Literaturpreis Ruhr würdigt Dokumentarist aus Gelsenkirchen

Britta Heidemann
Auf der Internetplattform reviercast.de sammelt Karl-Heinz Gajewsky Dokumente zur Revierliteratur. Für diese Arbeit wird er nun mit dem vom Regionalverband Ruhr gestifteten Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet.
Auf der Internetplattform reviercast.de sammelt Karl-Heinz Gajewsky Dokumente zur Revierliteratur. Für diese Arbeit wird er nun mit dem vom Regionalverband Ruhr gestifteten Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet.
Foto: Matthias Graben / WAZ FotoPool
Hohe Ehrung für den Gelsenkirchener Karl-Heinz Gajewsky: Er erschafft ein akustisches Denkmal der Revierliteratur und hat mit seinem Projekt reviercast.de nun den Literaturpreis Ruhr zugesprochen bekommen. Am 15. November wird der Preis in Mülheim verliehen.

Essen. Wie klingt das Ruhrgebiet? Wer vor seinem inneren Ohr nichts anderes als Fußballgesänge vernimmt, Taubengurren, Verkehrslärm – der sollte dringend einmal auf Karl-Heinz Gajewsky hören.

Der Gelsenkirchener Sozialarbeiter a.D. nämlich sammelt seit 2007 in einem einzigartigen Schallarchiv Tondokumente des literarischen Ruhrgebiets: begleitet Lesungen und Diskussionen, digitalisiert historische Aufnahmen – und erschafft so auf seiner Internetseite www.reviercast.de ein einzigartiges Denkmal der jüngeren Literaturgeschichte des Ruhrgebiets. 400 Audio- und Video-Dateien sind dort bereits versammelt. Für sein Engagement erhält der 61-Jährige den mit 10.000 Euro dotierten Literaturpreis Ruhr.

Karl-Heinz Gajewsky wurde 1952 in Dortmund geboren, studierte Sozialarbeit in Bochum und war bis zum November des vergangenen Jahres als Sozialarbeiter in Gelsenkirchen tätig. Die Liebe zur Literatur des Ruhrgebiets weckte Ende der 70er-Jahre der „Werkkreis“-Autor Richard Limpert in ihm: Als junger Liedermacher verspürte Karl-Heinz Gajewsky einen „Hunger nach Texten“; seine musikalische Heimat waren die Gruppen „Irrlicht und Feuer“, „Vor Ort“, schließlich das Duo „Zündholz“.

Tondokumente vor dem Verfall retten

Neben eigenen Texten interpretierte er dort immer wieder auch Revier-Literaten. Seine leidenschaftliche Begeisterung dauert fort bis heute: Diese Texte, sagte Gajewsky in einem Gespräch mit dieser Zeitung, berührten ihn, sie appellierten an „die Fähigkeit zum Mitfühlen“. Auch deshalb hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die Tondokumente aus den Stadtarchiven und Bibliotheken vor dem Verfall zu retten.

Die beiden Förderpreise des Literaturpreis Ruhr erhalten Marion Gay aus Hamm und Ingo Knosowski aus Bochum. Über 250 Nachwuchs-Literaten nahmen am Wettbewerb zum Thema „Hotelgeschichten“ teil.

Zur öffentlichen Preisverleihung laden Regionalverband Ruhr, Literaturbüro Ruhr und die Stadt Mülheim am Freitag, 15. 11., um 19.30 Uhr ins Mülheimer Schloss Broich ein. Der Eintritt ist frei.