Jugendliteraturpreis – das sind die ausgezeichneten Bücher

Die Jugendjury hat  ein Buch ausgesucht, das junge Leser fesselt: „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan.
Die Jugendjury hat ein Buch ausgesucht, das junge Leser fesselt: „Letztendlich sind wir dem Universum egal“ von David Levithan.
Foto: Getty
Die fünf Gewinner des Deutschen Jugendliteraturpreises im Überblick. Nicht jede der prämierten Geschichten wird auch junge Leser überzeugen.

Essen.. Die Jury des Deutschen Jugendliteraturpreises hat entschieden und wieder fünf herausragende Bücher prämiert. Aber werden Kinder und Jugendliche wirklich gerne zugreifen?

Bilderbuch

Auf den ersten Blick sieht dieses Bilderbuch aus wie viele: Ein Kater blickt den Betrachter mit halb geöffneten Augen an. Auch der Titel klingt beliebig: „Herr Schnuffels“. Um das Besondere zu erleben, muss man das Buch schon aufschlagen. Die Illustration wird von Seite zu Seite ungewöhnlicher, bleibt aber ansprechend für Kinder. Dabei braucht die Geschichte von David Wiesner fast keine Worte: Herr Schnuffels bekommt ein neues Spielzeug, ein Ufo. Doch was sein Mensch nicht weiß: Mit der fliegenden Untertasse reisen Außerirdische. Die grünen Männchen fürchten sich vor dem schwarzen Ungeheuer. Sie rätseln, wie sie ihm entkommen können, und zeichnen an Wänden Fluchtpläne, die an Höhlenmalerei erinnern. Auch ihre Sprechblasen enthalten Zeichen, aber die können selbst Eltern nicht entziffern. Furcht und Freude lesen Kinder allein in Mimik und Gestik der Figuren. Die ungewöhnlichen Perspektiven ziehen sie in das detailreiche Buch, dessen Bilder immer kleiner werden und mehr und mehr an eine Graphic Novel erinnern. Perfekt zum Immer-wieder-Aufschlagen (Aladin, 32 S., 16,90 €, ab 5).

Kinderbuch

Neftalí nimmt mit Staunen die Welt wahr, hütet gesammelte Stöcke und Steine wie einen Schatz. Aber am meisten liebt der Junge Worte. Die schönsten schreibt er auf, sammelt sie in einer Schublade. Zum Ärger seines Vaters, der Lesen für Zeitverschwendung hält, da Bücher den Jungen nicht kräftigen für einen „anständigen“ Beruf. Abschätzig nennt er seinen Sohn: „Der Träumer“.

Kinder begleiten Neftalí auf dem Weg zu mehr Selbstvertrauen. Sie spüren seine Wut, den Wunsch, eine eigene Meinung haben und äußern zu dürfen. Der Junge kann nur schwer seine Schüchternheit überwinden, aber er nimmt sich einen Satz zu Herzen, den ihm sein Onkel, der Journalist, mitgegeben hat: „Wusstest du, dass das Flüstern von vielen Menschen sehr laut klingen kann?“

Für ihre tiefgründige und zugleich kindgerechte Geschichte, in der Pam Muñoz Ryan immer wieder philosophische Denkanstöße gibt, hat sie sich vom Leben Pablo Nerudas (1904 - 1973) inspirieren lassen. Der chilenische Dichter berührte mit Worten, die Zäune überwinden. Das Ganze hat Peter Sís traumschön illustriert. Kindern wird so Mut gemacht, auf ihre eigene innere Stimme zu hören (Aladin, 370 S., 16,90 €, Übersetzung: Anne Braun, ab 10).

Sachbuch

Was ist eine Seele? Schon Erwachsenen fällt es schwer, auf diese Frage eine Antwort zu geben. Kinder versuchen es in diesem Buch: „Wenn man sich an den Hals fasst und hohe Töne macht, dann kann man seine Seele spüren“, meint etwa ein Kind. Die Illustratorin Christina Röckl hat solche Gedanken gesammelt und in einem großformatigen Buch in Szene gesetzt: „Und dann platzt der Kopf“ lässt Erwachsene staunen über den unverstellten Blick der Kinder. Junge Leser werden jedoch an der abstrakten Art der Vermittlung, die teils eine unheimliche Stimmung entstehen lässt, nicht allzu viel Freude haben. Es gibt Sachbücher, aus denen sie mehr Erkenntnisse ziehen (Kunstanstifter, 72 S.. 26,50 €, ab 5).

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Jugendbuch

Wir hatten dieses Buch bereits im vergangenen Jahr empfohlen, für den weihnachtlichen Gabentisch. Denn der „Schneeriese“ bringt viel Herzenswärme in die Eiseskälte: Der 14-jährige Adrian ist unfassbar groß für sein Alter, aber sein Selbstvertrauen vergleichsweise klein. Als sich seine Freundin Stella auch noch in einen anderen Jungen verliebt, möchte er in einen tiefen Winterschlaf fallen.

Susan Kreller findet sehr schöne Worte, Sätze, Sprachbilder. Sie macht das Gefühls-Wirrwarr des Jungen spürbar und zeigt, wie sich mit Mut die Gedanken-Knoten lösen, damit Adrian schließlich auch innerlich wächst (Carlsen, 205 S., 14,90 € ab 12).

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Preis der Jugendjury

Letztendlich sind wir dem Universum egal“. Der Titel will nicht so recht passen zu dem Buch, das voller Leben ist. David Levithan verfolgt ein spannendes Gedankenexperiment, das junge Leser fesselt: Er lässt den Jungen, der sich „A“ nennt – oder ist er ein Mädchen? – jeden Morgen im Körper eines anderen 16-jährigen Jugendlichen erwachen. A versucht, sich Tag für Tag anzupassen, bis A das Gesicht eines Jungen bekommt, der mit der herzensguten Rhiannon zusammen ist. A muss das Mädchen wiedersehen. . .

Levithan lässt seine Leser die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten: Wie fühlt es sich an, in einem Körper zu stecken, der gegen Depressionen kämpft? Oder gegen Übergewicht? Und wie reagieren andere, wenn man wunderschön ist? Der Leser fragt sich, wie viel unseres Wesens letztendlich die äußere Hülle ausmacht.

Das Ende des Buches ist gut, aber nicht glücklich. Es hallt noch lange nach: Wie hätte ich mich verhalten? (FJB, 16,99 €, 400 S., Übersetzt: Martina Tichy, ab 14)

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