Lustiges Liebesleid bei den Ruhrfestspielen

Ladys in Weiß: Franziska Junge, Corinna Kirchhoff, Josefin Platt, Verena Bukal und Carina Zichner.
Ladys in Weiß: Franziska Junge, Corinna Kirchhoff, Josefin Platt, Verena Bukal und Carina Zichner.
Foto: Birgit Hupfeld
Joel Pommerats amouröser Reigen „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ feierte bei den Ruhrfestspielen deutsche Erstaufführung. Frankfurts Schauspiel-Intendant Oliver Reese führte Regie.

Recklinghausen.. „Warum wollen Sie sich scheiden lassen“, fragt eine Stimme aus dem Off die im Rampenlicht der Bühne stehende Frau. Die ist seit 20 Jahren verheiratet, muss aber nun resigniert feststellen, dass es „nie eine Liebe gegeben hat zwischen uns“. Später an diesem langen Theaterabend wird eine andere Frau mitten in der Nacht ihren Mann verlassen, weil sie festgestellt hat, dass Liebe allein doch nicht reicht. Es ist schon ein Kreuz mit diesem diffusen Gefühl, das man so leidenschaftlich erstrebt, von dem am Ende aber oft nur Leid übrig bleibt. Der Franzose Joel Pommerat hat über dieses Dilemma ein Stück mit dem ironischen Titel „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ verfasst, das aus 20 theatralischen Miniaturen besteht. Die Premiere der deutschen Erstaufführung stellte der Frankfurter Schauspiel-Intendant Oliver Reese am Wochenende bei den Ruhrfestspielen vor.

Es ist ein Potpourri der komplizierten Paarbeziehungen, das hier aufgefächert wird, deutlich inspiriert von Schnitzlers „Reigen“, sicher auch von Ingmar Bergmans schmerzenden „Szenen einer Ehe“. Dabei fällt auf, wie oft hier Liebe wie selbstverständlich eingefordert wird, als sei sie kein fragiles Gefühl, sondern unzerstörbarer Schwur – mal vom Jugendfreund, der seine Sandkastenliebe mühelos aus ihrer aktuellen Beziehung entführt, mal von der Schwester der Braut, die den Bräutigam eines Kusses wegen penetrant für sich reklamiert. Auch zur Erpressung taugt die Liebe allemal – sei es die sexuell missbrauchte Sekretärin, die nun endlich ihren geliebten Chef in der Hand hat, sei es die Prostituierte, die „ihren“ Pfarrer auf perfide Art an sich zu binden weiß.

Entertainment mit Chansons

Die neun Akteure (darunter Namen wie Corinna Kirchhoff, Thomas Huber, Marc Oliver Schulze) schlagen sich wacker durch das Dickicht der Dramen. So etwas wie eine poetische Verklärung alltäglicher Situationen spürt man nur gelegentlich. Zu beflissen ist Pommerat damit beschäftigt, dem Publikum lockeres Entertainment zu bieten, wobei er vor groben Klötzen nicht zurückschreckt. Bei der deutschsprachigen Erstaufführung in Linz währte der Abend zwei Stunden ohne Pause, Oliver Reese braucht mit Pause fast dreieinhalb. Das ist teilweise den zahlreichen Chansons geschuldet. Mehr aber wohl noch dem Ehrgeiz des Regisseurs, der keine Episode streichen mochte, obwohl es dem Abend gut getan hätte. Für diverse Bravos und langes Klatschen hat es dann aber doch noch gereicht.

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