Vater wider Willen

In seinem Erstlingswerk "Papa-Probetraining" berichtet Ben Weber über die kleinen und großen Hindernisse, die man als Teilzeit-Pflegevater überwinden muss. Wir haben uns mit dem Autor über sein Buch, seinen Sohn und das Schreiben an sich unterhalten.

Essen.. Ben Weber hat das geschafft, was vielen Hobbyautoren versagt bleibt: Er hält sein eigenes Buch "Papa-Probetraining" in den Händen. Naja, eigentlich kann man das eher im übertragenen Sinne sagen, denn es ist am Ende ein Ebook geworden. Stolz ist das "echte Ruhrpottkind" trotzdem auf sein Werk. Dabei handelt es sich hier nicht um irgendeine Geschichte. Weber erzählt in seinem Buch, wie er und seine Frau von einem Ehepaar zu Pflegeeltern wurden. Im Interview erzählt er uns, wie er auf die Idee kam seine ungewöhnliche Geschichte aufzuschreiben.

Ihr Buch „Papa-Probetraining“ ist kein Ratgeber zum Thema Pflegeelternschaft, sondern ein humoristischer Roman. Wie viel Wahrheit steckt in der Geschichte?

Ben Weber: Ich habe alles erlebt, aber natürlich nicht exakt aufgeschrieben. Das Buch deckt ungefähr einen Zeitraum von sechs Monaten ab und es ist so viel Verrücktes passiert, dass es nur die lustigsten Kuriositäten ins Buch geschafft haben.

Wann ist Ihnen klar geworden, dass Sie diese Geschichten aufschreiben müssen?

Weber: Das sind Erinne rungen, die man einfach festhalten muss. Erst war es in der Form von Kurzgeschichten, die ich während dieser Zeit verfasst habe. Das ist mit der Zeit immer mehr gewachsen und irgendwann ist daraus ein richtig großes Ding geworden.

Jeder Hobbyautor träumt davon, sein Buch veröffentlicht zu sehen. Sie haben das geschafft. Erzählen Sie uns ein bisschen über den Weg von der Kurzgeschichte zum fertigen Buch.

Weber: Ich habe mir während des Schreibens immer Etappenziele gesetzt, denn so ein Buch zu schreiben ist eine Menge Arbeit. Meine Untergrenze waren 150 Seiten, denn so dick sollte ein richtiges Buch schon sein. Das Manuskript habe ich dann zuerst auf der Neobook-Plattform teilweise veröffentlicht. Dort kann man seine Arbeit drei Monate lang von anderen Nutzern bewerten lassen. Schafft man es am Ende der Zeit in die Top 10 der besten Werke, dann erhält man ein kostenloses Lektorat vom Knaur-Verlag.

Monatelang war ich unter den besten Werken gelistet, aber wenige Stunden vor dem Ende der Aktion bin ich leider aus der Top 10 rausgeflogen. Der Verlag hat sich trotzdem bei mir gemeldet, weil ihnen das Manuskript besonders gut gefallen hat. Der Wettkampf war eine etwas zu ernste Angelegenheit, aber eine auch wichtige Erfahrung für mich. Und ich bin froh, dass ich daran teilgenommen habe, denn ich hatte es davor schon bei anderen Verlagen versucht, von denen ich meistens überhaupt keine Rückmeldung bekommen habe.

Und dann geht es ab auf die Buchmesse?

Weber: Nach der Zusage ist die Arbeit am Buch noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil, es geht dann grade erst richtig los. Über sechs Monate habe ich mein Manuskript überarbeitet, umgeschrieben und ausgebessert. Ich musste noch mal richtig ranklotzen.

Ihr Lieblingsprojekt in fremde Hände zu übergeben ist Ihnen sicher nicht leicht gefallen.

Weber: Man ist natürlich erst einmal froh darüber, dass man diese Chance überhaupt bekommt. Trotzdem ist es dann manchmal hart, wenn man schwierige Entscheidungen treffen muss. Niemand möchte gerne seinen Lieblingssatz streichen, aber man tut es doch, weil man spürt, dass er inhaltlich einfach nicht mehr zur Struktur der Geschichte passt.

Ein lustiger Roman mit ernstem Kern

Wie findet Leo eigentlich das Buch?

Weber: Mein Sohn findet das Buch prima. Er ist jetzt zwar schon 16 Jahre alt, aber er erinnert sich noch immer gerne an unsere gemeinsamen „Abenteuer“ zurück. Obwohl er inzwischen einen etwas anderen Humor besitzt. Im Moment arbeiten wir gemeinsam an einem Trailer für das Buch. Acht Minuten reiner Slapstick, das hat uns beiden unglaublich Spaß gemacht!

In „Papa Probetraining schliddern Sie mit Leo von Katastrophe zu Katastrophe und können doch alle ernsthaften Konsequenzen im letzten Moment verhindern - Wie viel ist davon echt und wie viel ist Fiktion?

Weber: Die meisten unserer Erlebnisse sind tatsächlich so ähnlich - wie im Buch beschrieben - passiert. Aber um eine Geschichte lebhaft und witzig zu gestalten, muss man die Dinge auch mal zuspitzen, etwas übertreiben oder kürzen, um sie auf den Punkt zu bringen.

Zum Beispiel waren wir mehr als ein Mal im Hallenbad und das Kapitel im Buch ist eine Art Zusammenfassung unserer Ausflüge. Ich muss aber ehrlich sagen, dass ich nach jedem Schwimmbadbesuch total geschafft und ausgelaugt war. Leo erwartete immer, dass ich mich ununterbrochen mit ihm beschäftigte. Wenn ich ihn einen Moment aus den Augen gelassen habe, dann war er meistens weg. Der Junge hat sich versteckt und wollte dann gesucht und gefangen werden. Mit einem so lebhaften Kind muss man die Regeln manchmal wohl ein kleines bisschen biegen. Man wird in dieser Situation vom Erwachsenen selbst wieder ein wenig mehr zum Kind und ist nicht mehr so steif wie gewöhnlich.

Im Buch ist die erneute Suche nach Pflegeeltern für Leo ein Wendepunkt. War das auch in Wirklichkeit so?

[kein Linktext vorhanden] Weber: Es war ein komisches Gefühl, als wir erfahren haben, dass neue Pflegeeltern gesucht werden. Von einander unabhängig und ohne dass der andere es wusste, haben meine Frau und ich begonnen, über Leo nachzudenken. Wir hatten beide schlaflose Nächte deswegen. Wir beide waren felsenfest davon überzeugt, dass wir als Pflegeeltern nicht in Frage kommen, da wir zu alt sind. Jahre vorher haben wir über das Thema Adoption nachgedacht, die Idee aber dann verworfen. Dass wir dann Leo begegnet sind... wahrscheinlich war es unser Schicksal. Am Ende haben wir drei als Familie einfach ideal zusammen gepasst.

Sie haben ein lustiges Buch über ein ernstes Thema verfasst. Warum haben Sie diesen Weg gewählt, um Ihre Geschichte zu erzählen?

Weber: Ich wollte ja keinen Ratgeber schreiben, sondern den Menschen das Thema durch Humor näher bringen. In erster Linie geht es mir ja darum, den Leser gut zu unterhalten, ihn neugierig zu machen. Denn so erreiche ich bei weitem mehr Menschen, die sich sonst – mit diesem durchaus ernsten Thema – überhaupt nicht beschäftigen würden.

Sie sind auch in unserem Gedichte-Forum aktiv. Was ist einfacher: dichten oder schreiben?

Weber: Es ist schwer, diese beiden Kunstformen zu vergleichen. Gedichte haben zwar weniger Umfang und machen deswegen eigentlich auch weniger Arbeit. Wenn man seine Sache aber sehr gut machen will, muss man sich genauso intensiv mit ihnen beschäftigen. An einem „richtigen“ Buch muss man allerdings deutlich länger und intensiver feilen.

Planen Sie eine Fortsetzung?

Weber: Spontan würde ich Nein sagen, denn eigentlich ist die Geschichte für mich nun abgeschlossen. Doch viele Leser und auch der Verlag haben schon nach weiteren Familiengeschichten gefragt und jetzt überlege ich tatsächlich, ob ich es machen soll. Und wenn ich ehrlich sein muss … ein Kapitel habe ich schon in der Schublade und weitere Ideen im Kopf.

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