Islands Autor Jón Kalman Stefánsson beendet seine Trilogie

Der Isländer Jón Kalman Stefánsson hat mit „Das Herz des Menschen“ den finalen Band seiner Romantriologie um einen namenlosen Jungen vorgelegt.
Der Isländer Jón Kalman Stefánsson hat mit „Das Herz des Menschen“ den finalen Band seiner Romantriologie um einen namenlosen Jungen vorgelegt.
Foto: Getty Images
Mit „Das Herz des Menschen“ beendet der isländische Autor Jón Kalman Stefánsson eine staunenswerte Romantrilogie. Nach „Himmel und Hölle“ und „Der Schmerz der Engel“ geht die Reise des namenlosen Jungen durch eine ursprüngliche, längst vergangene Welt nun weiter.

Essen.. Bárður, der Fischer, hat zu intensiv von Gedichten geträumt und vergessen, seinen Anorak anzuziehen. Als auf hoher See der Eissturm kam, da nützten ihm die Worte nichts. Und er erfror. Mit derart elementarer Wucht begann der isländische Autor Jón Kalman Stefánsson in „Himmel und Hölle“ eine Romantrilogie, die eine längst vergangene, ursprüngliche Welt zum Leben erweckte: das grausame Meer, den schwarzen Winter, den Stockfisch, das Eis. Und einen namenlosen Jungen, den besten Freund Bárðurs, der um die Gefahren der Poesie ahnt – aber doch nicht von ihr lassen kann.

Wenn Stefánsson mit „Das Herz des Menschen“ nun den letzten Band vorlegt, dann ist sein Held auf seiner Reise beeindruckenden Figuren begegnet: dem blinden Kapitän Kolbeinn, der bei der stolzen Geirprúður lebt. Dem Postboten Jens, dem Schuldirektor Gísli.

Zeitlose Nöte der Charaktere

Je näher uns diese Menschen kommen, desto zeitloser scheinen ihre Nöte, ihre Sehnsüchte: Frauen, die um ihren Platz im Leben kämpfen, Männer, die in aller Hilflosigkeit zur Gewalt greifen. Kinder, die allein gelassen werden. Stefánssons Prosa ist ein Panorama der Liebe, der Trauer, des Glücks. So weiß der Junge längst: Das Herz des Menschen hat zwei Kammern. Auch seines. Die schöne, hochmütige Kaufmannstocher Ragneiður lässt es heftig schlagen. Ebenso die Briefe der so verteufelt rothaarigen Álfheiður: „Du bist ein Idiot, wenn du an mich denkst. Tust Du das?“

Einer wie Stefánsson schafft, dass all das nicht kitschig wirkt – selbst wenn die Berge am Fjord „ein steiler Schrei“ sind. Er setzt der Kraft der Elemente die elementare Kraft der Poesie entgegen. Das funktioniert in einer Welt, in der ein Blatt Papier und ein Bleistift eine Kostbarkeit sind. In der die Worte wohl gewogen werden – und nicht unbedacht getwittert, gepostet, gemailt und gesimst. Umso mehr berührt Stefánssons Aufruf: „Bitten wir um Glut, selbst wenn sie uns vor der Zeit das Leben kosten sollte, nehmen wir das Risiko an, und leben wir“ – solange die zwei Kammern unserer Herzen eben schlagen mögen.

Die Trilogie

Jón Kalman Stefánsson: Das Herz des Menschen. Piper 2013, 416 S., 22,99€. Der Schmerz der Engel: Piper, 352 S., 19,99 €. Himmel und Hölle: Reclam, 231 S., 18,90 €

 
 

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