Lüdia für „Berg Fidel“ beim 22. Kinofest Lünen

Das Kinofest-Team bei der Abschlussgala.
Das Kinofest-Team bei der Abschlussgala.
Foto: WR
Hella Wenders erhält für ihren Film den Hauptpreis des Festivals. Bei der Preisverleihung gab es auch Überraschungen - und einige besonders durchgeknallte Gewinner.

Lünen.. So knapp war der Wettbewerb um den großen Publikumspreis „Lüdia“ lange nicht mehr gewesen. „Vier Filme haben sich lange um die Lüdia geprügelt. Am Ende lag ein Film mit 0,029 Prozent vorne“, sagte Peter Dirmeier, der die Abschlussgala und Preisverleihung zusammen mit Antje Knapp moderierte.

Die von Andrzej Irzykowski geschaffene „Lüdia“ aus Bronze und 10 000 Euro Preisgeld nahm Regisseurin Hella Wenders für ihren Dokumentarfilm „Berg Fidel“ am Sonntagabend in Empfang. Sichtlich gerührt widmete sie den Preis der Grundschule „Berg Fidel“, den Schülern und der gesamten Politik, die hinter der Schule steht. Die Nichte von Regisseur Wim Wenders, der 2008 schon das Kinofest besuchte, hatte sich im Vorfeld „einfach nur gefreut und dem Kinofest gedankt, dass der Film in Lünen als Weltpremiere laufen durfte“.

Über gleich zwei Preise konnte sich das Team von „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ freuen. Der Kinder- und Jugendfilmpreis des Publikums „Rakete“ mit 3000 Euro und die 2500 Euro der 10+ Kinderjury gingen an „den perfekten Kinderfilm“, so das Urteil der Nachwuchsjury. Da fast das gesamte Filmteam zeitgleich bei der großen Premiere in München war, nahm der „gute Engel“ aus dem Film, Charly Hübner die Preise persönlich entgegen.

Auch der Film „Kriegerin“ von David Wnendt konnte zwei Preise abräumen. Die 16+ Kinderjury fand ein einstimmiges Urteil. „Wir waren total platt, beeindruckt und mitgerissen bis auf’s Äußerste“, so Jurymitglied Anh-Thu Nguyen über das Sozialdrama um die rechtsradikale Marissa. Auch die Brisanz des aktuellen und politischen Themas habe bei der Entscheidung eine Rolle gespielt. „Gerade von einem Jugendpublikum ist diese Jurybegründung ein Riesen-Kompliment“, sagte Johannes Repka (Filmmusik Kriegerin).

Der Film bekam außerdem die erstmals vergebene Auszeichnung „Die Perle“ vom Netzwerk Frau – er ging an Jenny Roesler als beste Szenenbildnerin.

Über gleich zwei Preis durfte sich das „Dicke Mädchen“-Team freuen. Einer davon war der Berndt-Media-Preis für den besten Filmtitel. Das gesamte Team – inklusive Trailer-Gesicht und Darstellerin Ruth Bickelhaupt – jubelte ausgelassen. „Vielen Dank, wir haben ihn uns sehr gewünscht, wir dachten nämlich, so schlecht ist er nicht“, lachte Regisseur Axel Ranisch, der auch gleich erklärte, woher der Name kam: Der Sohn von Produzent und Darsteller Heiko Pinkowski hatte ihn – „so aus dem Trockenen heraus“ — einfach in den Raum geworfen. Mit Marketing-Leistungen im Wert von 5000 Euro ist der Preis dotiert. Gut für das Team, denn noch haben sie für den Film keinen Verleih.

Eine noch größere Überraschung: Auch der Drehbuchpreis, dotiert mit 2500 Euro – ging an Dicke Mädchen – was den Wahnsinn der Truppe fast noch steigerte. „Das könnt ihr doch nicht machen! Danke und Entschuldigung“, so Ranisch. Und weiter: „Ich hab’ drei Jahre Drehbucharbeit unterbrochen, um mal keins zu schreiben.“ Tatsächlich hat das „Buch“ für Dicke Mädchen ganze sechs Seiten, es wurde viel improvisiert. Das Budget des Films betrug übrigens 517,32 Euro.

Für ihren Auftritt verleihen wir dem Team außerdem die spontan erdachte, inoffizielle Ehren-Lüdia unserer Redaktion für den durchgeknalltesten und ausgelassensten Preisverleihungs-Auftritt - leider ohne Preisgeld.

Den Preis für die beste Filmmusik bekam Stefan Schulzki für „Unter Nachbarn“. Entgegen genommen wurde sie nebst Scheck über 2500 Euro von Regisseur Stephan Rick, der sich sicher war: „Der wird ausrasten vor Freude“. Gefreut hat er sich, ausgerastet ist er zum Glück nicht, denn er hatte sich bereits per E-Mail bei der Jury und dem Kinofest-Team bedankt. Für Schulzki ist somit ein Platz frei in der Jury für diesen Preis im kommenden Jahr.

Der Erste-Hilfe-Preis für den besten kurzen Kurzfilm ging an „Shopping Tour“ von Vera Zimmermann und Alexander Meier. Das Preisgeld: 1600 Euro. Die Auszeichnung Erster Gang für lange Kurzfilme erhielt „Long Distance Call“ von Grzegorz Muskala, welcher sich über einen Scheck über 2000 Euro freuen kann. Entgegen nahm ihn Produzent Sol Bondi, der sich an eine Begebenheit vor drei Jahren erinnerte: Damals saß er mit Regisseur Muskala nämlich beim Kinofest im Saal – und beide waren sich sicher: Sie selbst würden wohl nie diese Auszeichnung erhalten.

Den Ruhrpott nebst 1500 Euro für den besten Film eines Regisseurs, der im Revier geboren wurde oder aufgewachsen ist, erhielt „Ein Tick anders“ von Andi Rogenhagen.

Lünen ist die Härte

 
 

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