Jörg Juretzka entführt mit "TaxiBar" in ein Horror-Hochhaus

Im neuen Krimi von Jörg Juretzka geht es Horror-mäßig zu.
Im neuen Krimi von Jörg Juretzka geht es Horror-mäßig zu.
Foto: Kai Kitschenberg / WAZ-Fotopool
Der Mülheimer Autor Jörg Juretzka lässt in seinem neuen Roman "TaxiBar" den Privatermittler Kristof Kryszinski in einem Hochhaus des Horrors ermitteln. Der Krimi spielt an bekannten Landmarken der Ruhrstadt und entführt die Leser in den Horror eines unheimlichen Hochhauses.

Essen.. Der Mülheimer Autor Jörg Juretzka schickt seinen Privatermittler Kristof Kryszinski in Rente: Gleich am Hauptbahnhof eröffnet er die „TaxiBar“. Und findet sich sogleich verwickelt in einen dramatischen Fall, in dem kein Verbrechen fehlt.

Es ist allein Jörg Juretzka zu verdanken, dass das nette, kleine Mülheim in der Literatur zu einem ansatzweise coolen Ort geworden ist: einem Anti-Ort, den es so auch in Berlin geben könnte. Eine verlotterte Heimat für durchgeknallte Typen – wie Privatdetektiv Kryszinski.

Der aber hat sich im neuen Roman zur Ruhe gesetzt und lebt nun in der Eppinghofener Bahnhofskneipe TaxiBar im tageszeitlichen Rhythmus seiner Stammkundschaft: vom ersten Jägermeister morgens um sieben und dem Mittags-Macchiato bis hin zur Tresenbierschwemme und dem nächtlichen Cocktail-Flirt. Dies alles am Fuße der vier Hochhäuser am Dickswall neben dem Hauptbahnhof: Landmarken, die künstlerisch zuletzt im 2-3-Straßen-Projekt der Kulturhauptstadt zu Ehren kamen.

Roma campieren in Mülheim in Tiefgarage

Bei Juretzka kampieren in der Tiefgarage die Roma, ein „stinkendes Horrorszenario“ aus alten Matratzen, Menschen und Müll. Und noch eine Etage tiefer steht der Wagen des toten Taxifahrers Geronimo, in dessen Kofferraum der tote Russe Timur liegt. Was mit Kryszinski insofern zu tun hat, als sein Nachbar Geronimo für ihn 25 Kilo Heroin aufbewahrte – und die eigentlichen Besitzer der Drogen bereits Auftragskiller Honka auf Kryszinski angesetzt haben. Als dann auch noch drei Roma-Mädchen spurlos verschwinden, nimmt der Fall rasant Fahrt auf.

Schräge Figuren, nachtschwarzer Humor, bissige Dialoge: Auch dieser Krimi hat alles, was ein echter Juretzka braucht. Dass am Ende Hausmeister Fred der eigentliche Horror diese Hauses ist, versöhnt mit den gelegentlich politisch nicht ganz korrekten Stammtisch-Flirts – aber so geht es halt zu in Mülheims kultigen Bahnhofskneipen.

Jörg Juretzka: TaxiBar. Rotbuch, 224 S., 16,95 €.

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