Leonard Lansink: „Schalke ist im Herzen“

Schauspieler Leonard Lansink (l) mit Oliver Korittke bei Dreharbeiten zu „Wilsberg“
Schauspieler Leonard Lansink (l) mit Oliver Korittke bei Dreharbeiten zu „Wilsberg“
Foto: picture alliance / dpa
„Wilsberg“-Darsteller Leonard Lansink über seine Kindheit in Gelsenkirchen, über Münster und Krimis, seinen ersten Drehtag und die Schauspielerei.

Oberhausen..  Seit mittlerweile 18 Jahren mimt Leonard Lansink (59) den in Münster ermittelnden Privatdetektiv Wilsberg in der gleichnamigen ZDF-Serie. Jens Dirksen sprach mit ihm über Bücher, Krimis und das Ruhrgebiet, in dem er aufgewachsen ist.

Herr Lansink, Sie sind in Gelsenkirchen aufgewachsen – wird man da automatisch Schalke-Fan?

Leonard Lansink: Muss, ne. Das ist genetisch. Obwohl ich ja mehr Handball gespielt habe...

Ja?

Bis ich 17 war, DJK Rotthausen.

Und nach dem Abi haben Sie nicht Schauspiel, sondern Medizin studiert – warum?

Ich kannte so viel Kinderkrankenschwestern, und die waren alle so nett.

Sie haben dann an der Folkwang-Hochschule Schauspiel studiert und auch im Revier auf der Bühne gestanden...

Ich hab in Oberhausen Robin Hood gespielt, als Klaus Weise da noch Intendant war, das war ganz nett. Und dann hatte ich ein eigenes Theater, das „Mobile Theater Essen“, das hat uns eine Weile über Wasser gehalten, bis ich dann dem Zivildienst zum Opfer fiel, da hat man mich nach München versetzt.

Und nebenbei Theater gespielt?

Ja sicher. Und den ersten Drehtag meines Lebens gehabt. Eine Nebenrolle in der Schimanski-Episode „Rechnung ohne Wirt“; die Schimanskis wurden ja bis auf die Hochofen- und Hafen-Szenen meist in München gedreht und nicht in Duisburg.

Daher Ihr Faible für Krimi?

Nee, Krimi liest man immer gern, ist doch ideal für die Badewanne: Nicht schlimm, wenn das Buch nass wird. Und: Ausgelesen, bevor das Wasser kalt ist.

Lesen Sie viel in den Drehpausen?

Genau. Und zwar auf dem I-Pad, es ist so praktisch, ich brauch das Papier nicht dringend. Ich war mal bei der Leipziger Buchmesse bei den Antiquaren und habe eine Erstausgabe vom „Faust“ bestaunt – aber so etwas will man ja gar nicht anfassen, weil man Angst hat, es zerfällt einem unter den Händen.

Wissen Sie, warum – Stichwort: „Tatort“ – gleich zwei erfolgreiche Krimi-Serien in Münster spielen?

Es würde vielleicht auch in Hamm funktionieren. Es ist die Idee, in einer überschaubaren Stadt die ganze Welt zu zeigen, am Übergang aufs Land. Man kann da alles zeigen, bis auf Serienkiller vielleicht, die gehören nach New York und L.A. Aber alles andere geht.

Und vielleicht auch, weil Münster so bürgerlich und brav ist, dass Verbrechen dort besonders ungeheuer wirken?

Ja sicher, es gab doch jahrelang keinen einzigen Mord in Münster; die Stadt steht in der Kriminalstatistik ganz oben – aber nur, weil es da so viele Fahrraddiebstähle gibt!

Sind Sie noch gern Schauspieler?

Ja, seit es mir die Miete einbringt, sehr gern. Aber wenn man auf Engagements warten muss und nicht weiß, was man die nächsten zwei Monate macht, das ist grausam.

Wenn Sie nicht Schauspieler geworden wären, wären Sie dann lieber Antiquar wie Wilsberg oder Kommissar wie Thiel?

Lieber Kommissar, das ist lebendiger, abwechslungsreicher und hat mit Menschen zu tun. Die Antiquare machen ihr Geschäft ja auch immer mehr im Internet.

Sind Sie denn schon mal als „Herr Wilsberg“ angesprochen worden?

Immer! Die Menschen haben ein besseres Gedächtnis für Gesichter als für Namen. Aber das ging Götz George ja auch nicht anders. Das ist wahrlich nicht das Schlimmste an unserem Beruf. Nur die Post an Wilsberg kommt nicht an. Höchstens vielleicht, wenn man sie an die Frauenstraße 24, Münster schickt.

 
 

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