Laufenberg spricht im Interview über „Parsifal“ in Bayreuth

Der Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, Uwe Eric Laufenberg, inszeniert in Bayreuth.
Der Intendant des Staatstheaters Wiesbaden, Uwe Eric Laufenberg, inszeniert in Bayreuth.
Foto: picture alliance / dpa
Ein Kölner verantwortet die Neuinszenierung des Parsifal 2016 bei den Bayreuther Festspielen. Ein Interview mit dem ehemaligen Intendanten der Oper Köln.

Bayreuth.. Heute eröffnen die 105. Bayreuther Festspiele mit Richard Wagners letztem Werk, dem „Parsifal“. Nach der Absage von Jonathan Meese hat Uwe Eric Laufenberg die Regie übernommen. Unser Mitarbeiter Pedro Obiera sprach vor der Premiere mit ihm.

Haben die Anschläge in Nizza, Würzburg und jüngst München Ihre Einstellung gegenüber den Sicherheitsmaßnahmen auf dem Festspielgelände geändert?

Laufenberg: Nein. Diese Vorkommnisse haben ja nur gezeigt, dass es diese Form von Sicherheit nicht gibt und das Zuschlagen dieser etwas verstörten, nicht einzuordnenden Einzeltäter ja überall erfolgen kann. Dass es nicht zielgerichtet ist. Und wenn wir uns selber zum Ziel erklären, ist das schlecht.

Haben sich die Maßnahmen nachteilig auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Nun, es gab empfindliche Störungen. Es kam vor, dass Sänger nicht auf die Bühne kamen. Also atmosphärisch macht es die künstlerische Arbeit nicht leichter, wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie in einem Hochsicherheitstrakt oder einem Gefängnis arbeiten oder wenn man sich daran erinnert, wie die DDR mal funktioniert hat.

Sehr schöne Zusammenarbeit mit Nelsons

Hat der Wechsel des Dirigenten sich einschneidend auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Das war erst mal eine sehr schöne Zusammenarbeit mit Andris Nelsons, die dann abrupt endete. So richtig nachvollziehen kann man es letztendlich dann doch nicht. Weil Andris Nelsons vielleicht auch etwas überempfindlich reagiert hat. Er hätte ja nur sagen müssen, was er an Atmosphäre braucht. Dann gab es fünf Tage der totalen Verunsicherung. Die waren sehr schwierig für alle Beteiligten. Und als dann Hartmut Haenchen feststand und seine Arbeit aufgenommen hat, ging es gut voran.

Bis heute ist nicht klar, was den Dirigenten zur vorzeitigen Aufgabe drängte und welche Rolle der Musikdirektor der Bayreuther Festspiele dabei spielte.

Thielemann hat sehr wohl seine Meinung immer deutlich geäußert. Und war auch auf Proben anwesend. Allerdings mit dem Rückzug von Andris Nelsons hat er sich auch zurückgezogen. Und hat dann Hartmut Haenchen oder mich nicht weiter behelligt.

Katharina Wagner hat sich herausgehalten

Welchen Einfluss nahmen Katharina Wagner und Christian Thielmann auf Ihre Arbeit?

Katharina Wagner hat sich herausgehalten, Thielemann schon deutlicher eingemischt. Es gibt manchmal so eine Art von Verunsicherungen, die so atmosphärisch ausgebreitet werden. Und dann gibt es auch manchmal eine daraus entstehende Hysterie. Also, außer dass wir den wunderbaren Andris Nelsons verloren haben, sind wir ansonsten nicht davon behelligt worden und sind da ganz gut durchgekommen.

Der „Parsifal“ erschließt sich nicht leicht. Was teilt er uns heute mit?

Es geht sicher um die christliche Religion und das Gute, das die christliche Religion als gemeinschaftliche, zugeneigte, empathische Religionsgemeinschaft hat. Und um den problematischen Kern des gefolterten, zerstörten Leibes des Menschengottes. Diese ewige Qual ist ja in die Liturgie eingeschrieben. Und ob man mit dieser ewigen Qual, den Kriegen und mit dieser Gewalt ewig weiterleben muss, die ja scheinbar in alle religiösen Konflikte, vor allem in den monotheistischen Religionen, eingeschrieben ist. Also ob diese zerstörerische, aggressive Wut in diesen Religionen auch prinzipiell eingemeißelt ist, darüber versucht Parsifal Auskunft zu geben.

Die Figur des Parsifal versucht, über diese Aggression hinauszukommen, die Aggression aus der Religion auszunehmen. Für Atheisten vielleicht prinzipiell nicht interessant, aber doch von Interesse, weil sie ja mit Religionskriegen konfrontiert sind. Und für Leute, die in diesen Religionen leben, insofern heikel, weil es ihr innerstes Glaubensbekenntnis berührt.

 
 

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