Liebeserklärung an das Buch - ein sensationelles Lesegerät

Jene Bücher, die leibhaftig im Regal stehen, sind weit mehr sind als die Summe ihrer Seiten: nämlich sichtbares Zeugnis vieler, vieler Stunden, in denen wir den Geschichten gelauscht haben.
Jene Bücher, die leibhaftig im Regal stehen, sind weit mehr sind als die Summe ihrer Seiten: nämlich sichtbares Zeugnis vieler, vieler Stunden, in denen wir den Geschichten gelauscht haben.
Foto: Getty Images
Liegt gut in der Hand, lässt sich lässig blättern und kann mit Hilfe einer Hardware aus dem Möbelgeschäft recht schmuck in die Wohnlandschaft integriert werden: das Buch, dessen Akku nie leer wird und das sich bezahlt machen soll. Eine Liebeserklärung zum Welttag des Buches.

Essen. Was für ein sensationelles Lesegerät: Es liegt gut in der Hand, ist übersichtlich gegliedert und erlaubt die gezielte Anwahl einzelner Seiten. Das Blättern geschieht mit einer lässigen Handbewegung. Der Nutzer kann Lesezeichen setzen und sich Notizen machen. Das Beste: Nach Benutzung kann das Gerät in die Wohnlandschaft integriert werden! Denn zur repräsentativen Aufbewahrung dient eine Hardware-Ergänzung, die sich „Regal“ nennt.

Und das sensationelle Lesegerät, von dem hier die Rede ist, heißt – „Buch“.

Vom Buch wollen viele leben

Den 23. April hat die Unesco, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, zu seinem Welttag erklärt. Wir feiern ein geniales Medium, das Mitte des 15. Jahrhunderts seinen Siegeszug durch Europa begann und seither das Leben der Menschen begleitet und bereichert hat – als Informationsträger, vor allem aber als Geschichtenerzähler. Denn das Buch schien über Jahrhunderte die ideale Form, ein menschliches Grundbedürfnis zu befriedigen: von der Welt zu erzählen – und neue Welten zu erfinden. Höhlenmalereien oder in Stein geritzte Zeichenfolgen sind frühe Zeugen dieses Bedürfnisses, und auch im Internet-Zeitalter wird das Erzählen dem Menschen nicht auszutreiben sein. Aber wird es in Zukunft noch Bücher geben? Werden E-Books oder Tablet-PCs der langen Ära Gutenberg nun ein Ende bereiten?

Sicher ist, dass all jene, die geistige Inhalte zu Papier bringen, umdenken müssen – Zeitungs- wie Buchverlage gleichermaßen. Sie müssen überlegen, wie sie einen angemessen Preis für elektronische Inhalte bekommen können. Mit der Kostenlos-Kultur im Internet kämpfen auch die Buchverlage. Dass immer mehr E-Books verkauft werden – im Jahr 2012 in Deutschland über 12 Millionen und damit weit mehr als doppelt so viele wie noch im Vorjahr – wäre für die Verlage (im Gegensatz zum stationären Buchhandel) gar nicht schlimm. Wenn es nicht die Tendenz gäbe, elektronisch verfügbare Inhalte für weniger „wertvoll“ zu halten als gedruckte.

Die Kosten für die Erstellung eines E-Books sind geringer als die Druckkosten, aber die geistige Arbeit ist die gleiche. Der Autor schreibt, der Lektor greift hilfreich ein, die Grafiker gestalten den Umschlag, Marketing- und Presse-Menschen machen Werbung. Und alle wollen von dem Preis, den der Leser für das Buch bezahlt, leben. Deshalb ist es sinnvoll, wenn E-Books zumeist nur ein, zwei Euro günstiger sind als das Druckwerk – egal, bei welchem Anbieter man nachschaut. Denn faktisch gilt auch hier die Buchpreisbindung.

Und doch kann man bei Amazon E-Books für 2,99 Euro kaufen. Dies sind allerdings Bücher, die von den Autoren selbst verlegt werden: ohne Verlag, ohne Lektor, ohne Marketing. Aber immer öfter mit Erfolg. Die Autorin Ina Körner hat Absagen von 15 Verlagen bekommen, ihre „Mondlicht-Saga“ unter dem Pseudonym Marah Woolf selbst im Internet angeboten – und hat 70.000 E-Books verkauft. Im März erhielt sie den Self-Publisher-Preis der Leipziger Buchmesse.

Ritterschlag durch Verlage

Aber: Wer im Literaturbetrieb Anerkennung finden will, wer in den Zeitungen und Magazinen besprochen werden will, braucht noch immer den Ritterschlag eines Verlags. Die Autoren von Suhrkamp, Hanser und anderen Literaturverlagen stellen sich ihre Werke mit Stolz ins Regal – und wir, ihre Leser, auch. Diese Bücher wird es weiterhin geben.

Denn so nett es vielleicht ist, während des Lesens eine E-Book-Passage rasch mit seinen Freunden auf Facebook zu teilen – eine elektronische Bibliothek macht doch eher wenig her. Es fehlt ihr der melancholische Glanz, die Patina. Wohingegen jene Bücher, die leibhaftig im Regal stehen, weit mehr sind als die Summe ihrer Seiten: nämlich sichtbares Zeugnis vieler, vieler Stunden, in denen wir den Geschichten gelauscht haben. In denen wir teilnahmen an der großen Erzählung der Welt.

Feiern wir also den Tag eines genialen Endgerätes namens Buch!

 
 

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