„Liliom“ in Bochum - Theaterstück mit Autoscooter

Der Autoscooter als Schauplatz des Lebens: Kristina-Maria Peters (Julie) und Florian Lange (Liliom)
Der Autoscooter als Schauplatz des Lebens: Kristina-Maria Peters (Julie) und Florian Lange (Liliom)
Foto: Diana Kuester
Regisseurin Christina Paulhofer bringt Franz Molnars „Liliom“ am Schauspielhaus Bochum auf die Bühne - mit einem original Kirmes-Autoscooter. In den kleinen, grellbunten Fahrzeugen wird geknutscht, gebumst, geprügelt. Ein immer wieder um sich selbst kreiselnder Tanz auf der Suche nach dem Glück.

Bochum.. Wer jemals mit 16, 17 auf der Kirmes war, der weiß, worum es in diesem Alter an so einem Ort geht. Um Coolness, ums Flirten, Sich-Zeigen und um die Mutprobe auf der Achterbahn. Sicher auch ums Knutschen, vielleicht sogar um mehr. Das ist nicht nur heute noch so, das war in den 70er-Jahren ebenso gültig wie schon um die Jahrhundertwende, als Franz Molnars „Liliom“ entstand.

In Bochum brachte Christina Paulhofer den Klassiker um den Vorstadt-Kraftmeier jetzt in einer einnehmenden, zeitgemäßen Einrichtung auf die Bühne. Das Molnar’sche Ringelspiel ist bei ihr ein original Kirmes-Autoscooter; in den kleinen, grellbunten Fahrzeugen wird geknutscht, gebumst, geprügelt – ein immer wieder um sich selbst kreiselnder Tanz auf der Suche nach dem Glück.

Paulhofer glaubt an ihren Titelhelden, sie schätzt den „Liliom“ sehr, selbst wenn er seine Freundin schlägt und auch sonst ziemlich gemein ist. „Harte Schale, weicher Kern“ – dass Liliom lieber er selbst bleiben will, als ein biederer Hausmeister zu werden, ist für die Regisseurin kein Zeichen von Schwäche, sondern eines von Charakter.

Wuchtig und gefühlsbetont

Dementsprechend konzentriert sich alles auf Florian Lange, der die Titelrolle mit gewohnter Einsatzfreude als omnipotentes Kraftpaket anlegt. Er tobt und krakeelt, aber er kann auch still und verschlossen sein. Wenn er über seine Liebe zu Julie nachdenkt (zärtlich und zupackend zugleich: Kristina-Maria Peters) oder mit seinem Freund Fiscur (verschlagen-brutal: Felix Rech) einen Raub plant, dann mein man förmlich zu sehen, wie sich die Rädchen in Lilioms Kopf drehen. Langsam, aber stetig. Am Ende, als er sich nach seinem Selbstmord im Himmel verantworten muss, wird er zur gekreuzigten Ikone eines Leidens, das er sich selbst auferlegt hat; ähnlich wie damals der Vorstadtzuhälter Accattone in Pier Paolo Pasolinis gleichnamigen Film.

Die Inszenierung geht dramaturgisch kein Risiko ein, streut gelegentlich Musikzitate, ohne es damit zu übertreiben, verlässt sich aber stets auf die Kraft des Molnar-Textes. Was kein Fehler ist – im Gegenteil: Wuchtig und gefühlsbetont fügt Paulhofer das vielschichtige Rummelplatz-Gleichnis zu einem schlüssigen Theaterabend zusammen. Der Einsatz von vier jungen Street-Artisten der Bochumer Gruppe „Urbanatix“ akzentuiert die heftige Körperlichkeit der Einrichtung noch.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen