Lammerts Vaterunser - „Erst das Herz, dann der Verstand“

Norbert Lammert (links) beim Reformations-Gottesdienst 2010 in der St. Georgs Kirche in Hattingen. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
Norbert Lammert (links) beim Reformations-Gottesdienst 2010 in der St. Georgs Kirche in Hattingen. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
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Bochum.. Bundestagspräsident Norbert Lammert hat das „Vaterunser“ neu übersetzt. Stefan Heucke daraus einen Chorgesang komponiert. Am Freitag ist die Uraufführung in der Bochumer Christuskirche.

„Pater Noster – Unser Vater“: Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat das bekannteste aller christlichen Gebete neu in unsere Zeit übertragen. Der Komponist Stefan Heucke hat daraus ein Chorwerk geschaffen. Am Freitag ist die Uraufführung. Mit Stefan Heucke sprach Lars von der Gönna.

Sie vertonen ein Vaterunser in der neuen Übertragung des amtierenden Bundestagspräsidenten. Was hat Sie daran gereizt?

Heucke: Ich kenne Norbert Lammert schon lange und finde, dass seine Übertragung wichtige Akzente setzt und Bekanntes behutsam infrage stellt. Da heißt es zum Beispiel statt „Dein Reich komme, Dein Wille geschehe” bei Lammert „Dein Reich kommt, wenn Dein Wille geschieht”. Dass der Mensch etwas dazu tun kann und muss, ist eine wichtige Botschaft.

Die ideale Form

Ein „Vaterunser”, eine Ansprache an Gott, zu vertonen — ist das für einen Komponisten etwas besonders Heikles?

Für mich nicht so sehr. Ich gehe immer gleich vor, ob ich nun das Vaterunser oder ein zeitgenössisches Gedicht vertone. Es ist immer zuerst die Frage, was die Grundaussage ist. Und dann, was ich dafür als ideale Form wähle.

Sie komponieren Musik in einer Welt, die eingängige Klänge bevorzugt...

Natürlich schmeiße ich mich nicht ans Publikum ran. Anders herum habe ich den Wunsch, Musik zu schreiben, die viele Menschen erreicht. Ich halte nicht viel von E-Musik, für die man stundenlange philosophische Abhandlungen erdulden muss, um sie verstehen zu können.

Emotionale Kraft

Was kommt von Ihrer Vaterunser-Vertonung beim Hörer an, wenn es gut geht bei der Uraufführung diesen Freitag in der Bochumer Christuskirche?

Wenn es gut geht, dann hat die Musik eine emotionale Kraft, die Menschen darüber nachdenken lässt, was relevant ist im menschlichen Tun und Lassen. Der Weg, den ich mir für meine Musik wünsche hat eine klare Priorität: Erst das Herz, dann der Verstand.

Hand aufs Herz, was ist für Sie das größte Werk in der Kirchenmusik?

Ganz klar: Bachs Matthäuspassion.

  • Der Text von Norbert Lammerts Vaterunser-Übersetzung lautet:
    „Unser Vater im Himmel! / Groß ist dein Name und
    heilig. / Dein Reich kommt,
    Wenn dein Wille geschieht, /
    Auch auf Erden. / Gib uns das, was wir brauchen. / Vergib uns, wenn wir Böses tun und Gutes unterlassen. / So wie auch wir denen verzeihen wollen, / Die an uns schuldig geworden sind. / Und mach uns frei, wenn es Zeit ist, /
    Von den Übeln dieser Welt.“
  • Die Uraufführung am 12. November, 20 Uhr, Christuskirche Bochum, anlässlich des 150-jährigen Bestehens des Philharmonischen Chors Bochum. Außerdem erklingt Mozarts große C-Moll-Messe. Karten: 0234-33 33 55 55 oder Abendkasse.
 
 

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