Daniel Glattauers kauziger Medien-Roman „Geschenkt“

Der Wiener Bestseller-Autor Daniel Glattauer.
Der Wiener Bestseller-Autor Daniel Glattauer.
Foto: heribert corn , corn@corn.at
Der Wiener Bestseller-Autor Daniel Glattauer („Gut gegen Nordwind“) arbeitete 20 Jahre lang als Redakteur für Tageszeitungen. Mit „Geschenkt“ legt er nun einen Roman über die Medienkrise vor – sowie einen kauzigen Anti-Helden und eine rätselhafte Spenden-Serie.

Lesereisen sind für Daniel Glattauer recht anstrengende Unternehmungen; manchmal aber sind sie auch für was gut. So wie vor zweieinhalb Jahren. In Braunschweig hatte ein Unbekannter zum wiederholten Mal 10.000 Euro an gemeinnützige Einrichtungen gespendet, von denen er aus der Zeitung erfahren hatte.

Der jeweilige Artikel lag dem anonymen Geldkuvert immer bei. Nach Glattauers Lesung sprach er beim Bier mit einigen Leuten über die mysteriöse Spendenserie, bis es spätabends aus ihm herausplatzte: „Das wäre eigentlich ein wunderbares Thema für einen Roman.“

Reales Spenden-Rätsel stand Pate

Mit „Geschenkt“ ist jetzt das Buch erschienen, das in der bierseligen Runde seinen Anfang nahm. Mit der Hauptfigur Gerold Plassek hat Glattauer einen sympathischen Loser erfunden, der es sich mit 43 Jahren auf dem abstrebenden Ast „bequem gemacht“ hat – als Journalist für das Anzeigenblättchen „Tag für Tag“. Nur die Aussicht auf sein Feierabendbierchen macht ihm das Dasein erträglich. Auf die Frage seines Chefs, ob ihm die Arbeit eigentlich Spaß mache, antwortet er: „Ehrlich gesagt arbeite ich hier nicht, um Spaß zu haben.“

Plötzlich aber wird Gerold Plassek aufgeschreckt. Alice meldet sich bei ihm, mit der er vor 14 Jahren eine Nacht in Hamburg verbracht hat. Sie fragt ihn, ob er nicht, während sie als „Ärztin ohne Grenzen“ in Afrika unterwegs ist, ein paar Monate auf seinen Sohn Manuel aufpassen könne? Von dem wusste Gerold noch gar nichts. Allein seines schlechten Gewissens wegen kann er nicht ablehnen.

Viel Fabulierlust und ein Hauch Selbstironie

Zunächst finden Vater und Sohn keinen Draht zueinander. Das aber ändert sich, als ein anonymer Spender auf den Plan tritt. Der schickt einer Obdachlosen-Schlafstätte einen Brief mit 10.000 Euro, nachdem Gerold über das Heim berichtet hat. Im Kuvert ist sein Zeitungsartikel. Das ganze wiederholt sich mehrmals. Immer, wenn Gerold einen Artikel schreibt, erhält die jeweilige Einrichtung am nächsten Tag eine Geldspende.

Mit viel Fabulierlust und einem Hauch Selbstironie erzählt der 1960 in Wien geborene Daniel Glattauer, wie der kauzige Gerold Plassek vom Taugenichts zum Helden mutiert. Glattauer selbst war vor seinem Erfolg mit „Gut gegen Nordwind“ 20 Jahre lang Redakteur, kennt also die Probleme der Medienwelt. Immer neue Wendungen nimmt die Spendenserie, so dass der Roman Züge einer Detektivgeschichte trägt. Und selbst in der Liebe will Gerold es noch einmal wissen. Wenn die Zahnärztin, die er gewinnend anlächelt, möglichst ohne seine Zähne zu zeigen, seine Frage, ob sie mit ihm ausgehen wolle, auch falsch versteht und ihm einen Termin verpasst.

Komische Szenen wie diese sind es, in denen Glattauer zeigt, was er kann. Sein neuer Roman ist gute Unterhaltung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

  • Daniel Glattauer: Geschenkt. Deuticke, 336 S., 19,90 Euro
 
 

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