Nele Neuhaus schreibt als Nele Löwenberg

Sie ist nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Pferdefreundin: Nele Neuhaus.
Sie ist nicht nur Schriftstellerin, sondern auch Pferdefreundin: Nele Neuhaus.
Foto: Ullstein Verlag
Ihren Platz unter Deutschlands Krimi-Größen hat Nele Neuhaus sich hart erkämpft. Jetzt aber wechselt sie das Genre – und schreibt als Nele Löwenberg einen Roman, der vom Erwachsenwerden erzählt: „Sommer der Wahrheit“ heißt das Buch.

Essen.. Mit dem Ermittler-Duo Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein erhob sich der Taunus zum Gipfel der literarischen Landkarte: Über fünf Millionen Bücher hat Autorin Nele Neuhaus allein in Deutschland verkauft, ihre Krimis wurden verfilmt und in 20 Sprachen übersetzt. Umso märchenhafter scheint dieser Aufstieg, wenn Neuhaus – auf eine höchst bodenständige, offene Art – von ihren Anfängen erzählt: Wie sie zwischen der Arbeit in der Firma ihres Mannes und ihrem großen Hobby, den Pferden, kaum Zeit hatte zum Schreiben, wie sie sich diese Zeit minutenweise gestohlen hat. „An meinem ersten Krimi ,Unter Haien’ habe ich acht Jahre lang gearbeitet. Als ich dann keinen Verlag fand, war das schon frustrierend.“ Ein Literaturagent gab ihr schließlich den Tipp, den Schauplatz nach Frankfurt zu verlegen, damit sie als Debütantin überhaupt eine Chance bei Verlagen hätte – „aber ich dachte: Nö. Dann mache ich das eben selbst.“

Sie machte. Ließ eine kleine Auflage im Eigenverlag drucken, fuhr die Bücher zu den örtlichen Buchhändlern. „Der Tag, an dem ich das erste gedruckte Exemplar in den Händen hielt, das war mein eigentlicher Glückstag. Und alles andere... da bin ich heute noch ganz ungläubig und kann es gar nicht fassen.“

Der eigensinnige Auf- und Ausbruch aber scheint Neuhaus im Blut zu liegen. Denn nun, nach sieben Krimis, an einem Punkt, an dem die meisten Menschen sich entspannt zurücklehnen würden – da fängt die 47-Jährige noch einmal etwas Neues an. Und schreibt un­ter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg einen Roman, der vom Auf- und Ausbrechen erzählt.

Anders als zuletzt J.K. Rowling macht Nele Neuhaus aus ihrer Autorschaft kein Geheimnis: Sie habe ihren Fans aber durch ihren Mädchennamen Nele Löwenberg signalisieren wollen, dass „Sommer der Wahrheit“ (Ullstein, 493 S., 14,99 €) kein Krimi ist.

Warum dieser Genrewechsel? Gefehlt habe ihr, bei aller Liebe zum Krimi, „die epische Breite“, sagt sie mit einem Lachen: „Die Figuren kommen doch immer recht knapp weg.“ Auch habe sie die Landschaft gereizt: Ihre Romanheldin Sheridan Grant wächst auf im Nebraska der 90-er Jahre, in einem Dorf, das von der Außenwelt wie abgeschnitten scheint: „Dass man so abgeschieden ist, das gibt es in Deutschland gar nicht. Da gibt es doch noch immer irgendeine Buslinie. Das Merkmal der Einsamkeit war mir ganz wichtig für den Roman.“

Die Geschichte kommt mit biblischer Wucht daher: Sheridan, die mit ihrer Schöpferin die Liebe zu Pferden und den Eigensinn teilt, wächst auf einer Pflegefamilie. Ihr Aufbegehren gegen die strikten religiösen Regeln, ihre Ausbruchsversuche und, ja, auch ihre ersten sexuellen Erkundungen schildert Neuhaus in der Tat episch; am Ende dringt ein dunkles Familiengeheimnis ans Licht.

Im Oktober erscheintein neuer Taunus-Krimi

Die Erotik ist neu in Neuhaus’ Werk – „doch, das war schon komisch zu schreiben. In meinen Krimis belasse ich es ja eher bei Andeutungen. Aber hier mehr ins Detail zu gehen war für die Figur der Sheridan Grant wichtig.“ Und natürlich waren auch die Krimis bisher nicht frei von amourösen Verstrickungen. Die durchaus, das gibt Neuhaus zu, ihr Privatleben spiegeln – fast so, als würde sie da manches vorausahnen. „In ,Schneewittchen muss sterben’ zerbricht Bodensteins Beziehung – ein Jahr vor meiner eigenen Scheidung.“ Es folgten der sehr, sehr düstere Krimi „Böser Wolf“ und eine neue Liebe für Pia Kirchhoff. Sowie, kurz darauf, für Nele Neuhaus.

Die Flitterwochen muss Pia Kirchhoff allerdings verschieben, denn ihre Schöpferin tischt ihr im Herbst mit „Die Lebenden und die Toten“ einen neuen Fall auf – ein Scharfschütze treibt im Taunus sein Unwesen. Denn trotz aller literarischen Aufbrüche hängt die Selfmade-Bestsellerin doch sehr am Spurenlegen. Ihre Lektorin komme auch nach 300 Seiten noch nicht darauf, wie alles zusammenlaufe, erzählt Nele Neuhaus lachend: „Das ist für mich die größte Auszeichnung, wenn ich sie aufs Glatteis führen kann!“

 
 

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