Sachen auf Englisch gecovert haben von Melissa Etheridge, Pink, Robbie Williams. Trotzdem stand für uns sofort fest, dass es auf deutsch die natürlichste, authentische Weise ist, was zu sagen. Warum soll ich mir das was auf Englisch abbrechen, wenn ich das ganz, ganz easy und locker auf Deutsch, in unserer Muttersprache, machen kann?

Ihr nehmt ja auch eigene Erfahrungen in den Songs auf. Auch sozialkritische.

Jini Meyer: „Du weißt nicht, wie das ist”. Es wird nie Sinn eines Luxuslärm-Konzertes sein, den Menschen mit erhobenem Zeigefinger die Welt zu erklären und demjenigen sagen, wie er sein Leben leben soll. Aber genau das war eine Geschichte, die uns ein Fan erzählt hat. Er hat jahrelang bei Karstadt gearbeitet, wurde dann entlassen nach 18 Jahren. Du hast zwei Kiddies zu Hause und trotzdem kaufst Du dir für 20 Euro ein Ticket für unser Konzert, hab ich ihm gesagt und ihn gefragt: Wie machst Du das? „Genau das ist es aber“, hat er mir gesagt. „Das holt mich aus meinem Teufelskreis raus.“ Und er weiß bis heute nicht, dass das sein Song ist, dass er über ihn ist. Die anderen wissen das nicht. Aber er wird es wissen, wenn er das Album hört. Dann wir er sich sicher sehr angesprochen fühlen. Unsere Fans erzählen uns auch wirklich viel. Und das geht nicht spurlos an uns vorbei. Das ist seine Geschichte, die aber für viele spricht.

Jetzt habt ihr ja überraschenderweise zwei Gastmusiker dabei. Wie kommen Laith Al-Deen und die Geigerin von Rosenstolz, ..., auf das Album?

Jini Meyer: Wir durften ja letztes Jahr drei Konzerte mit Laith Al-Deen als Vorband spielen. Was für uns total gut war. Sowohl das Publikum als auch sein Team waren total angetan von uns. Und das obwohl wir nur sechs Songs gespielt haben, ne halbe Stunde. Trotzdem konnten wir die überzeugen. Als wir den Song geschrieben haben, haben wir sofort an Laith gedacht. Und dann hab ich Götz gefragt: Meinst Du, der würde das machen? Und er hat ihn einfach angerufen. Laith sagte sofort: Klar, ich komme ins Studio und singe das ein. Das ist so toll. Ich liebe einfach seine Stimme. Ich mag das sehr. Anne de Wolf. Mit der hat Götz schon einige Projekte gemacht, das ist ja die Geigerin von Rosenstolz. Die hat bei drei Stücken mitgewirkt „Etwas bleibt”, „Regen” und bei „Vergessen zu vergessen”. Das schreit förmlich danach. Das ist perfekt, dass sie das gemacht hat. Und sie hatte auch Spaß daran. Vielleicht können wir die beiden mal überreden, auch bei einer Liveshow dabei zu sein. Wer weiß. Das wäre so mein Traum.

Und ein Song gehört ja zum Soundtrack von „Großstadtkrokodile 2”, „Un-sterblich”.

Jini Meyer: Jaaaa. Voll geil. Das war vor einem Jahr, da hat unsere Jana Crämer, die sitzt mit im Management, gesagt: ich schreib jetzt alle Leute an, die Filme drehen, Gute Zeiten, schlechte Zeiten, die müssen auf Luxuslärm aufmerksam werden. Ich glaub, das bringt nichts, hab ich ihr gesagt. Und die hatten wirklich noch unsere E-Mail in ihrem Kasten. Das war noch bei Großstadtkrokodile 1. Jetzt haben sich die E-Mail heraus-gepickt. Da war doch diese Band mit dem unglaublich geilen Titel. Und das hat ein-fach super gepasst. Das ist so eine tolle Szene und dieses Lied unterstützt das un-glaublich schön. So ein Lob bekommst du nicht alle Tage. Wir versuchen, mit dem jungen Filmteam noch weiter in Kontakt zu belieben. Vielleicht ergibt sich da noch was Größeres raus. Das wäre natürlich tierisch.

Wie sieht denn die nahe Zukunft aus? Welche Ziele habt ihr?

Jini Meyer: Ein ganz großes Ziel von uns allen, das klingt zwar ganz banal, gesund zu bleiben. Denn ich habe Angst davor, dass sich einer verletzten könnte, dass man eine ganze Tour absagen müsste. Dass uns der Spaß trotz des ganzen Bürokrams nicht verloren geht. Da wir alle mit Leib und Seele Musiker sind, wird uns das nicht passieren. Aber das kann passieren. Und das hoffe ich bei uns nicht. Und des weiteren, dass wir Deutschland rocken können. Alle Festivals spielen, die wir spielen können. Im Oktober gibt es noch eine Tour von uns. Wir möchten auch mal eine Unplugged-Tour machen, vielleicht zu Weihnachten. Dann ist das ganz schön. 2009 war tierisch für uns. Ich weiß gar nicht, ob wir das 2010 toppen können. Viele in Deutschland kennen uns noch gar nicht. Und das möchten wir ändern.

Bei der Livepräsentation werdet ihr auch die alten Stücke spielen?

Jini Meyer: Das wird deshalb auch ein ziemlich langes Programm werden. Damals war das so eineinviertel Stunde. Jetzt werden wir etwa zwei Stunden spielen. Ein volles Programm. Jetzt haben wir für einen Lichtmann gespart. Das konnten wir bei der letzten Tour noch nicht. Wir werden ein paar Besonderheiten einbauen. Doch das möchte ich noch nicht verraten. Gerade auch in Recklinghausen.

 
 

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