Literaturzeitschrift "Richtungsding" gibt jungen Autoren ein Forum

Jan-Paul Laarmann ist der Herausgeber der Revier-Literaturzeitschrift "Richtungsding".
Jan-Paul Laarmann ist der Herausgeber der Revier-Literaturzeitschrift "Richtungsding".
Foto: WAZ FotoPool
Ein Wortjux hat einer Literaturzeitschrift aus dem Ruhrgebiet ihren Namen gegeben. Inzwischen gibt es „Richtungsding“ in sechster Ausgabe. Besonders gibt sie jungen Autoren ein Forum. Nächste Ausfahrt: Literatur.

Essen.. „Es gibt so viel Potenzial hier in der Region“, sagt Jan-Paul Laarmann, „man muss das nur zusammenführen“. So klingt das also, wenn ein gewisses „Lokalpatriotismus-Gen“ voll durchschlägt. Und so sieht das aus: wie ein schlichtes weißes Schulheft mit einem schwarzen Pfeil darauf. „Richtungsding“ heißt Laarmanns Literaturzeitschrift. Hier führt der bekennende Ruhrgebietler Texte und Gedichte angehender Autoren zusammen, ein Wegweiser im Dickicht der Großstadt: Nächste Ausfahrt Literatur!

Vom Kindsein und Erwachsenwerden

Soeben erschien das sechste Heft. Die meist jungen Autoren stammen nicht nur aus der Region, sie erzählen vom Kindsein und Erwachsenwerden, von ungebetenen Krankheitsfällen und provozierten Unfällen, von Rollenspielen auf der Bühne und in der U-Bahn. Sie experimentieren mit Erzählformen und Perspektiven, verlassen aber nie ein solides Niveau der Verständlichkeit. Und, ja, manchmal geht es auch ums Ruhrgebiet, das schon mal als „Kulturgebiet“ durchdekliniert wird: „Wie oft bin ich am Ufer der Kultur entlangspaziert.“

Im Kulturhauptstadtjahr 2010 gründete Jan-Paul Laarmann das „Richtungsding“, gemeinsam mit dem Autor Harald Gerhäußer. Beide nahmen teil am Projekt „2-3 Straßen“, lebten in einem Mülheimer Hochhaus – und hatten Zeit, über ein eigenes Literaturprojekt nachzudenken. Jan-Paul Laarmann, der in Essen Germanistik und Sozialwissenschaften studierte, hatte da bereits einige Jahre Literaturzirkel-Erfahrung gesammelt.

Nach einer Exkursion zum Klagenfurter Bachmann-Preis hatten er und andere Germanisten „aus Quatsch“ einen eigenen Wettbewerb gestartet: „Bei einem Glas Wein haben wir Texte vorgelesen und sie herrlich kritisiert und am Ende einen Preis vergeben; das Ganze nannten wir Dichtungsring.“ Als im Jahr 2010 die Texte fürs erste Heft beisammen waren und das kleine Redaktionsteam über einen Namen nachdachte – „da war es einfach so, dass sich jemand versprach und aus Versehen ‘Richtungsding’ sagte. Das war’s dann.“

Veranstaltungsteppich wird ausgerollt

Inzwischen ist Harald Gerhäußer ausgestiegen, um sich mehr dem eigenen Schreiben zu widmen; Laarmann, der nun hauptberuflich für „Tourismus NRW“ arbeitet, hat ein Redaktionsteam um sich versammelt. Gemeinsam wollen sie, in Kooperation mit dem Mülheimer Ringlokschuppen, für 2014 erstmals einen kleinen Veranstaltungsteppich ausrollen – gerne mit Förderung durch das Land NRW, zur Not auch ohne.

Fünf Workshops für junge Autoren sind geplant. Beim Sommercamp sollen die Zuschauer per GPS-Koordinaten zu Lese-Orten entlang der Ruhr geführt werden; ein Literatur-Barcamp als „anarchisches“ Konferenz-Format soll neue Wege der Literatur diskutieren. Und der „Lyvid“-Preis soll junge Filmemacher ehren, die Gegenwartslyrik in Kurzfilme umsetzen. Schon jetzt, so Laarmann, kämen zu den Heftpremierenfeiern (mit Musik und Wettbewerb) auch immer wieder Menschen, denen Bücher eher fremd sind. „Eine nahbare Literatur“, das ist das Ziel – mit allen modernen Mitteln.

„Etwas Gedrucktes in der Hand...“

Der neue, frische Kurs des „Richtungsdings“ aber behält dennoch den Ausgangspunkt im Blick: das Heft. „Es ist ja immer noch so“, sagt der 32-Jährige: „Ein Autor fühlt sich erst dann als Autor, wenn er etwas Gedrucktes in den Händen hält.“ Die nächste Ausgabe der Zeitschrift wird erstmals unter einem Motto stehen, vielmehr, einer Richtungsangabe: „Norden“. Ein Wettbewerb, bei dem die Zeche Carl mit im Boot ist – und von hier, vom Essener Norden aus, können die Autorinnen und Autoren munter losmarschieren auf Bandwurmsatzpfaden oder durch Ich-Perspektiven-Schluchten. Können jedenfalls ganz ihr Ding machen, solange nur: die Richtung stimmt.

Die Ausschreibung zum Literaturwettbewerb gibt es im Internet unter www.richtungsding.de.
Einsendeschluss ist der 30. März 2014. Unter der gleichen Internetadresse kann auch das aktuelle Heft für sechs Euro bestellt werden.

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