London schmückt jetzt Münster – mit Malerei

Die Ausstellung "Das nackte Leben" in Münster zeigt Malerei in London von Bacon, Freud, Hockney.
Die Ausstellung "Das nackte Leben" in Münster zeigt Malerei in London von Bacon, Freud, Hockney.
Foto: National Gallery of Australia
Das neue Museum für Kunst und Kultur feiert britische Malerei der Jahre zwischen 1950 und 1980: "Das nackte Leben" mit David Hockney, Francis Bacon, Lucian Freud & Co. In London malte man figurativ, während auf dem Kontinent und in Amerika die Abstraktion ihren Siegeszug feierte.

Münster.. Es hätte nicht viel gefehlt und das bislang teuerste Bild der Welt, das vor einem Jahr für 142,4 Millionen Dollar versteigerte Lucian-Freud-Triptychon von Francis Bacon, wäre auch nach Münster gekommen. Gepasst hätte es gut in die fulminante Ausstellung "Das nackte Leben", die erste Sonderschau im strahlend ausgebauten Museum für Kunst und Kultur.

Sie zeigt Malerei aus dem London der Zeit zwischen 1950 und 1980. Und es sind immer noch so viele kostbare Bilder von Bacon, Freud und David Hockney darunter, dass die Versicherungssummen die Kosten dieser spektakulären Ausstellung auf 2,2 Millionen Euro hochjagten.

Es sind grandiose Bilder wie Bacons weit vorausgreifende Studie für ein Papst-Porträt von 1957, die den unfehlbaren Kirchenfürsten als verletzlichen Menschen, als Schmerzensmann unter den vielen Schmerzensmännern Bacons zeigt.

Oder die Nackten eines Lucian Freud, heillos realistische Fleischlandschaften, die sich aus Freuds fast konventionellen Anfängen herauszuschälen scheinen. Oder der eminent politische Richard Hamilton, der heute allzuleicht der Pop-Art zugerechnet wird – mit seinen fantasie- und ironieprallen Collagen- und Mischtechniken erreichte er sehr eigene Standpunkte, technisch virtuose, messerscharfe Kommentare zur Zeit.

Drang zur Realität

Vor allem aber wird mit den insgesamt rund 120 Arbeiten von 16 Malern, von denen viele zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sind, Neuland der Kunstgeschichte betreten. Die 50er-Jahre ff. gelten nicht zuletzt wegen der politischen Konfrontation mit dem Ostblock und seinem Sozialistischen Realismus als Hochzeit der abstrakten Malerei, die in dieser Zeit tatsächlich die Galerien immer mehr dominierte.

Doch zumindest im Inselreich beharrten die Künstler auf der figurativen Malerei. Tanja Pirsig-Marshall und Catherine Lampert, die beiden Kuratorinnen der Schau, wollen nicht gleich von einer „Londoner Schule“ sprechen; aber viele der in Münster gezeigten Künstler waren miteinander befreundet, tauschten sich aus, malten auch einander wie Bacon und Freud.

Stilistisch lagen sie immer noch weit auseinander, irgendwo zwischen brachialem Impressionismus und Pop. Gemeinsam aber war ihnen der Drang, die Realität so direkt wie möglich auf die Leinwand zu bringen.

Unverdrossener Viel-zu-spät-Expressionismus

Und weil der Markt lange Zeit nur die Abstrakten kannte, sind in Münster auch Entdeckungen zu machen. Wer außer den Fachleuten kennt schon den gespenstisch guten Frank Auerbach, dem wohl Edgar Allen Poe die Bildideen einflüsterte, dessen Porträts denen von Bacon in nichts nachstehen und dessen Malerei eine enorme Bandbreite bis an die Ränder der Abstraktion ausmisst.

Auerbachs Freund Leon Kossoff wiederum beeindruckt als unverdrossener Viel-zu-spät-Expressionist. Und ein Euan Uglow malt Licht und Schatten auf der Haut wie kaum ein Zweiter, darüber und darauf aber auch, wie eine Erinnerung an den Illusionsgehalt seiner Bilder, die Fixpunkte seiner malerischen Konstruktion. Nicht von ungefähr landete sein Frauenakt namens "Diagonale" auf dem Ausstellungsplakat.

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